Kröpelin: Angst vor Jugendlichen an Turnhalle
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Bad Doberan Angst vor Jugendlichen an Turnhalle in Kröpelin: So soll das Problem gelöst werden
Mecklenburg Bad Doberan

Kröpelin: Angst vor Jugendlichen an Turnhalle

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10:23 17.10.2020
Susann Wieland, Thorsten Brost und Johannes Jürgens (v. l.) im großen Rathaussaal von Kröpelin. Quelle: Thomas Hoppe
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Kröpelin

„Danke für die Arbeit, die ist wichtig“, sagt ein Volksvertreter und gestandener Rockmusiker, der bestimmt weiß, worauf Jugendliche abfahren und wie sie ticken. Thomas Lehner, auch Bassgitarrist der Five Men on the Rocks, richtet sich damit am Montag vor dem Kröpeliner Sozialausschuss an Thorsten Brost, Leiter der hiesigen Jugendbegegnungsstätte, seinen ehrenamtlichen Helfer Johannes Jürgens und das Vorstandsmitglied vom DRK-Kreisverband Bad Doberan, Susann Wieland. Das Trio hatte gerade mit dem Stadtvertretergremium Tacheles über die Jubek, wie der Jugendclub hier im Rathaus genannt wird, geredet.

Thomas Lehner erinnert daran, dass sich die gewählten Volksvertreter Jugendarbeit in der Stadt auf ihre Fahnen geschrieben haben und sagt dann: „Wenn man nun merkt, dass es so angenommen wird, ist es schon schön“, doch man dürfe sich das nicht kaputtmachen lassen. Zuvor hatte Thorsten Brost, seit April Leiter des vom DRK-Kreisverband getragenen Kröpeliner Jugendclubs, ausführlich über die Aktivitäten in und von den Problemen insbesondere vor seinem Haus an der Schulstraße berichtet.

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Bis zu 30 Jugendliche nutzen Clubangebot

In der Corona-Zeit sei im Haus viel entrümpelt worden und es hätte mit Unterstützung der Stadt eine Grundreinigung stattgefunden – der Club könne sich jetzt sehen lassen und werde je nach Wochentag und Programm von montags bis freitags von zehn bis dreißig Jugendlichen besucht.

Zum Glück seien ihm Johannes Jürgens und Gitarrenlehrer Frank Rehberg erhalten geblieben, die im Club bereits unter der Trägerschaft der Falken ehrenamtlich aktiv waren. So könnte montags ein Gitarrenkurs angeboten werden, dienstags lade Barbara Handrock Interessierte zu einer Stunde Qigong-Dehnungsübungen vor ihrem regulären Yoga-Programm in den Saal ein, der Mittwoch gelte als Spieletag, für donnerstags steht ein Kurs vom Jugendrotkreuz auf dem Plan und freitags werde hier gern in die Disco gegangen.

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Auch ansonsten spiele Musik eine große Rolle im Club und deshalb sei eine Musikanlage für Wunschmusik mit Lautsprechern in mehreren Räumen installiert worden. „Damit sind wir nicht auf ein paar tragbare Boom-Boxen von Jugendlichen angewiesen, aus denen sehr einseitige und teilweise nicht verfassungskonforme Musik kommt“, erklärte dazu Sozialarbeiter Thorsten Brost.

Es wird viel für die Jugendlichen organisiert

Es gab bereits ein Grillfest mit Bogenschießen, es gibt eine Feuerschale, einen Kino-Play-Station-Tag, Turniertage. Zudem sei thematisch gearbeitet worden: zu Chancen und Risiken sozialer Medien, zum Datenschutz. Es gebe einen Tischkicker, ein Klavier, offene Angebote – für die Besucher gilt, laut Clubchef, eine Altersspanne von 11 bis 21 Jahren. In der ausgehängten Hausordnung steht noch „ab acht Jahren“ und von einer gültigen Einverständniserklärung („Muttizettel“), die das Betreten des Clubs ermöglicht. Vierzig solcher Erklärungen und Anmeldungen habe er bereits, versicherte Thorsten Brost im Rathaus und sagte, dass zehn weitere quasi avisiert wären.

