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Bad Doberan Kita-Streit: Landkreis weist Kritik zurück
Mecklenburg Bad Doberan Kita-Streit: Landkreis weist Kritik zurück
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10:39 24.03.2019
Ist seit Ende Januar dicht: die Kita "Wichtelhausen" in Parkentin. Quelle: Lennart Plottke
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Parkentin

Seit Ende Januar ist die Kita „Wichtelhausen“ in Parkentin dicht – der Landkreis hatte dem privaten Betreiber nach einem „länger andauernden Prozess aus Beschwerden, Überprüfungen, Kontrollen, Vereinbarungen und Auflagen“ die Betriebserlaubnis entzogen. Um eine Betreuung der Kinder dennoch zu gewährleisten, hatte die Gemeinde in Zusammenarbeit mit der Arbeiterwohlfahrt in den Räumen der „Alten Schule“ kurzfristig 15 Kindergarten-Plätze geschaffen, in der Doberaner Kita „Uns Windroos“ wurden vorübergehend sechs zusätzliche Krippenplätze eingerichtet.

Aktuell gibt es Verhandlungen zwischen potenziellen Trägern und dem Eigentümer des Gebäudes – mit dem Ziel, das Haus in Parkentin auch künftig wieder als Kindertagesstätte zu nutzen. Einigen betroffenen Eltern gehen diese Maßnahmen allerdings nicht weit genug – sie kritisieren das Jugendamt scharf und bemängeln, dass die zum Teil desaströsen Zustände in der Kita seit 2017 bekannt gewesen seien: Immer wieder hätten sie Probleme geschildert, Unterlagen und sogar ärztliche Gutachten eingebracht, die belegen würden, dass Kinder aufgrund mangelhafter Hygiene oder auch körperlicher Angriffe unter gesundheitlichen Problemen gelitten haben.

Gesetzlich vorgeschriebene Auflagen seien vom Träger nicht erfüllt worden – es habe demnach an Schlafwache, Portfolios sowie Entwicklungsbögen gemangelt. Zudem habe es kaum Fördermaßnahmen gegeben. Wirklich aktiv geworden sei das Jugendamt aber nicht – und auch, wenn die Kita nun geschlossen sei, wollen sie die damaligen Vorgänge nicht einfach so unter den Tisch fallen lassen.

Schwere Vorwürfe an einige Erzieher

„Für uns Eltern ist es nicht nachvollziehbar, warum einige Erzieher, die dem Treiben jahrelang zugesehen haben, so ungeschoren davonkommen und weiterhin tätig sind“, sagt etwa Claudia Wranik, deren Kinder im Jahr 2017 in der Parkentiner Kita untergebracht waren. „Sie haben die Mängel geduldet und selbst mit umgesetzt – viele Kinder verbinden schlimme Dinge mit ihnen.“

„Aufgrund einer Elternbeschwerde im Oktober 2017 sind das Jugendamt und weitere Kreisbehörden unmittelbar tätig geworden.“ Michael Fengler, Sprecher Landkreis Rostock Quelle: Margit Wild

Die derzeitige Situation sei noch immer nicht befriedigend, so Wranik: „Es ist einfach Tatsache, dass in der Vergangenheit keine Behörde das Problem tatsächlich mit uns angegangen ist – was bringt es, genau hinzuschauen, wenn es dann keiner hören will und erst recht niemand ausreichend reagiert?“

Schwere Vorwürfe – die der Landkreis Rostock entschieden zurückweise, macht Sprecher Michael Fengler deutlich: „Aufgrund einer Elternbeschwerde im Oktober 2017 sind das Jugendamt und weitere Kreisbehörden unmittelbar tätig geworden – gegen den Kita-Träger wurde ein formales Anhörungsverfahren veranlasst.“

Die pädagogische Fachberatung des Jugendamtes habe die Einrichtung konstant seit ihrem Bestehen begleitet, so Fengler: „Die Elternbeschwerden führten dazu, dass die Beratungstermine sehr engmaschig gesetzt wurden – dabei wurden der Träger mit pädagogischer Leitung, das gesamte Team und einzelne Erzieherinnen beraten.“ Im November 2017 sei durch Hygieneinspektoren des Gesundheitsamtes eine Kontrolle der Kita erfolgt: „Die von den Eltern übermittelten Mängel waren zu diesem Zeitpunkt bereits abgestellt.“

Ämter sahen keine „Gefahr im Verzug“

Zudem habe es angemeldete und unangemeldete Kontrollen der Einrichtung durch Kreisbehörden gegeben, sagt Fengler: „Der Träger ist den Anordnungen der Kreisbehörden nachgekommen, es wurde auch neues Personal eingestellt.“ Im weiteren Verlauf mit erneuten Beschwerden und Hinweisen seien Jugendamt und Gesundheitsamt wiederholt tätig geworden, hätten Räume, Unterlagen und Hinweise geprüft, betont der Kreis-Sprecher: „Sogenannte ,Gefahr im Verzug’ war daraus jedoch nach hiesiger Auffassung nicht abzuleiten.“

Dennoch: „Gegen zwei Mitarbeiterinnen der Kita wurden vorläufige Tätigkeitsverbote verfügt – eine Mitarbeiterin durfte unter Auflagen wieder tätig werden, gegen die andere erging ein dauerhaftes Tätigkeitsverbot.“ Dies sei das Ergebnis diverser Anhörungsverfahren im Sommer 2018 gewesen, erklärt Michael Fengler: „Die Personalsituation in der Kita hat sich nach einer anfänglichen Verbesserung im Jahr 2018 derart verschlechtert, dass der vertragsgemäße Betrieb und die Einhaltung der einschlägigen gesetzlichen Förderbedingungen für die Kinder nicht mehr gewährleistet werden konnten – infolgedessen wurde dem Kita-Betreiber schließlich Ende Januar 2019 die Betriebserlaubnis entzogen.“

Erste Beschwerden über Kita-Träger bereits vor 2017

In ihren Briefen an das Ministerium und das Jugendamt habe sie oft genug geschrieben, dass der Prozess durchaus so korrekt gewesen sein könne, sagt Claudia Wranik: „Auch, wenn es sich in der Realität nicht so anfühlt.“ Die Aussagen des Landkreises empfinde sie deshalb als „blanken Hohn“ – zumal die Kita immer wieder auffällig geworden sei „und viele Mängel im Sommer 2018 noch gegenwärtig waren – nachdem angeblich eine ,engmaschige’ Betreuung durch das Jugend- und Gesundheitsamt vorlag“, so Wranik.

Zudem hätten weitere Eltern berichtet, dass dem Jugendamt bereits vor 2017 Beschwerden zum Träger übermittelt worden seien. „Unser Fall zeigt eindeutig: Das System muss dringend zugunsten der Kinder und Eltern verändert werden“, ist Claudia Wranik überzeugt. „Eineinhalb Jahre dauerte das Treiben – mit dem Resultat, dass Kinder, die Separieren, Anschreien, grobes Anfassen, Toilettenverbot, Schläge und Essenszwang als ihren Alltag hingenommen haben, nun in psychologischer Behandlung sind. Bei Kindeswohlgefährdung und dem Qualitätsstandard einer Kita sollte kein Toleranzbereich erlaubt sein.“

Lennart Plottke

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