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Kühlungsborn Kitas am Limit: Politiker bekommt in Rerik viel zu hören
Mecklenburg Bad Doberan Kühlungsborn Kitas am Limit: Politiker bekommt in Rerik viel zu hören
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05:32 23.09.2015
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Rerik

Großzügige Räume und ein weites Außengelände zum Spielen. Überall quirliges Treiben und fröhliches Lachen von Kindern. Die 111 Kinder, die hier in Krippe, Kindergarten und Hort betreut werden, mögen ihre Kita „Uns Kinnerstuv“. Das ist schon auf den ersten Blick unübersehbar.

Doch hinter der fröhlichen Kulisse brodelt es. Erzieherinnen sind unzufrieden mit ihrer Situation. Vor allem, wenn es ums Geld geht. Und Kita-Leiterin Sylvia Tietz und Kathrin Polz, eine der beiden Geschäftsführerinnen des Regionalverbandes der Arbeiterwohlfahrt (Awo) Bad Doberan, haben einiges an der Politik zu kritisieren, wenn es um Kitas und Fachkräfte geht. Der Awo-Regionalverband ist Träger der Reriker Kita. Frank Junge, der SPD-Bundestagsabgeordnete aus Wismar, bekam gestern in Rerik einiges zu hören.

Junge besuchte im Rahmen der Aktionswoche „Dialog Kita-Qualität“ der SPD-Bundestagsfraktion eine Kita in seiner Heimatstadt Wismar und die „Kinnerstuv“ in Rerik. Zwei weitere Kinder-Einrichtungen werden folgen. „Ich möchte, wie Kollegen, die das in anderen Wahlkreisen tun, mit Kita-Erzieherinnen und Trägern ins Gespräch kommen, mir einen Eindruck über die Arbeit in unseren Kindertagesstätten verschaffen. Und dabei vor allem erfahren, wo die Probleme liegen“, so Junge.

Die Probleme waren für den Politiker nicht neu, denn sie gibt es landauf, landab. In Rerik wurden sie Junge aber einmal mehr eindringlich vor Ort vorgetragen. Erzieherinnen und Erzieher werden überall dringend gesucht. Doch der Anreiz, sich für diesen Beruf zu entscheiden, ist bei jungen Leuten nicht hoch. „Vier Jahre Ausbildung — in den meisten Fällen an privaten Schulen, für die Schulgeld bezahlt werden muss. Wir stecken hier in einem Dilemma“, so Awo-Geschäftsführerin Kathrin Polz. „Nach diesen vier Jahren gibt es ein Gehalt, das deutlich niedriger als das von Grundschullehrern ist. Aufstiegschancen und gesellschaftliche Anerkennung gibt es in diesem Beruf, der sehr hohe Anforderungen hat, kaum“, fügt die Kita-Leiterin hinzu.

Über konkrete Summen wollten beide Frauen nicht sprechen. Laut der Studie Mikrozensus 2008 liegt bundesweit das durchschnittliche Netto-Einkommen einer Erzieherin bei knapp 1365 Euro. Dafür sei viel zu leisten, so Sylvia Tietz. Neben der ganz normalen Betreuung gebe es die frühkindliche Erziehung, die hohe Qualifizierung und Aufwand erfordere. Und die Inklusion — die Integration von Kindern mit Behinderungen oder Entwicklungsproblemen in ganz normale Kita-Gruppen.

„Das alles mit einem Schlüssel Erzieherin-Kinderzahl, bei dem Mecklenburg-Vorpommern in Deutschland ziemlich weit hinten liegt“, so die Kita-Leiterin. Sie nannte ein Beispiel aus der „Kinnerstuv“.

„In der Krippe, bei den ganz Kleinen, arbeiten wir mit einem Verhältnis von 1:6. Sinnvoll wäre eigentlich 1:4“, sagt sie. In Kindergarten und Hort sehe es im Prinzip genauso aus: „Immer am Limit.

Wenn dann Kolleginnen krank werden, wird es ganz eng.“

Frank Junge hörte aufmerksam zu, machte sich immer wieder Notizen. „Probleme, an deren Lösung wir arbeiten müssen“, sagte er. Ohne Versprechungen zu machen. Greifbares für die Verbesserung der Situation in den Kitas gebe es allerdings doch: Eine Milliarde Euro, die ursprünglich für das Betreuungsgeld im Haushalt geplant waren. Das Bundesverfassungsgericht hatte es gekippt. „Diese Milliarde darf nicht im Haushalt des Finanzministers irgendwie verschwinden. Wir müssen sie zweckgebunden für die Stärkung der frühkindlichen Erziehung einsetzen. Dafür werden wir in der Koalition kämpfen“, kündigt er an.



Lutz Werner

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