Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Bad Doberan Klimastreik: So engagiert sich die Bad Doberaner Münstergemeinde
Mecklenburg Bad Doberan Klimastreik: So engagiert sich die Bad Doberaner Münstergemeinde
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
Jetzt kostenlos Testen Zur Anmeldung
06:00 29.11.2019
Jan Stewe (v.l.), Alina Struck, Constantin Fritzsch und Gemeindepädagogin Anne Jax setzen sich für das Klima ein. Quelle: Cora Meyer
Anzeige
Bad Doberan

„Wir wollen nicht auf die da oben warten, auf die Politiker oder auf Gott. Wir müssen selbst etwas tun“, sagt Anne Jax, Gemeindepädagogin der Münstergemeinde. Deshalb finden sich auch in Bad Doberan jeden Freitag Menschen zusammen, um für den Klimaschutz ein Zeichen zu setzen.

Kirche für Klima

Interessierte – nicht nur Schülerinnen und Schüler – treffen sich jeden Freitag um 13.30 Uhr am Bad Doberaner Münster. Nach einer Begrüßung besprechen die Teilnehmer aktuelle Nachrichten oder neue Erkenntnisse in Sachen Klimaschutz. Dann werden konkrete Wünsche, Ideen oder Vorschläge formuliert. Die Veranstaltung endet mit einem Gebet.

„Initiiert hat das Ganze Klaus Kronke“, sagt Anne Jax. Der Einwohner habe angeregt, Klimaaktionen auch in Bad Doberan zu machen. Engagierte sollten nicht bis nach Rostock fahren müssen, um sich der Fridays-for-Future-Bewegung anzuschließen. Sie selbst, sagt die Gemeindepädagogin, wollte eigentlich nur unterstützen und den Jugendlichen Raum dafür geben, selbst aktiv zu werden. Seit dem ersten internationalen Klimastreiktag trifft sich eine kleine Gruppe jeden Freitag. „Beim ersten Treffen war das Münster voll“, sagt Anne Jax, „damit hatten wir so nicht gerechnet.“ Inzwischen seien es weniger Teilnehmer geworden. Problematisch sei wohl auch die Zeit der Andacht um die Mittagsstunde, sagt Anne Jax. „Wir wollten weg aus der Unterrichtszeit, um den Verdacht zu bekämpfen, die Schüler kämen nur, um nicht zur Schule zu müssen. Zu spät könnten die Andachten aber auch nicht beginnen, da ansonsten alle Schulbusse in die Umgebung abgefahren seien. „Aber die Regelmäßigkeit ist wichtig, damit das Thema nicht aus dem Bewusstsein rutscht: Man wird mindestens einmal die Woche daran erinnert, dass wir so nicht weitermachen können.“

Anzeige

Konkrete Vorschläge und Aktionen

Ein wichtiges Element jeder Veranstaltung ist der Eigenanteil. „Wir überlegen uns ganz konkret, was wir ab heute in unserem Leben anders machen können, aber auch, was die Politik tun sollte.“ Auch Jan Stewe und Constantin Fritzsch versuchen, im Alltag bewusst zu leben. „Ich kaufe viel aus der Region“, sagt Jan Stewe. Im Winter verzichte er zum Beispiel auf Südfrüchte aus fernen Ländern. Auch Constantin Fritzsch zieht Fleisch vom Fleischer abgepackter Billigware vor.

Auch für die Stadt Bad Doberan gebe es Ideen, sagt Anne Jax. Beispielsweise, nach 20 Uhr die Beleuchtung in den Schaufenstern abzuschalten. Die jüngste Teilnehmerin ist in der siebten Klasse, die älteste Mitte 70. Gerade für Ältere sei es etwas Besonderes, sich in Klimaaktionsgruppen zu engagieren. „Viele fühlen sich, als ob wir ihnen die Fehler vorhalten, die ihre Generation gemacht hat. Das muss man erstmal annehmen und sagen, dass man etwas dagegen tun möchte.“

Dass die Andachten beim Kampf für den Klimaschutz helfen, davon ist Anne Jax überzeugt. „Wir als Christen glauben dran, dass Gebete Menschen verändern können. Und Menschen können die Welt verändern“, sagt die Mutter von vier Kindern. Aber auch Nichtchristen seien dazu aufgefordert, die Welt zu bewahren. Deshalb will die Klimagruppe auch selbst aktiv werden. „Wir wollen raus aus dem Münster“, sagt Anne Jax. Vorstellbar sei zum Beispiel, Wiesen anzulegen, Bienenhotels aufzustellen oder eine Müllsammelaktion zu organisieren.

Schnittstelle für Interessengruppen

Mit der Zeit habe sich gezeigt, sagt die Gemeindepädagogin, dass es in Bad Doberan unterschiedliche Bündnisse gibt, die sich für das Klima engagieren. Dazu gehört auch die Jugendgruppe „Cleaning with meaning“, zu der Alina Struck gehört. „Wir suchen uns einen Ort und dann sammeln wir dort Müll“, sagt die Schülerin. Darüberhinaus hat sich in Bad Doberan ein Ortsverband der Grünen gegründet. Auch eine Sympathisantengruppe zur „Extinction Rebellion“ habe sich in der Umgebung zusammengefunden. „Wir wollen eine Schnittstelle sein, wo man Interessen bündeln und Termine koordinieren kann.“ Die Gruppierungen haben sich darauf verständigt, gemeinsam in der Stadtvertreterversammlung am 16. Dezember das Wort zu ergreifen: „Wir wollen mit einer starken Stimme sprechen.“

Mehr zum Thema:

Von Cora Meyer