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Bad Doberan Melker, Macher, Mecklenburger: Boss der Bauern wird 60
Mecklenburg Bad Doberan Melker, Macher, Mecklenburger: Boss der Bauern wird 60
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06:03 23.11.2018
Ein Macher in der Region: Detlef Kurreck ist Geschäftsführer der Körchower Land Agrar GmbH bei Kröpelin (Landkreis Rostock) und seit 2016 Landesbauernpräsident in Mecklenburg-Vorpommern. Quelle: Elke Ehlers
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Kröpelin

Zweieinhalb Jahre ist Detlef Kurreck jetzt Landesbauernpräsident. Hat das Amt sein Leben verändert? Der Landwirt aus Körchow bei Kröpelin (Kreis Rostock) ist so viel auf Achse, dass er darüber kaum nachdenkt. Dabei gäbe es einen Anlass, das mal zu tun: Kurreck wird in der nächsten Woche 60. Privat feiert er „eher klein“. Doch als Präsident kommt eine größere Party auf ihn zu – in Kröpelins Veranstaltungshaus „Zum Raben“ mit 140 Gästen. Abgeordnete kommen, Abgesandte aus Ämtern und Agrarministerium, Vertreter anderer Verbände. Und natürlich aus der Gemeinde, in der der gebürtige Kühlungsborner seit fast 25 Jahren ehrenamtlicher Bürgermeister ist. Ziemlich großer Bahnhof also.

Geburtstagsfeier ist Lobbyarbeit

Eingeladen hat der Bauernverband, die Rechnung zahlt der Jubilar. „Klar“, sagt Kurreck. „Dafür hat der Verband gar keinen Haushaltstitel.“ Auch für seine Vorgänger im Amt, Gerd-Heinrich Kröchert aus Daberkow (Vorpommern-Greifswald) und Rainer Tietböhl aus Volksdorf (Seenplatte) gab es schon öffentliche Gratulationskuren. Solche Feiern seien „eine gute Gelegenheit für Lobbyarbeit im besten Sinne des Wortes, eine Art Branchentreff mit fröhlichem Beisammensein“, meint Martin Piehl, Chef in der Neubrandenburger Haupt­geschäftsstelle. Der Landesbauernverband ist Mecklenburg-Vorpommerns größte Landwirte-Vereinigung. Seine Mitgliedsbetriebe bewirtschaften rund 60 Prozent der Agrarfläche im Land. Das sei eine relevante Größe. „Auch wenn wir leider Mitglieder verlieren“, wie der Präsident feststellt. Mehrere Investoren, die sich in Landwirtschaftsbetriebe einkauften, hätten die Mitgliedschaft gekündigt.

Als Detlef Kurreck das Amt übernahm, dachte er, dass er wüsste, was auf ihn zukommt. Immerhin war er vorher sieben Jahre Vize-Präsident. Heute weiß er: „Zeitlich ist der Aufwand doch erheblich größer, im Prinzip ist es ein Full-Time-Job.“ Fünf bis sechs Tage pro Woche, auch die Sonntage sind oft mit Terminen belegt – zu Themen querbeet zu allem, was die Landwirtschaft tangiert: Ferkelkastration, Wolfsmanagement, EU-Agrarpolitik, Dialog mit Kirche und Naturschutz, Nitratbelastung in Gewässern, R+V-Versicherung, Bienenschutz. „Zum Glück haben wir in Neubrandenburg Fachreferenten, die den Vorstand unterstützen“, sagt der heutige Ackerbauer, der an der Rostocker Uni einst Tierproduktion studierte.

Sohn Martin stieg in Betrieb mit ein

In MV ist der Bauernpräsident viel unterwegs, aber auch in Berlin, Bonn, Brüssel, wo die Beschlüsse zur Agrarwirtschaft fallen. Es gibt Wochen, da lässt er sich in seinem eigenen Betrieb, der Körchower Land Agrargesellschaft, kaum blicken. Mitgesellschafterin Gabriela Holzke, die Prokuristin, mit der Kurreck 1991 den Betrieb bei Kröpelin gründete, hat sich darauf eingestellt. Früher habe ein Zuruf ins Nachbarbüro gereicht, um Absprachen zu treffen, berichtet die 55-Jährige. Jetzt läuft die Kommunikation vor allem übers Telefon. „Meistens habe ich einen großen Zettel, wenn ich anrufe“, sagt die Diplom-Agraringenieurin. Außerdem übernimmt Kurrecks Sohn Martin einen Teil der Aufgaben. Der 36-Jährige, der in Kiel Landwirtschaft studiert hat, fing 2006 auf dem 1300-Hektar-Hof mit sechs Mitarbeitern an und ist inzwischen Produktionsleiter.

Kurreck ist bodenständig. Ein Mann, der stabile Verhältnisse liebt, beruflich wie familiär. Mit Ehefrau Angelika, die er seit dem gemeinsamen Agrarstudium kennt, ist er seit 34 Jahren verheiratet. Nach Körchow kam er 1989, da war er gerade 31. Die LPG suchte in der Wendezeit einen neuen Vorsitzenden und war froh, dass der junge Diplom-Agraringenieur sich bewarb. „Ein Riesenladen“ sei das damals gewesen, erzählt er: 5500 Hektar, 5000 Schweine, 1400 Milchkühe. Auf Beschluss der Mitglieder wurde die LPG aufgelöst. Zwei größere Agrarbetriebe entstanden, außerdem mehrere kleinere Höfe von Wiedereinrichtern. Rund fünf Millionen D-Mark seien in der Vermögensauseinandersetzung an die Mitglieder gezahlt worden. Heute setzt sich Kurreck für eine Landwirtschaft ein, die von „effizientem, nachhaltigem Wirtschaften geprägt und von der Bevölkerung akzeptiert wird“.

Landwirtschafts-Gen vom Großvater

Aufgewachsen ist der Mecklenburger in Bad Doberan, im damaligen Neubaugebiet Buchenberg. Als Sohn eines Werftarbeiters, aber mit Landwirtschafts-Gen. Das hat er von Großvater und Großonkel, die am Rande der Münsterstadt einen Bauernhof hatten. „Melker mit Abitur“ habe er in Groß Stieten (Nordwestmecklenburg) gelernt, erzählt Kurreck. Nach dem Studium blieb er ein paar Jahre in der Stadt hängen, als Mitarbeiter einer Bezirksbehörde – mit Neubauwohnung in Rostock-Dierkow. „Das war nicht das Richtige für uns, wir wollten aufs Land“, erinnert sich der Bauer, für den Landwirtschaft auch Leidenschaft ist. In der Gemeinde Bastorf fand die Familie in Kägsdorf ein Haus, das bis heute ihr Zuhause ist.

Obwohl auch Gartenbau zur Landwirtschaft gehört, würde Kurreck zum Geburtstag gern auf Blumen verzichten. Zugunsten der Jugendfeuerwehr. „Da wäre eine Zuwendung viel besser angelegt“, meint der Präsident. „Dieser Sommer hat uns gezeigt, wie sehr wir die Wehren und vor allem junge Leute brauchen.“

Elke Ehlers

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