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Bad Doberan Katastrophenretter suchen Nachwuchs
Mecklenburg Bad Doberan Katastrophenretter suchen Nachwuchs
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13:49 20.06.2019
Voll ausgestattet für den Aufbau und Betrieb der Behandlungsplätze: DRK-Ausbildungsleiter Bernd Klischke am Lkw für die Medical Task Force. Quelle: Lennart Plottke
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Bad Doberan

Das Doberaner Krankenhaus brennt. Dutzende Patienten müssen in Sicherheit gebracht werden. Ob es Verletzte gibt und wenn ja, wie viele, ist noch vollkommen unklar. Eine dramatische Situation, die den Helfern der Medical Task Forces (MTF) in den nächsten Stunden alles abverlangen wird.

Zumindest theoretisch: Denn das Katastrophenszenario geschah vor anderthalb Jahren glücklicherweise nur auf dem Papier. Auf der Doberaner Galopprennbahn waren damals insgesamt 59 Männer und Frauen der MTF 13 aus der Region Westmecklenburg zusammengekommen, um die Abläufe in solch einem Notfall zu trainieren. „Wir machen diese großen Übungen mindestens einmal im Jahr“, sagt Abteilungsführer Dirk Killermann. „Dabei soll vor allem das Zusammenspiel der verschiedenen Kräfte besser aufeinander abgestimmt werden.“

Gründung geht auf den 11. September 2001 zurück

Gerettet von Helfern der MTF: Einsatzkräfte bei einer Übung auf Rügen. Quelle: Andreas Pfaffe

Die Idee zur Bildung dieser neuen Zivilschutzeinheiten geht auf das Jahr 2001 zurück – am 11. September starben bei den Anschlägen auf das New Yorker World Trade Center 2753 Menschen. Im ganzen Bundesgebiet sind die medizinischen Einsatzgruppen verteilt, 53 gibt es inzwischen, drei in Mecklenburg-Vorpommern. Eine führt das DRK in Grevesmühlen, die beiden anderen befinden sich in Grimmen und Neustrelitz. „Um im Ernstfall schnell erreichbar und einsatzbereit zu sein, haben wir uns dezentral organisiert und nutzen die Strukturen der DRK-Kreisverbände und der Krankenhäuser“, erklärt Bernd Klischke, Ausbildungsleiter beim DRK-Kreisverband Bad Doberan. „Wir gehören zum Standort 13, Region Westmecklenburg.“

„Im Grunde genommen sind wir nichts anderes als ein mobiles Krankenhaus, das innerhalb weniger Stunden ausrücken kann.“ Dirk Killermann, MTF-Abteilungsführer Quelle: Lennart Plottke

Im Grunde genommen seien die MTF „nichts anderes als ein mobiles Krankenhaus, das innerhalb weniger Stunden ausrücken und vor Ort alle notwendigen Leistungen bringen kann, die für die Erstversorgung gebraucht werden“, sagt Dirk Killermann, Chefarzt für Notfallmedizin am örtlichen Krankenhaus und Abteilungsführer der insgesamt 138 Mann (und Frau) starken Gruppe in Grevesmühlen. Der Ernstfall: Das sind neben Terroranschlägen vor allem sogenannte „MANV“ (Massenanfall von Verletzten) – wenn die örtlichen Rettungskräfte die Situation nicht mehr allein bewältigen können.

Sollte ein solcher Katastrophenfall ausgerufen werden, greift ein festgelegter Notfallplan. „Dann würden aber die Medical Task Forces aus unserer Region niemals angefordert werden“, erklärt Mayk Tessin, Leiter der Brandschutz-Dienststelle im Landkreis Rostock. „Denn die ehrenamtlichen Mitglieder der MTF bestehen zu einem erheblichen Teil aus Mitarbeitern und Mitgliedern des DRK – unsere Kräfte sind dann ohnehin schon in den Notfallplan involviert.“ Also kommen dann jene Einheiten zum Einsatz, die in unmittelbarer Nähe liegen – etwa die MTF aus Schleswig-Holstein oder Neustrelitz.

Bundesweit einheitliche Standards

Eine Besonderheit der MTF ist es, dass bundesweit einheitliche Standards für Ausrüstung, Ausbildung und die Abläufe gelten. „So kann jede Einheit in jedem Einsatzort sofort loslegen, wenn es zum Ernstfall kommt“, sagt Bernd Klischke. „Niemand muss lange fragen, in welchem Zelt die Erstversorgung oder die Aufnahme stattfindet und wo welche Ausrüstung gelagert wird.“

Das verlangt allerdings nicht nur Disziplin, sondern auch jede Menge Übung – und vor allem genügend Einsatzkräfte. Seit 2013, damals erhielt das DRK den Auftrag für Mecklenburg-Vorpommern, wird die MTF schrittweise auf- und ausgebaut. Die festgelegte Zahl der ehrenamtlich tätigen Mitglieder liegt bei 138. „Und weil jede Funktion doppelt besetzt sein muss, brauchen wir insgesamt 276 Leute“, erklärt Abteilungsführer Dirk Killermann. „Die erste Besetzung haben wir, aber bis wir bei der endgültigen Zahl sind, dürfte es noch eine Weile dauern.“

Öffentliche Vorstellung am 25. Juni in Bad Doberan

Auch deshalb soll die relativ junge Einheit am 25. Juni öffentlich in Bad Doberan vorgestellt werden. „Wir wollen um neue Mitglieder werben“, sagt Bernd Klischke. Ab 18 Uhr werden auf dem DRK-Gelände im Doberaner Gewerbegebiet am Waldrand 13 die beiden voll ausgestatteten Lkw sowie jede Menge Technik vorgeführt: „Um Menschen zu gewinnen, die sich für den Ernstfall ausbilden lassen – der hoffentlich nie eintreten wird.“

Dabei lernen die Nachwuchs-Retter das volle Hilfs-Programm: „Ob Kraftfahrer, Logistiker, Sanitäter, Arzt oder Schreibkraft“, zählt Klischke auf. „Die Ausbildung ist fachübergreifend nutzbar – wir brauchen Leute, die alles können.“

Regelmäßig treffen sich die Mitglieder zu Schulungen und Workshops, mindestens einmal im Jahr gibt es eine große Übung. „Wir reden im Durchschnitt von zehn Stunden im Monat, die für die Medical Task Forces aufgewendet werden müssen“, macht Bernd Klischke deutlich. „Das nimmt in etwa so viel Zeit in Anspruch, wie einmal in der Woche Fußball zu spielen oder Kegeln zu gehen – also eigentlich machbar und absolut im Rahmen.“ Ein ehrenamtlicher Aufwand, der im Ernstfall Leben retten kann.

Lennart Plottke

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