Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Bad Doberan CDU-Urgestein und vielseitiger Politiker
Mecklenburg Bad Doberan CDU-Urgestein und vielseitiger Politiker
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:11 15.11.2018
Im Landtag gab es zwischen dem damaligen Ministerpräsidenten Harald Ringstorff (SPD) und Henning von Storch (rechts) immer mal wieder heftige Diskussionen.
Im Landtag gab es zwischen dem damaligen Ministerpräsidenten Harald Ringstorff (SPD) und Henning von Storch (rechts) immer mal wieder heftige Diskussionen. Quelle: APO/Kettler
Anzeige
Kühlungsborn

Der CDU-Politiker und Jurist Dr. Henning von Storch ist am vergangenen Montag im Alter von 84 Jahren verstorben, informiert die Familie. Ungeachtet seines hohen Alters und einer schweren Krebserkrankung war von Storch bis zuletzt noch immer politisch aktiv – unter anderem als Mitglied des Kreistages des Landkreises Rostock.

Henning von Storch hat als CDU-Politiker den Ortsverband Kühlungsborn und den damaligen Kreisverband Bad Doberan der Christdemokraten in der Nachwendezeit wesentlich mitgeprägt –wie auch die Landespolitik. Von 2002 bis 2011 war er für zwei Legislaturperioden direkt gewählter Abgeordneter des Landtages von Mecklenburg-Vorpommern. In dieser Zeit war er Mitglied im Landwirtschaftsausschuss sowie dem Rechts- und Europaausschuss. Der CDU-Kreisverband des Landkreises Rostock wählte Henning von Storch 2014 zum Ehrenvorsitzenden.

Henning von Storch wuchs als Kind in Kühlungsborn auf – in einer Landwirte-Familie, die in der Region seit dem 30-jährigen Krieg ansässig ist. 1945 floh die Familie vor der Roten Armee und kam zunächst in Hamburg unter. Henning von Storch wurde nach dem Jura-Studium Rechtsanwalt, fand seinen beruflichen Schwerpunkt aber im Staatsdienst – unter anderem als Regierungsdirektor im Sozialministerium von Schleswig-Holstein, Bürgermeister von Bad Segeberg und bis 1985 als Landrat des Hochtaunuskreises (Hessen). Danach arbeitete er wieder als Anwalt. 1990 kehrte er in seine Heimatstadt Kühlungsborn zurück, eröffnete in Bad Doberan eine Anwaltskanzlei und wurde sofort im neuen CDU-Orts- und Kreisverband aktiv.

„Unser Vater hatte gleich nach dem Mauerfall gesagt: Wir gehen zurück in unsere Heimat“, erinnert sich Hubertus von Storch, der jüngste Sohn. In den Jahrzehnten der Teilung sei sein Vater oft in den damaligen DDR-Kreis Bad Doberan gekommen. Oft auch mit Ehefrau Manuela und den drei Söhnen Hubertus (heute 48 Jahre alt), Bernhard (55) und Kurt (56). Hubertus ist in Kühlungsborn geblieben.

„Vater war uns Kindern, aber auch vielen anderen Menschen, durch seine Haltung und Werte ein Vorbild: Ein konsequenter Demokrat, der immer ehrlich und absolut unbestechlich war. Er hat, obgleich er sehr präsent war, sich selbst nie in den Vordergrund geschoben, sondern immer versucht, die Menschen auf dem Weg, den er für richtig hielt, mitzunehmen“, sagt Bernhard von Storch.

Justizministerin Katy Hoffmeister (CDU): „Henning von Storch war ein Mentor und Freund. Ich werde ihn sehr vermissen“. Quelle: privat

Weggefährten und Freunde, aber auch politische Gegner, wie Sozialministerin Stefanie Drese (SPD), zollen dem Verstorbenen hohen Respekt. „Henning von Storch war ein sehr besonderer Mensch für mich. Er war Mentor und Freund. Ich werde ihn sehr vermissen“, sagt Katy Hoffmeister (CDU), Justizministerin von Mecklenburg-Vorpommern. Kabinettskollegin und Sozialministerin Stefanie Drese (SPD) erinnert sich an den Landtagswahlkampf von 2011, als sie gegen von Storch im Wahlkreis Bad Doberan I das Direktmandat gewann. Ihr Einstieg in die Landespolitik und von Storchs Abschied aus Schwerin. „Im Wahlkampf wurde Klartext geredet, aber es ging zwischen uns immer fair und im persönlichen Umgang respektvoll zu. So habe ich Herrn von Storch auch immer im Kreistag erlebt.“ Beide Ministerinnen haben ihre engste Partei-Basis in und um Bad Doberan. Katy Hoffmeister lebt in der Münsterstadt, Stefanie Drese in der Gemeinde Satow.

Uwe Wisotzki (Landwirt): Er war für mich ein ganz persönliches Vorbild für das Zusammenwachsen von Ost und West.“ Quelle: Lutz Werner

An eine andere Seite im Wirken von Henning von Storch erinnert der Wittenbecker Landwirt Uwe Wisotzki, Geschäftsführer der Agrar AG Kröpelin. Der landwirtschaftliche Großbetrieb entstand nach 1990 neu. Federführend waren – damals junge – Landwirte wie Wisotzki, die ihre Wurzeln in den Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften der DDR hatten. Henning von Storch war 20 Jahre lang – bis 2016 – „hoch geachteter und sehr geschätzter“ Aufsichtsratsvorsitzender der Agrar AG. „Ein Rechtsanwalt aus dem Westen, der einer Gutsherren-Familie entstammt, in dieser Position in einem ostdeutschen Agrarbetrieb – das war nicht selbstverständlich. In diesen Jahren ist Henning von Storch für mich ein ganz persönliches Vorbild für das Zusammenwachsen von Ost und West geworden“, sagt Wisotzki.

Die öffentliche Trauerfeier für Henning von Storch findet am 24. November ab 13 Uhr in der evangelischen Kirche Kühlungsborn in der Schloßstraße statt.

Lutz Werner