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Bad Doberan „Wir sollten einander die Hand reichen“
Mecklenburg Bad Doberan „Wir sollten einander die Hand reichen“
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13:42 13.06.2019
Lebt gern in Bad Doberan und wünscht sich ein noch größeres Miteinander: der Syrer Huossam Mohamad Alsalo. Quelle: Lennart Plottke
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Bad Doberan

 Huossam Mohamad Alsalo hat einen Traum: „Ich möchte hier in Bad Doberan Veranstaltungen organisieren, bei denen viele Leute zusammenkommen, die gemeinsam lachen, Spaß haben und einander die jeweiligen Kulturen näherbringen“, sagt der 29-jährige Syrer. „Denn die Menschen an sich sind doch eigentlich alle gleich – unterschiedlich ist nur ihr Glauben.“ Entscheidend sei der Umgang miteinander, ist Alsalo überzeugt: „Wir sollten einander die Hand reichen und mehr miteinander ins Gespräch kommen.“

Auch deshalb möchte der junge Syrer seine ganz persönliche Geschichte erzählen. Ende 2015 ist er gemeinsam mit seinem Bruder aus Aleppo geflohen – vor Krieg, Zerstörung und Tod. „Unter dem jetzigen Machthaber ist dort ein sicheres Leben nicht mehr möglich“, sagt Huossam Mohamad Alsalo. „Direkt nach der Ausbildung oder dem Studium müssen alle jungen Männer zur Armee, bekommen Waffen, um andere Menschen zu töten – immer mit der Angst, selbst getötet zu werden.“

Dabei habe er vor Ausbruch des Krieges zusammen mit seinem Bruder in einer großen Firma gearbeitet, sagt Alsalo: „Nach meinem Bachelor in Sporterziehung hatte ich eigentlich eine gute Zukunft vor mir – das war vor vier Jahren erst mal vorbei.“

Interesse an Sprache und Kultur

Angekommen in Bad Doberan, besuchte der junge Mann viele Kurse, um Sprache und Kultur schnell besser kennenzulernen. „Dann bekam ich die Chance auf ein Praktikum an der Buchenberg-Schule, bei dem ich auch vier Stunden unterrichten konnte – das war toll“, sagt Alsalo in nahezu perfektem Deutsch. Nach gut anderthalb Jahren habe sich Schulleiter Herbert Thietke dafür eingesetzt, dass er mehr Unterrichtsstunden bekommt, erinnert sich Huossam Mohamad Alsalo: „Um beruflich weiterzukommen – die Zukunft hatte für mich eine Tür aufgemacht.“

Doch zum Ende des Schuljahres 2017/18 war für ihn auf dem Buchenberg erst mal Schluss: „Es gibt für mich immer nur kurzfristige Möglichkeiten, an Schulen zu unterrichten – für mehr reicht mein Abschluss nicht aus.“ Das Problem: In Deutschland braucht der Syrer ein zweites Hauptfach. „Ich möchte aber unbedingt weiter arbeiten und mir vielleicht über ein duales Studium die notwendigen Qualifikationen holen – das ist aber gar nicht so einfach.“

Und so verschlug es ihn im Schuljahr 2018/19 „fast in Vollzeit“ an die Regionale Schule „Heinrich Schliemann“ nach Neubukow. „Ein tolles Jahr – ich konnte viele Erfahrungen sammeln, neue Leute kennenlernen, und auch die Kinder waren begeistert.“ Daneben konnte er zumindest für einen Tag in der Woche auch wieder an der Buchenberg-Schule Sport unterrichten. „Dazu arbeite ich nachmittags im Gesundheitszentrum Schütt & Gerlach in Bad Doberan als Fitnesstrainer – ich kann doch meine Freizeit nicht nur zu Hause auf der Couch verbringen.“

Flüchtlinge als Teil der Gesellschaft

Auch deshalb sei ihm der persönliche Kontakt mit seinen Mitmenschen so wichtig, erklärt Huossam Mohamad Alsalo: „Die Leute sollen sehen, wie motiviert wir Syrer sind und dass wir sehr wohl arbeiten und uns integrieren wollen – wir sind ein Teil der Gesellschaft, ein Teil der Stadt und wollen zusammen unsere Zukunft gestalten.“ Immerhin: Für das kommende Schuljahr habe er eine Stelle an der Conventer Schule in Rethwisch in Aussicht, freut sich der Sportlehrer: „Es müssen noch letzte Gespräche geführt werden – ich freue mich auf die neue Aufgabe.“

Auch sein heute 32-jähriger Bruder habe in Deutschland und Bad Doberan schnell Fuß gefasst, sagt Alsalo: „Er war sehr aktiv im Netzwerk ,Doberan hilft’ – als Dolmetscher und bei der Organisation von Veranstaltungen.“ Im Moment leiste er gerade seinen Freiwilligen-Dienst als Dolmetscher in der Ausländerbehörde: „Aber damit ist am 15. Juli auch schon wieder Schluss.“ Am liebsten würde der studierte Wirtschaftsökonom an der Uni Rostock seinen Master-Abschluss machen: „Wir suchen gerade nach Möglichkeiten.“

Sehnsucht nach Heimat und Familie

Kann er sich vorstellen, für immer in Deutschland zu leben? Huossam Mohamad Alsalo schluckt: „Ich habe eine große Sehnsucht nach meiner Familie, die noch in Aleppo wohnt – meine Eltern habe ich seit vier Jahren nicht mehr gesehen.“ Ihm selbst werde die Einreise nach Syrien verweigert – deshalb habe er seine Eltern vor einiger Zeit nach Bad Doberan eingeladen. „Kurz vor dem Termin hat uns dann die Botschaft mitgeteilt, dass ein Besuch nicht möglich sei – die Sorge sei zu groß, dass meine Eltern dann gleich ganz hierbleiben. Dabei wollten wir uns einfach nur kurz sehen.“

Aleppo sei nach wie vor seine Stadt, betont Alsalo: „Wir hatten eine tolle Mischung der Religionen, es gab viele Kirchen und Moscheen, große Firmen, die Wirtschaft boomte – alles war so schön, so stolz. Ich habe eigentlich so schöne Erinnerungen.“ Jetzt sei die Stadt zu 85 Prozent zerstört, von ehemals sieben Millionen Einwohnern seien ganze 900 000 übrig geblieben: „Ich würde gern irgendwann nach Syrien zurückkehren – vorher müssen sich aber die Machtverhältnisse grundlegend geändert haben.“

Lennart Plottke

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