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Kultur 30 Jahre als Bärtiger im Einsatz
Mecklenburg Bad Doberan Kultur 30 Jahre als Bärtiger im Einsatz
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10:33 16.12.2018
Der vierjährige Leonard bei seiner Audienz beim Weihnachtsmann im Ostseepark Sievershagen. Quelle: Rolf Barkhorn
Bad Doberan/Sievershagen

 Unter der Woche geht es in den Abendstunden des Einkaufcenters „Ostsee Park“ in Sievershagen etwas ruhiger zu. So nutzt der mit einem dicken Mantel aus kostbarem roten Stoff gekleidete ältere Herr mit langem Bart und lockigem weißen Haar die Gelegenheit und winkt von seinem großen Ohrensessel aus den Leuten in der Passage zu. Täglich ist der Weihnachtsmann jetzt für drei Stunden im Center anzutreffen, wo für ihn wie jedes Jahr an zentralem Standort extra eine Bühne errichtet wird.

Kinder entscheiden selbst, ob sie zum Weihnachtsmann gehen

Wenn sich ihm Eltern mit Kindern nähern, hat der Mann im Sessel ein Gespür dafür, welches Kind den Mut hat, noch näher zu kommen. „Man darf sie nicht drängen. Jedes Kind darf selbst entscheiden, ob es zu mir will oder doch lieber einen größeren Abstand hält. Vielleicht traut es sich dann beim nächsten Mal“, erklärt der Weihnachtsmann. Dem kleinen Leonard, der mit seiner Mutter in den „Ostsee Park“ gekommen ist, fällt die Entscheidung nicht schwer. Schließlich hat er etwas Wichtiges mitzuteilen. Ohne zu zögern klettert der Vierjährige auf die Bühne, geht auf den Mann im Mantel zu und sitzt wenig später auf dessen Schoß. Der Mann hört dem Kind geduldig zu. „Ein Polizeiauto und ein Feuerwehrauto wünsche ich mir“, sprudelt es aus dem Kleinen heraus. Und als der Bärtige dann noch in seine Manteltasche greift und dem Jungen eine Süßigkeit schenkt, ist die Freude des Kindes riesengroß. Stolz berichtet Leonard danach seiner Mutter von der Audienz beim Weihnachtsmann.

Selfies mit dem Bärtigen

Der weißhaarige Mann erlebt Szenen wie diese in den vier Wochen vor Weihnachten hundertfach in seiner „Residenz“ im Einkaufcenter. Aber nicht nur Kinder besuchen ihn und geben ihre Wünsche ab, auch Eltern und Jugendliche machen Selfies mit ihm. Manchmal erzählen ihm junge Mütter oder Väter, dass sie als Kinder selbst einst bei ihm gesessen hätten. Es erfülle ihn mit Stolz, dass er so gut ankomme, sagt der Mann in Rot, meint aber auch: „Man darf nicht übertreiben und aufdringlich sein. Deshalb agiere ich ruhig, nehme mir Zeit genug für jeden, egal, wie viele in der Schlange stehen.“ Nach diesem Gespräch verabschiedet sich der alte Mann und zieht sich für diesen Tag zurück.

Eine halbe Stunde später gibt dafür ein in Zivil gekleideter Mann, der sich als Gerd Laqua aus Bad Doberan vorstellt, bereitwillig Auskunft über den Alltag des Weihnachtsmannes. Er kenne den Alten wohl am allerbesten, lässt er lächelnd wissen. Und so ist von ihm zu erfahren, dass der Bärtige gar nicht so alt ist, wie er aussieht, gerade mal 58 Jahre zählt und in Bad Doberan lebt.

Erster Auftritt war vor 30 Jahren in Bad Doberan

Dort hatte vor nunmehr 30 Jahren auch alles angefangen. Der Auftrag, beim städtischen Adventsmarkt in der Münsterstadt den Nikolaus zu spielen, habe sich damals automatisch ergeben. „Das gehörte 1988 zu den Aufgaben eines stellvertretenden Kulturhausleiters dazu.“

Aufnahme aus dem Jahr 1991 Doberans Weihnachtsmann Gerd Laqua und der damalige Bürgermeister Berno Grzech. Quelle: privat

Laqua erinnert sich an den ersten Auftritt. Mit der Pferdekutsche ging es zum Kamp. „Dort gab es einen Empfang vom Blasorchester und Kindern, die als Zwerge verkleidet waren.“ Dem ersten Auftritt folgten viele weitere, seit 1994 dann auch in der neu gebauten Sievershäger Einkaufpassage. Seiner Heimatstadt aber ist der Weihnachtsmann bis heute treu geblieben, sein Auftritt beim alljährlichen Doberaner Cityfest ist stets ein wichtiger Programmteil.

Über 20 Einsätze am Heiligabend

Besonders viel zu tun hat der Weihnachtsmann dann am Heiligabend. Da ist er zusammen mit seinem treuen Helfer Dirk Vanhauer in Bad Doberan und Umland unterwegs, um auf langfristige Bestellung in Familien die Bescherung zu zelebrieren. Dieses Jahr werden es über 20 Einsätze bis zum späten Abend. Laqua weiß noch zu berichten, dass sein „bester Bekannter“ schon Angebote von großen Einkaufzentren aus anderen Städten Deutschlands ausgeschlagen hat, stets mit den Worten: „Ich kann doch meine Kinnings hier nicht im Stich lassen.“ Auf die Frage, warum der Weihnachtsmann aus Bad Doberan auf viele so authentisch wirkt, sagt Laqua: „Das liegt wohl am Outfit und an der symbolhaften Rolle, in die man schlüpft. Wenn Du in diesen Mantel steigst, bist du ein anderer. Und das hört erst nach dem Abschminken wieder auf.“ Eine genaue Prognose, wie lange es diesen Bad Doberaner Weihnachtsmann noch geben wird, kann auch Laqua nicht abgeben, sagt dann aber: „Solange es ihm gelingt, dass die kleinen und großen Fans Freude an ihm haben.“

Rolf Barkhorn