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Bad Doberan Kröpelin statt Doberan: Schülerin berichtet vom Ausweichquartier
Mecklenburg Bad Doberan Kröpelin statt Doberan: Schülerin berichtet vom Ausweichquartier
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06:39 20.09.2019
Charlotte von Campenhausen besucht die 9. Klasse des Gymnasiums Bad Doberan. Aufgrund des Wasserschadens wurde der Jahrgang kurzzeitig in Kröpelin unterrichtet. Quelle: Anja Levien
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Bad Doberan

Charlotte von Campenhausen besucht die neunte Klasse des Friderico Francisceums in Bad Doberan. Obwohl die Schule am 12. August offiziell für die Schüler in Mecklenburg-Vorpommern startete, konnten die Gymnasiasten wegen eines Wasserschadens in ihrer Schule dort nicht unterrichtet werden. Charlotte von Campenhausen absolviert derzeit ein Praktikum in der Lokalredaktion Bad Doberan der OSTSEE-ZEITUNG und berichtet von den Erlebnissen der Klassenstufe in den vergangenen Wochen:

Am 9. September startete für uns Acht- und Neuntklässler wieder der Unterricht im Gymnasium in Bad Doberan. In den Wochen davor wechselten sich die Achtklässler mit den siebten Klassen ab, wer im Nebengebäude – dem alten Amtsgericht – Unterricht hat. Wir neunten Klassen mussten in Kröpelin zur Schule gehen.

Starker Regen hat am Mittwochabend für chaotische Verhältnisse in Bad Doberan gesorgt. Die Feuerwehr musste etliche Keller auspumpen, Straßen waren überflutet.

Wir hatten das Glück und sind sehr dankbar dafür, dass wir freie Räume von der Grundschule in Kröpelin zur Verfügung gestellt bekommen hatten. Diese waren teilweise sehr alt, denn die Räume wurden lange Zeit nicht mehr genutzt. Dadurch roch es zum Beispiel in den alten Chemieräumen manchmal modrig aus dem Wasserhahn. Um dieses Problem zu lösen, öffneten wir öfters die Fenster. Da aber einige Räume zu Straße hin lagen, fuhren auch viele Traktoren, Lkw, Motorräder und Autos vorbei. Dies führte zu viel Lärm, was den Unterricht erschwerte.

Lesen Sie auch: Nach Wasserschaden am Doberaner Gymnasium: Die Normalität kehrt zurück

Vertretungsplan für jeden Tag

Da es keinen festen Stundenplan gab, mussten wir jeden Tag auf den Vertretungsplan schauen. Dadurch hatten wir auch manchmal vier Stunden Mathematik am Tag. Unsere Lehrer fuhren von Bad Doberan nach Kröpelin, um uns zu unterrichten.

Damit die Schüler außerhalb von Kröpelin überhaupt zum Unterricht erscheinen konnten, gab es glücklicherweise für diese Schüler und Schülerinnen extra einen Bus, der genau vor der Grundschule hielt. Dieser Bus kam erst um 7.55 Uhr an, da aber unser Unterricht schon um 7.50 Uhr beginnt, mussten wir dann auf unsere Klassenkameraden aus Bad Doberan, Schwaan und Umgebung warten.

In den Pausen war es sehr ungewohnt, sich den Schulhof mit Grundschülern zu teilen, denn die jüngsten Schüler, die wir sonst immer auf dem Schulhof sehen, sind die der siebten Klassen. Auch die Freunde aus den anderen Jahrgangsstufen fehlten uns.

Seit dem 16. September werden auch wieder die zehnten und elften Klassen im Gymnasium beschult. Wir sind alle hocherfreut, dass wir wieder in denselben Häusern Unterricht haben.

Hochwasser am 31. Juli und die Folgen

Am 31. Juli verursachte Starkregen Überflutungen in Bad Doberan. 80 Keller liefen voll.

Betroffen war die Filiale der Ostseesparkasse am Markt.

Auch am Friderico-Francisceum waren die Folgen lange zu spüren. Der Anbau des Gymnasiums lief voll Wasser. Raummessungen haben ergeben, dass dieses mit Schimmel befallen ist. Die Schüler wurden in verschiedenen Ausweichquartieren untergebracht. Anfang September kam dann die Nachricht: Alle Gymnasiasten können zurück in ihre Schule.

Bad Doberans Bürgermeister Jochen Arenz hat eine Expertenrunde zum Hochwasserschutz einberufen. Bei dieser ist das Hochwasserschutzkonzept für die Stadtbäche Bad Doberans vorgestellt worden, das 20 Vorhaben umfasst. Die Wasserverbände machten im Vorfeld deutlich: So ein Ereignis wie am 31. Juli lässt sich nicht beherrschen.

Von Charlotte von Campenhausen