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Bad Doberan Die Rasenmacher aus Sandhagen
Mecklenburg Bad Doberan Die Rasenmacher aus Sandhagen
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14:00 22.02.2019
Der Diplom-Agrar-Ingenieur Martin Staemmler mit Mitarbeiterin Marie-Luise Busch vor dem Großradlader und dem neuen Kompaktradlader Giant, die für das Kompostwerk eingesetzt werden. Quelle: Sabine Hügelland
Sandhagen

Martin Staemmler war schon im elterlichen Betrieb sehr innovativ. In Sandhagen entstand ein Kompostwerk, wo auch mit Ostseetreibsel gearbeitet wird. So nimmt die Hanseatische Umwelt CAM GmbH unter anderem am Biokatalyse-Forschungsprojekt „LIPOMAR“ teil, in Zusammenarbeit mit der Firma Clariant München, der Fraunhofer Gesellschaft, der TU München und der TU Hamburg Harburg.

Viele Unternehmen ließen sich im 113 Einwohner starken Sandhagen nieder. Die „Hanseatische Umwelt CAM GmbH“ ist das größte Unternehmen und von der B 105 aus gut zu sehen. Dort ist Diplom-Agrar-Ingenieur Martin Staemmler der geschäftsführende Gesellschafter: „Ich führe die Gesellschaft mit zwei Hamburger Gesellschaftern, die aber in Sandhagen kaum in Erscheinung treten“, sagt er. Acht bis zehn Angestellte arbeiten hier.

Ein Unternehmen für Generationen

„Neu ist, dass wir die Mannschaft der Firma verjüngt haben. Ich verderbe mit meinem Alter den Schnitt“, sagt der 71-Jährige und schmunzelt. Es wird bald noch weitere Veränderungen geben: „Am 1. April steigt mein Sohn Sebastian Staemmler mit in die Firma ein“, gibt sein Vater bekannt. „Er soll einmal meinen Posten einnehmen, sodass ich mich anderen Aufgaben widmen kann.“ Sein 36-jähriger Sohn – Staemmler hat fünf Kinder - studierte Landwirtschaft, kennt sich aus mit Biogasanlagen und ist zurzeit noch Betriebsleiter in Bayern.

Für Martin Staemmler scheint Stress ein Fremdwort zu sein. „Ich halte mich mit Qi Gong fit“, sagt er. Er spielt Tischtennis, gehört dem Lions Club Warnemünde an und ist in der Gemeinde Nienhagen wo er auch lebt, politisch aktiv. Viel geistige und körperlicher Arbeit begleiten ihn sein Leben lang, denn er ist ständig Innovationen auf der Spur. Sein Weitblick und das ständige Bedürfnis, neue Methoden zu entwickeln, verdankt er seinen Eltern. Sein Vater war Professor der Medizin. „Von ihm habe ich Zielstrebigkeit gelernt. Von meiner Mutter, der Landwirtin und Physiotherapeutin, das Künstlerische und den Blick auf das Innovative“, sagt Martin Staemmler.

Die Rasenmacher aus Sandhagen

„In meiner Familie gab es allgemein viele Wissenschaftler“, sagt er. Sein Großvater, Professor Draeger, erwarb das Gut, wo Staemmler im September 1947 geboren wurde. 1966 übernahm er als junger Mann mit seiner Mutter den landwirtschaftlichen Betrieb. 1992 kaufte er die Hallen der ehemaligen LPG Bastorf in Sandhagen und baute darauf das Kompostwerk mit zehn Hektar Firmenfläche. „Wir machen, was andere nicht können“, sagt Staemmler. Die Rasenmacher nennen sie sich auch: 25 000 bis 30 000 Quadratmeter Rasenfläche werden von seiner Firma pro Jahr erneuert. „In Neubaugebieten sanieren wir Rasenflächen und machen Ingenieursarbeiten für Galabau.“ In Kröpelin sanierte Staemmler den Waldsportplatz.

Bereits 1987 entwickelte Martin Staemmler eine Methode, Treibsel zu Kompost zu verarbeiten und war damit seiner Zeit weit voraus. 1985 verarbeitete er Algen in seiner Kompost-Anlage am Familien-Gut Godderstorf in Ostholstein. Es handelte sich um eine geruchslose Aufbereitung von Schweine-Gülle, wofür er den ersten Preis in einer Ausschreibung der Universität Kiel erhielt. Die angespülten Makroalgen holt er jetzt vor allem aus Kühlungsborn, Rerik, Klütz und im Ostseebad Binz. „Aktuell auch vom Yachthafen Hohe Düne.“ Bis 8000 Kubikmeter Treibsel und diverse Erden werden verarbeitet.

Reifer Kompost für besseres Wachstum

Das Einsammeln von Treibsel am Strand ist wichtiger Bestandteil der Arbeit im Kompostwerk. Quelle: Sabine Hügelland

Sein Kompost, trägt dazu bei, dass weniger Nitrat im Grundwasser ist und die Pflanzen besser wachsen. „So wie die Algen vom Strand kommen, dürfte man sie jedoch nicht aufs Feld bringen“, sagt er. „Der Seetang ist durchsetzt mit Sand, Müll, Holz und Steinen“, erklärt Staemmler. Die Algenmasse, auch Ostseetreibsel genannt, wird ausgesiebt und entweder in gemeindeeigene Zwischenlager oder das Kompostwerk in Sandhagen gebracht, wo sie reifen muss.

In der Hanseatische Umwelt CAM GmbH wird auch geforscht. In den letzten Jahren nahm Staemmler mit seinen Mitarbeitern am Biokatalyse Forschungsprojekt „LIPOMAR“ teil, in Zusammenarbeit mit der Firma Clariant München, der Fraunhofer Gesellschaft, TU München und der TU Hamburg Harburg. In einer Trocknungsanlage werden die Mengen an Makroalgen für das Projekt und größere Mengen als aktiver Bodenhilfsstoff in dem Kompostwerk aufbereitet.

Quallen gegen Mikroplastik

„Wir suchen die Zusammenarbeit mit anderen Institutionen und Unternehmern in MV als auch in den anderen Anrainerstaaten der Ostsee, welche sich für dieses Gesamtthema interessieren“, sagt Staemmler, der sich nun auch, in Zusammenarbeit mit der Firma engage AG Rostock, Go Jelly widmet. Das ist ein von der EU H2020 finanziertes Projekt, an dem sich acht Länder beteiligen. Quallen sollen unter anderem auch zur Bekämpfung von Mikroplastik im Meer eingesetzt werden. Der gesamte Mittelmeerraum, China und Norwegen arbeiten mit der Universität Kiel zusammen. Die Vorversuche werden dort weiterverarbeitet.

„Die amerikanische Rippenqualle wurde eingeschleppt, sie minimiert den Fischbestand, kann jedoch auch Mikroplastik in Ihrer äußeren Schicht aufnehmen“, so Martin Staemmler. Über seine Arbeit und die Forschungsergebnisse hält er Vorträge an verschiedenen Universitäten und vor Landwirten. Martin Staemmler ist Teamarbeit sehr wichtig: „Ich werde mir eine Forschungs GmbH aufbauen, wenn mein Sohn sich eingearbeitet hat.“

Sabine Hügelland

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