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Kühlungsborn Freunde wollen Cafe „Petticoat“ retten
Mecklenburg Bad Doberan Kühlungsborn Freunde wollen Cafe „Petticoat“ retten
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17:26 24.01.2019
Das Eiscafe Petticoat in Kühlungsborn steht vor dem Aus. Gäste und Freunde des Betreibers möchten die Schließung gern noch abwenden. Quelle: Rolf Barkhorn
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Kühlungsborn

 Der „Petticoat“ –ein flauschiger Unterrock aus Nylon –steht symbolisch für Modestil und Lebensgefühl der 1950-er Jahre. In Kühlungsborn verbinden Einheimische und Urlauber mit diesem Begriff eine kultige Kombination von Eiscafe und Cocktailbar. Im Jahr 1999 hatten Silvio Schulz und seine Ehefrau Katharina das Lokal an der Ecke Poststraße/Unter den Kolonnaden eröffnet und dort den Stil der 1950-er Jahre aufleben lassen. Regelmäßig spielte die Rock’n Roll Band „Crazy Boys“ auf. Und auch Prominente wie Musiker Helge Schneider, Entertainer Karsten Speck und Grünenpolitiker Cem Özdemir waren schon dort. Doch eine Jubiläumsfeier wird es wohl nicht mehr geben. Das „Petticoat“ soll zum Monatsende geschlossen werden. Auch wenn die Fans der Kultbar das noch nicht wahrhaben wollen und eine Rettungsaktion versuchen.

Barbetreiber kündigte Schließung im sozialen Netzwerk an

Über die Schließung informierte Betreiber Silvio Schulz unter der Woche seine Gäste über das soziale Netzwerk und lud alle Freunde für kommenden Samstagabend zur Abschiedsparty ein. „Nach vielen Jahren voller schöner und erlebnisreicher Momente, spaßigen Feiern und Abenden im Petticoat, müssen wir euch leider mitteilen, dass die letzten zwei Jahre uns wirtschaftlich erschöpft haben und wir deshalb das Petticoat schließen müssen. Die vergangene Baustelle und deren Folgen haben bewirkt, dass bei den Leuten, von denen wir abhängig sind, die Toleranz ausgeschöpft ist“, so die Mitteilung.

Wegen Baustelle blieben die Gäste weg

Gegenüber OZ berichtet der Inhaber, dass er Verbindlichkeiten gegenüber seinem Vermieter, einem Kühlungsborner Geschäftsmann, hatte und von diesem die Kündigung erhalten habe. Der fehlende Betrag wurde inzwischen beglichen. Das ändere aber nichts an der wirtschaftlichen Situation. Die sei weiterhin angespannt. Dazu hätten auch die über anderthalb Jahre andauernden Kanalbauarbeiten in der Poststraße beigetragen. „Wenn man mitten in der Saison eine laute Baustelle direkt vor der Tür hat, dann bleiben die Gäste weg“, hat Silvio Schulz schmerzlich erfahren müssen. Den vollen Pachtzins musste er während der Bauarbeiten trotzdem bezahlen. „Wenn man es in Kühlungsborn nicht schafft, im Sommer Rücklagen zu bilden, dann reicht das Geld im Winter nicht, um alle Rechnungen zu bezahlen“, beschreibt Schulz die Situation.

Gäste reagieren betroffen

Viele Kühlungsborner und Gäste, die das Cafe als Urlauber kennengelernt haben, sind bestürzt. „Ich kann mir noch nicht vorstellen, wie das ist, wenn mein ’Petticoat’ nicht mehr existiert. Ich wohne ganz in der Nähe und bin sehr oft hier“, sagt Kerstin Schaffer. Auch Ingolf Pätzold kann sich damit nicht abfinden. „Das ist eine der wenigen Gaststätten, wo ich mich als Kühlungsborner wohl fühle.“

Auch im sozialen Netzwerk zeigen viele ihre Betroffenheit. Zwei Tage nach dem Einstellen war der Beitrag über 11500 Mal aufgerufen worden. Traurig kommentieren Fans wie Nadine Fuchs: „Da wird uns im Urlaub in Kühlungsborn ganz schön was fehlen!“ Im Post von Thomas Ristau steht: „Sehr, sehr schade. Ein großer Verlust für Kübo West. Ihr werdet uns sehr fehlen.“ Und eine Userin Wen Cky schreibt: „Nun werden die Urlaube in Kühlungsborn nicht mehr das sein, was sie mal waren.“

Berliner Firma ruft zur Rettungsaktion auf

Neben der Betroffenheit, gibt es inzwischen auch den Versuch einer Rettung des Lokals. So startete die Firma Polar-Twist aus Berlin einen Aufruf: „ Wer hat Bock zu helfen? Wir haben Kontakt zum Vermieter aufgenommen und ihm angeboten, die komplette Miete für 2019 vorzustrecken und im Gegenzug einen neuen Mietvertrag zu bekommen. Sollten wir einen Deal mit dem Vermieter hinbekommen, wäre es schön, wenn viele von Euch einen „Verzehrbon„ den wir auflegen wollen, erwerben.“ (Text gekürzt)

Auch dieser Aufruf wurde inzwischen vielfach gelesen, geteilt und kommentiert. Viele Kühlungsborner, darunter der CDU-Ortsverband, bekunden ihre Solidarität und kündigen den Erwerb von Verzehrbons an. Die Ünlü-Gruppe, die mehrere Gaststätten im Ostseebad betreibt, hat Hilfe angeboten. Doch trotz der großen Welle an Hilfsbereitschaft ist das Schicksal der Kultbar in Kühlungsborn zurzeit noch offen. „Hinter den Kulissen finden Gespräche statt. Wie das ausgeht, kann ich noch nicht sagen“, erklärt Inhaber Silvio Schulz.

Rolf Barkhorn

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