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Bad Doberan Küstenschutz: Hagemeister sieht Land in der Pflicht
Mecklenburg Bad Doberan Küstenschutz: Hagemeister sieht Land in der Pflicht
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13:44 17.05.2019
Unsicherheitsfaktor: Am Rad- und Wanderweg zwischen Börgerende und Nienhagen ist die Küste sichtbar abgebrochen. Quelle: Lennart Plottke
Börgerende

Anfang April 2017 musste der Rad- und Wanderweg zwischen Börgerende und dem Ostseebad Nienhagen wegen erheblicher Abbrüche teilweise gesperrt werden. „Das ist jetzt mehr als zwei Jahre her“, sagt Börgerendes Bürgermeister Horst Hagemeister. „Passiert ist hier seitdem nichts – ein unmöglicher Zustand.“

Das Problem: „Offenbar fühlt sich hier niemand zuständig“, so Hagemeister. „Dabei ist das ein europäischer Radweg, Mecklenburg-Vorpommern wirbt damit offensiv um Urlauber – das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen.“ Deshalb sei in erster Linie auch das Land für den Küstenschutz verantwortlich, stellt Hagemeister klar: „Ich höre immer, dass es sich um eine sogenannte Abbruchküste, also einen normalen Verlauf der Natur handelt – aber man muss aus meiner Sicht aktiv von Seeseite aus etwas dagegen tun.“

„Das ist ein europäischer Radweg, MV wirbt damit offensiv um Urlauber – das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen.“ Horst Hagemeister, Bürgermeister Börgerende-Rethwisch Quelle: privat

Dennoch werde auch weiter nach anderen Lösungen gesucht: „Angedacht war hier etwa vom Staatlichen Amt für Landwirtschaft und Natur, dass die anliegenden Grundstückseigentümer Land verkaufen könnten, um dem Weg 100 Meter Richtung Landesinnere zu verlegen.“ Über diese Variante sei unter anderem bei einer großen Gesprächsrunde Mitte Februar im Rostocker Haus des Tourismus diskutiert worden, erklärt Hagemeister: „Ob Ministerium, Stalu, die Forst, der Tourismusverband, der Landkreis, das Amt oder ich als Bürgermeister – alle möglichen Beteiligten waren damals vor Ort.“

Grundstückeigentümer waren gesprächsbereit

Eine Absprache sei gewesen, die Grundstückeigentümer zu einem gemeinsamen Termin einzuladen und nach praktikablen Möglichkeiten zu suchen, so Hagemeister. Und auch die Eigentümer hätten in der Zwischenzeit ihre Bereitschaft signalisiert: „Allerdings nur, wenn vorher geeignete Maßnahmen zum Küstenschutz vorgenommen werden – denn wer verkauft schon seinen Grund und Boden 100 Meter landeinwärts, wenn der Bereich davor nach und nach wegbricht?“

Umso ernüchterter sei er jetzt, macht Börgerendes Bürgermeister deutlich: „Denn der Termin war eigentlich für vergangene Woche angesetzt – und wurde gleich von mehreren Behörden abgesagt.“ In den bisherigen Gesprächen habe er die Möglichkeiten einer Förderung der Radwegverlegung wegen des Steilküstenabbruchs erläutert, sagt etwa Karsten Olbrich, Mitarbeiter im Verkehrsministerium: „Für einen Förderantrag muss eine geeignete Trasse feststehen – dies ist jedoch Angelegenheit der Gemeinde Börgerende als zuständigem Baulastträger und damit Antragsteller.“

Insofern habe er seine Teilnahme nicht als erforderlich angesehen, so Olbrich. Ähnlich sieht es Ines Liefke, Leiterin im Staatlichen Amt für Landwirtschaft und Umwelt Mittleres Mecklenburg: „Im Rahmen der Veranstaltung im Februar wurde festgestellt, dass Küstenschutzmaßnahmen bereits aufgrund der rechtlichen Situation nicht durchgeführt werden können.“

Weitere küstenschutzrechtliche Themen des Stalu sehe sie derzeit nicht berührt – „so dass eine Einbeziehung meines Hauses in die Lösungsfindung nicht angezeigt ist.“ Deshalb hätten keine Vertreter des Stalu an der Veranstaltung vor einer Woche teilgenommen, erklärt Liefke.

Gemeinde fühlt sich alleingelassen

Aussagen, die Horst Hagemeister wütend machen: „Jetzt mussten wir die Grundstückseigentümer alle wieder ausladen – es geht doch darum, zusammen eine Lösung zu finden.“ Dies sei mitnichten nur die Aufgabe der Gemeinde – denn immerhin handele es sich hier um den Europäischen Radweg E9: „Gerade das Land muss ein Interesse daran haben, dass dieser Weg in Ordnung gehalten wird – ich bin doch nicht für Europa zuständig.“ Die Urlauber kämen vor allem auch zum Radfahren nach MV, so Hagemeister: „Wenn sich die Landesregierung hier nicht endlich bewegt, wandern unsere Touristen nach Polen ab.“

Im Übrigen halte er von den bislang vom Stalu eingebrachten Vorschlägen, wie eine Radtour entlang der Börgerender Küste wieder sicherer gemacht werden könnte, herzlich wenig, macht Hagemeister deutlich: „Was ein 100 Meter landeinwärts geführter Weg mit Nachhaltigkeit zu tun hat, erschließt sich mir nicht.“ Auch eine angedachte Umleitung durch den Ort habe sich als nicht praktikabel erwiesen: „Da sind doch an der Straße überall Grundstücksausfahrten – das ist zu Stoßzeiten lebensgefährlich.“

Schilder vor der Abbruchstelle weisen auf die Gefahr hin. Quelle: Lennart Plottke

Eine tatsächlich funktionierende Absperrung zwischen Börgerende und Nienhagen gebe es aktuell ohnehin nicht, sagt Horst Hagemeister: „Solange die Leute hier praktisch ungestört weiterfahren können, interessiert sich doch niemand für die Küstenabbrüche – kann doch alles so bleiben, wie es ist.“

Er werde dennoch gemeinsam mit dem Amt weiter Druck auf die Behörden machen: „Man muss sich an einen Tisch setzen und reden – vielleicht gibt es ja sogar einen privaten Investor, der sich bei geklärten Bedingungen um den Küstenschutz kümmern will.“

Lennart Plottke

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