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Allerdings werde der Jugendclub oft anhand derer wahrgenommen, die vor der Turnhalle sitzen. Da seien welche dabei, die laut sind, die für Scherben sorgen und provozieren, bis die Polizei gerufen werden müsse, nicht nur vom Clubleiter, sondern auch vom Hort gegenüber und von Anwohnern, berichtete Thorsten Brost und bedauerte, dass das ein schlechtes Licht auf den Club werfe: „Es ist schade, dass sich viele Eltern und Kinder nicht trauen, an dieser Turnhalle vorbeizugehen.“

Provokateuren mangelt es an Gesprächsbereitschaft

Leider gebe es zudem bei „denjenigen“, er meinte die Provokateure, keine Gesprächsbereitschaft. Unter anderem mit Hausverboten versuche er, klare Verhältnisse zu schaffen und das irgendwie hinzubekommen. „Ich sehe aber auch, dass ich an Tagen, wo ich allein dastehe, Schwierigkeiten bekommen kann, wenn bei einem offenen Angebot die betreffenden Personen mit Alkohol in den Club kommen und ich sie wieder maßregeln muss und gleichzeitig das Angebot zu betreuen habe – das ist schwer.“

Erst kürzlich hätte es Tumult vor dem Club gegeben: „Wir wurden mit Flaschen attackiert“ und ein „Kahlrasierter“ hätte mit weiterer Gewalt gedroht. Johannes Jürgens ergänzte, wie brisant die Situation auch sonst vor der Turnhalle sei: „Es gab bereits mehrere Polizeieinsätze, es werden Alkohol und Drogen konsumiert, es gibt Vandalismus, es wurde mit ‚Sieg Heil‘ gegrüßt – wir haben da auch mit rechtem Gedankengut ein Problem.“ Er wisse nicht wirklich, wer das in den Griff kriegen solle.

Netzwerk für Demokratie und Toleranz wird genutzt

Genau da setze an, worüber Thorsten Brost mit dem Rostocker Beratungsteam des Netzwerkes für Demokratie und Toleranz MV gesprochen habe, das Personen, Kommunen und Institutionen bei der Stärkung von Demokratie und Toleranz unterstützt, warf Susann Wieland ein. Zuvor hatte der Clubchef eine entsprechende Kooperation für längerfristige Clubangebote erwähnt. Und Susann Wieland lud die Stadt ein, die Lage noch einmal gemeinsam zu besprechen.

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Bürgermeister Thomas Gutteck erklärte sich dafür grundsätzlich bereit, zumal er mehrmals selbst versucht habe, mit den jungen Leuten vor der Turnhalle ins Gespräch zu kommen: „Für sie waren es immer die anderen.“ Man müsse trotzdem Kontakt zu dieser Gruppe bekommen.

Gemeindevertreter sind für gemeinsame Runde

Dazu riet Johannes Jürgens, sich auch mit Hort, Jugendclub und Sportverein zusammenzusetzen, um zu zeigen, dass alle Betroffenen sich rundherum einig seien. Susann Wieland empfahl, eine solche Runde mit den besagten Jugendlichen von der Turnhalle zu komplettieren: „Vielleicht ein erster Schritt und eine Chance.“ Das findet schließlich einhellige Zustimmung im Gremium.

„Das ist da ein Niveau, so kann es nicht weitergehen“, nimmt auch der Fraktionsvorsitzende der Freien Wähler und langjährige Präsident des Kröpeliner Sportvereins, Dieter Satorius, zum Thema Stellung. „Dieser Zustand ist nicht zumutbar – wir haben bei uns einen Feuerwehrmann, der musste da schon eingreifen, weil da gewisse Sachen in die Luft gingen.“ „Wenn wir können, wollen wir Sie natürlich gern unterstützen“, gibt die Ausschussvorsitzende Roswitha Käker den Jugendclubvertretern noch mit auf den Weg.

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Von Thomas Hoppe