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Bad Doberan Hütten in den Dünen haben keine Zukunft
Mecklenburg Bad Doberan Hütten in den Dünen haben keine Zukunft
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18:02 19.12.2018
Die Tage der Strandkorbvermieter-Hütten am Rand der Dünen scheinen gezählt zu sein. Quelle: Lutz Werner
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Kühlungsborn

Das Ostseebad Kühlungsborn wird in das neue Jahr ein Problem mit hinüber nehmen, das eigentlich längst gelöst sein sollte. Es geht um die 21 Hütten der Strandkorbvermieter. Sie wurden Mitte der 1990er Jahre teils in die Dünen hineingebaut. Gut 20 Jahre störte sich niemand daran. Bis vor einigen Jahren das Staatliche Amt für Landwirtschaft und Umwelt (Stalu) Mittleres Mecklenburg küstenschutzrechtliche Bedenken vorbrachte und den Rückbau der Hütten an diesen Standorten forderte. Seitdem ist die Sache in der Schwebe: Passiert ist noch nichts, aber die Rückbauforderung des Amtes– es hat beim Küstenschutz das Sagen – besteht nach wie vor. Verhandlungen der Stadt mit dem Stalu – mit dem Ziel, die Hütten an ihren Standorten zu erhalten – liefen bisher ins Leere. Zeitweilig herrschte sogar Funkstille zwischen beiden Seiten, weil sich die Fronten immer mehr verhärtet hatten (OZ berichtete).

Anfang November traf sich Bürgermeister Rüdiger Kozian (parteilos) mit Landwirtschafts- und Umweltminister Till Backhaus (SPD) – ihm unterstehen die Staatlichen Ämter für Landwirtschaft und Umwelt in MV – um wieder Bewegung in die Sache zu bringen. „Weitere Treffen auf Arbeitsebene werden folgen“, kündigt Minister Backhaus an.

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Till Backhaus (Landwirtschafts- und Umweltminister M-V): „Weitere Treffen auf Arbeitsebene werden folgen.“ Quelle: Ove Arscholl

So, wie es aussieht, haben die Hütten an ihren jetzigen Standorten keine Zukunft mehr – so kann man eine längere Presse-Mitteilung des Ministers kurz zusammenfassen. Dabei geht es eigentlich gar nicht mehr darum, ob die Hütten in den Dünen den Küstenschutz gefährden oder nicht. Zwei Gutachten, von der Stadt in Auftrag gegeben, kommen zu dem Ergebnis, dass sie unschädlich für den Küstenschutz sind, so Kozian. Kritisch wird aber – so die Sicht von Ministerium und Staatlichem Amt – die überwiegend unzulässige Nutzung gesehen.

Der Paragraph 74 des Landeswassergesetzes lässt ausnahmsweise eine Nutzung von Baulichkeiten in Küstenschutzanlagen wie Dünen zu, wenn dadurch deren „Wehrhaftigkeit“ und Unterhaltung nicht gefährdet werden. Allerdings müsse diese Nutzung „im Interesse des Wohls der Allgemeinheit“ sein. Beide Bedingungen müssten erfüllt sein – und genau dies sei das Problem in Kühlungsborn. Die Kassierung der Kurtaxe geht bei Amt und Ministerium im Sinne von Gemeinwohl durch. Aber: Die Nutzung der Häuschen habe sich im Laufe der Jahre erheblich verändert. „Die Stadt Kühlungsborn hat sie an Privatpersonen veräußert. Die Kassierung der Kurabgabe wurde zunehmend durch andere Nutzungen (Strandkorbverleih, Verkauf von Imbissartikeln und anderem) verdrängt“, wird argumentiert. Aufgrund der so stark verschobenen Nutzung könne die Ausnahmegenehmigung nicht weiter aufrecht erhalten werden. Es müsse zurückgebaut werden. Weil eine weitere Ausnahmeregelung in Kühlungsborn ein negatives Signal an andere Kommunen sei, denen Verkaufseinrichtungen an ähnlichen Standorten nicht genehmigt wurden.

„Die Stadt Kühlungsborn hat ein Strandnutzungskonzept erarbeitet, das vorzieht, die Häuschen aus den Dünen auf den Strand zu verlagern. Denn auf dem Strand können, anders als in den Dünen, wasserrechtlich auch Nutzungen im privaten Interesse zugelassen werden, sofern sie mit den Küstenschutzbelangen vereinbar sind“, heißt aus dem Hause Backhaus. Über Standorte sei mit den Küstenschutzverantwortlichen und der Forst bereits gesprochen worden. Abstimmungsbedarf gebe es noch hinsichtlich der Bauweise der Häuschen. Das soll in weiteren Beratungen Anfang kommenden Jahres geklärt werden.

Bürgermeister Kozian bestätigt diesen Stand der Dinge. Verhehlt jedoch nicht, dass er sich persönlich einen Erhalt der alten Standorte gewünscht hätte – wie auch die Strandkorbvermieter. Technisch sollte es möglich sein, auf soliden Pfahlgründungen Plattformen zu errichten, auf denen die Häuschen temporär während der Strandsaison stehen könnten. „Aber alles so gebaut, dass die Plattformen auch durch stürmische Hochwasser, die wir auch von Frühjahr bis Herbst immer wieder haben, nicht gefährdet sind“, betont er. Die Hütten wären dann temporäre Bauten – Aufbau im Frühjahr, Abtransport ins Winterquartier im Oktober.

Wann die Veränderungen umgesetzt sein werden, ist derzeit noch völlig offen. „Wenn es schnell Klarheit über die Bauweise der Hütten geben wird, sollte das Genehmigungsverfahren schnell und unkompliziert sein“, sagt Kozian. Allerdings erfordere so ein Bauprojekt einen längeren Planungsvorlauf und Bauarbeiten mitten in der Strandsaison wären auch nicht eben optimal.

„Zunächst wird sich nichts ändern“, schätzt Rechtsanwalt Michael Rode ein. Er vertritt die Interessen der Strandkorbvermieter und wird bei weiteren Verhandlungen mit am Tisch sitzen. „Ich werde an einer einvernehmlichen Lösung zum gegenseitigen Nutzen mitarbeiten“, kündigt er an.

Lutz Werner

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