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Bad Doberan Humor statt Vorwürfe: Platinhochzeit nach 70 Jahren
Mecklenburg Bad Doberan Humor statt Vorwürfe: Platinhochzeit nach 70 Jahren
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06:01 16.04.2019
Ilse und Helmut Mattke aus Heiligendamm begehen am Dienstag ihren 70. Hochzeitstag.
Ilse und Helmut Mattke aus Heiligendamm begehen am Dienstag ihren 70. Hochzeitstag. Quelle: Sabine Hügelland
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Heiligendamm

Manche Paare scheinen das Geheimnis der lebenslangen Liebe zu kennen. Bei Ilse und Helmut Mattke aus Heiligendamm muss es wohl so sein, denn die beiden sind am Dienstag seit 70 Jahren verheiratet. Am Sonnabend feiern sie mit Familie und Freunden in Reddelich das große Jubiläum, auch Gnaden- oder Platinhochzeit genannt.

„Ich war erst 20 Jahre alt und musste meine Eltern bitten, mir eine Bescheinigung zu geben, dass ich heiraten darf“, erinnert sich Ilse Mattke, denn erst mit 21 Jahren wurde sie volljährig. Sie selbst war jahrelang Standesbeamtin in Bad Doberan. Sie hat als Tipp an alle Paare: „Nicht gleich auseinanderrennen, wenn Probleme auftreten“. „Sich immer wieder zusammenraufen, wenn Meinungsverschiedenheiten auftreten und gemeinsam frühstücken.“

Das Ehepaar arbeitet immer an seiner Beziehung. „Einmal rief mich mein Mann im Standesamt an und fragte: ,Sag mal, ist es so windig da draußen, dass die Tür zuklappte?’“, erinnert sie sich. „Ich hatte es an diesem Tag so eilig, dass ich vergaß mich bei ihm zu verabschieden.“ Ihr Mann fand humorvolle Worte, statt Vorwürfe. Vielleicht ist auch das ihr Geheimnis für eine langjährige Partnerschaft.

Generationen von Förster

„Paare sollten einfach nicht so schnell aufgeben“, sagt Ilse Mattke, die am Ostersonntag ihren 91. Geburtstag feiert. „Wo Sonne ist, ist auch Schatten, damit muss man leben lernen.“ Die beiden kamen aus Ostpreußen und lebten nach dem Zweiten Weltkrieg zuerst im Kreis Salzwedel in Sachsen-Anhalt.

„Wir waren Nachbarn, so lernten wir uns kennen“, sagt Helmut Mattke. Während der Vater von Ilse Mattke in der Landwirtschaft tätig war, arbeitete sein Vater und die Vorfahren in der Forstwirtschaft. Mütterlicherseits sogar bis in die sechste Generationen zurück. So wurde auch er Förster. Heute zeugt noch die nach ihm benannte „Forstmeister Helmut Mattke-Schneise“ zwischen Bad Doberan und Heiligendamm von seiner langjährigen Arbeit.

Laufbahn beginnt in Ostpreußen

Mattkes Laufbahn begann in Ostpreußen. Als er eine Ausbildung als Anwärter für den gehobenen Forstdienst begann, musste er 1942 in den Krieg ziehen. 1946 fand er seine Eltern nach ihrer Flucht im Kreis Salzwedel wieder und zog zu ihnen. Drei Jahre lang arbeitete er in der Landwirtschaft. 1949 heiratete Helmut Mattke seine Ilse, geborene Schwenzfeier. In diesem Jahr erfolgte auch der Wiedereinstieg in die Forstwirtschaft.

Nach Ausbildung und Studium war Mattke ab 1953 Revierförster- und Oberförster und außerdem im Außendienst des Kreises Bad Doberan tätig. Die letzten fünf Jahre vor der Rente arbeitete er als Forstmeister in der Bezirksforstverwaltung Rostock.

Unterstützung in der Familie

Seit 1977 lebt das Paar in Heiligendamm, zuvor in der Försterei in Doberan. Helmut Mattke gehörte zu den passionierten und weidgerechten Jägern und war als guter Schütze bekannt. Auch verfasste er zehn Bücher, darunter „Norddeutsche Jagd- und Forstgeschichten“. Seine letzte Lesung im Ehm Welk-Haus liegt gerade einmal zwei Jahre zurück.

Seine Frau Ilse, mit der er vier Kinder, vier Enkel und vier Urenkel hat, erhielt Ende der 1960er Jahre eine Delegierung für ein vierjähriges Fernstudium zur Staatswissenschaftlerin. Sie wurde auch Kreisvorsitzende des Demokratischen Frauenbundes Deutschland. „Manchmal ging es um solche Dinge wie, dass eine Bushaltestelle benötigt wurde, damit die Kinder auf dem Schulweg nicht im Regen stehen müssen.“

Viel hätte ihr in der Zeit ihre älteste Tochter Elke geholfen, sagt sie. Und fügt hinzu: „Auch jetzt noch“. Ein Sohn wohnt im oberen Teil des Elternhauses und kümmert sich auch. Eine weitere Tochter übernahm das berufliche Erbe und ging in die Forstwirtschaft. „Ich wünsche mir, dass meine Eltern noch viele Jahre gemeinsam in Gesundheit vor sich haben“, so Tochter Elke Hildebrandt.

Sabine Hügelland