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Bad Doberan Relikte aus alter Zeit auf dem Museumsboden
Mecklenburg Bad Doberan Relikte aus alter Zeit auf dem Museumsboden
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14:00 25.01.2019
Waltraud und Karl-Heinz Troczynski besitzen eine Art Museum unter dem Dach ihres Hauses. Von Zeitungen über Werkzeug bis zum Halstuch der Weltfestspiele in Berlin blieb alles erhalten.
Waltraud und Karl-Heinz Troczynski besitzen eine Art Museum unter dem Dach ihres Hauses. Von Zeitungen über Werkzeug bis zum Halstuch der Weltfestspiele in Berlin blieb alles erhalten. Quelle: Sabine Hügelland
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Klein Siemen

 Ein kleiner Hund schaut neugierig auf und läuft dann die Straße zum Gutshaus auf dem Hügel. Klein Siemen wirkt gemütlich und besitzt eine interessante, wenn auch kleine dörfliche Struktur. Wer dorthin möchte, durchfährt eine alte Kopfsteinpflasterstraße mit schönen alten Alleebäumen. Um die 50 Erwachsene und 13 Kinder leben dort. Die wohl erste schriftliche Erwähnung erfolgte am 10. Juni 1322 als „Slavica villa Zymen“ – Slawischer Ort Zymen.

Drei Kamerun-Schafböcke stehen auf der Weide vor dem Haus von Waltraud und Karl-Heinz Troczynski. Die acht Mutterschafe mit den zwei Zwillingslämmchen-Paare besitzen einen Stall für sich hinter dem Haus. Vier Laufenten, vier Hühner und drei Katzen vervollständigen die ländliche Idylle auf ihrem Grundstück. Karl-Heinz Troczynski und seine Frau bauen fast alles, was sie verzehren, selbst an. Ausreichend Platz haben sie auf dem Grundstück der ehemaligen Siedlerei, die schon sein Großvater bewirtschaftete.

Pausenglocke am Lindenbaum

„Er läutete damals auf dem Gut zur Mittagszeit die Glocke, die in einem Lindenbaum vor dem Hofteich hing. Auch wieder, wenn die Pause vorbei war“, sagt der 68-Jährige. Karl-Heinz Troczynski hob das, was damals in der privaten Landwirtschaft genutzt wurde auf, wie auch vieles andere. Unter dem Dach des Wohnhauses verbirgt sich ein Raum voller Dinge, die mittlerweile als Museumsstücke bezeichnet werden können. Das kleine Refugium ist auch der Lieblingsplatz eines schwarzen Katers, der über die Familienschätze wacht.

Alte Fahrradsättel baumeln an der Decke, in Regalen und auf dem Fußboden stehen Dinge des täglichen Bedarfs, wie ein Röhrenfernseher, Zentrifuge, Spinnrad und Schlittschuhe, die zu seiner Jugendzeit an normale Schuhe geschnallt wurden. Es herrscht eine gewisse Ordnung, dafür sorgt seine Frau. „Ich habe nie etwas weggeworfen“, sagt Karl-Heinz Troczynski und zeigt auf seine Schultasche. „Die wurde später zur Brottasche umfunktioniert.“ Auch sein Schaukelpferd und sein Kindersitz überdauerten die Zeit. „Dem Silberbräutigam“ steht auf einer Kaffeetasse des Services, welches einst seine Großeltern geschenkt bekamen.

Alte Zeitungen und Alltagsgegenstände in Sammlung

Vieles stammt aus DDR-Zeiten wie Ausgaben der Ostsee-Zeitung sogar von 1958. Auf einem alten Sofa liegen auch „Die Sonntags Zeitung“ aus dem Jahr 1907, „Die Preußische Zeitung“ von 1922 und andere. „Kennen Sie das noch?“, fragt Karl-Heinz Troczynski und zeigt auf einen Tauchsieder, mit dem zu DDR-Zeiten das Wasser für Kaffee und Tee heißgemacht wurde. Erfinderisch waren sie damals, wie ein Werkzeug für den Garten zeigt, das heute wieder Schule machen sollte. Es besitzt nur einen Stil und mehrere auswechselbare Arbeitsflächen.

Karl-Heinz Troczynski spielte viele Jahre Fußball und sammelte auch Eintrittskarten wie 1969 zum Hansa-Spiel in Leipzig. „Ich habe dort mit meiner Mannschaft Traktor Kröpelin gespielt“, sagt er. An die Weltfestspiele in Berlin erinnert noch ein Halstuch mit vielen Autogrammen. „Dort war damals meine Frau“, sagt er. Trosczynski arbeitete als Landmaschinen-und Traktorenschlosser in Schmadebeck. Später war er in Altenhagen und dann im Dorf Mecklenburg tätig, wo seine Frau als Lehrerin arbeitete. So gingen sie weg aus Klein Siemen. „2002 kamen wir wieder und ich fand als Hausmeister beim Rat der Stadt Arbeit.“

Dorf-Verein gründete sich 2018

Für Karl-Heinz Troczynski ging es als Kind zu Fuß oder mit dem Rad zur Schule nach Altenhagen. Jetzt werden die Kinder durch das Deutsche Rote Kreuz nach Satow oder zum Schulbus gefahren. „In Klein Siemen herrscht ein toller Zusammenhalt, wir sind eine gute Gemeinschaft“, betont Waltraud Troczynski. „Auch schon durch den Dorf-Verein, den es seit letztem Jahr gibt und indem auch wir beide Mitglied sind.“

Der Verein kümmert sich um die Belange des Ortes. „Die Geschwindigkeitsbegrenzung von 30 km/h, die wir haben, muss eingehalten werden. Hier leben Kinder gefährlich, denn es gibt keine Bürgersteige“, sagt sie. Eine Dorfzeitung gibt Informationen, wann die nächsten Veranstaltungen wie Film- und Weinleseabende stattfinden. Im Februar steht Boßeln auf dem Plan. „Wir machen viel gemeinsam“, sagt Waltraud Troczynski „und helfen uns auch gegenseitig.“

Sabine Hügelland