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Bad Doberan Warum der Holocaust wieder passieren kann
Mecklenburg Bad Doberan

LKulturzentrum De Drom zeigt Ausstellung über den Holocaust

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11:57 27.01.2020
Monika Oberüber aus Kröpelin beschäftigt sich schon seit Längerem mit Antisemitismus. Die Ausstellung findet sie berührend. Quelle: Cora Meyer
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Kröpelin

Den Holocaust könnte es auch heute wieder geben. Zu diesem Schluss kommt eine neue Ausstellung im Kulturbahnhof in Kröpelin, zu der der Verein „de Drom“ einlädt. Unter dem Titel „Shoah – Wie war es menschlich möglich?“ sind Fotografien und Plakate zu sehen, die den Leidensweg der Juden in Europa nachzeichnen. Das Wort „Shoah“ bezeichnet wie auch „Holocaust“ die Massenvernichtung der Juden in Deutschland und Europa.

Die Ausstellung wurde von der Israelischen Gedenkstätte Yad Vashem zusammengestellt. Sie bildet den Auftakt für die 3. Deutsch-Israelischen Kulturtage Mecklenburg-Vorpommern, die bis zum 25. Oktober dauern.

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Von Kinderlachen bis ins Konzentrationslager

Im ersten von vier Räumen hängt ein Bild von lachenden Kindern – eine Schulklasse, von denen nur wenige den Holocaust überlebten. Eine andere Schautafel zeigt auch schon antisemitische Hetzplakate und Postkarten. Auf den Ausstellungsstücken im zweiten Raum ist zu sehen, wie sich die Situation der jüdischen Bevölkerung zuspitzt. Die Fotografien zeigen Frauen mit angeheftetem Davidstern, hungernde Kinder im Ghetto, dokumentieren aber auch die Versuche Tausender, Deutschland zu verlassen und sich in anderen Ländern vor der Ermordung durch die Deutschen in Sicherheit zu bringen.

Im dritten Raum schließlich: Auschwitz, Anne Frank, Verrat und Vernichtung. Zum Schluss weckt die Schau wieder die Hoffnung in das Gute im Menschen – beispielsweise in Gestalt von Oskar Schindler, der zahlreichen Juden das Leben rettete. Und trotzdem: Die letzte Schautafel im letzten Raum lässt den Besucher mit der Aussage zurück, dass der Holocaust keine historische Ausnahmeerscheinung sei.

Wann die Ausstellung zu sehen ist

Die Ausstellung „Shoah – Wie war es menschlich möglich?“ ist noch bis zum 8. März täglich nach Vereinbarung im Kulturbahnhof in Kröpelin, Bahnhofstraße 1, zu besichtigen. Kontakt unter 038 292 / 820 495 oder vorstand@de-drom.de

Im Rahmen der 3. Deutsch-Israelischen Kulturtage Mecklenburg-Vorpommern wird es noch weitere Programmpunkte geben, beispielsweise eine Ausstellung mit Werken deutscher und israelischere Künstler. Weitere Informationen unter www.de-drom.de

Holocaust war keine historische Ausnahme

„Natürlich kann es wieder geschehen“, sagt auch Katy Hoffmeister, Justizministerin des Landes Mecklenburg-Vorpommern. „Und wir dürfen uns gerade nicht wegducken.“ An aktuelle Ereignisse erinnerte auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier in seiner Rede in der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem am 23. Januar in Jerusalem. Sie wurde zu Beginn der Ausstellungseröffnung auch im Kulturzentrum gezeigt. Darin ging er auch auf den rechtsextremistischen Anschlag in Halle am 9. Oktober ein. „Das waren nicht dieselben Täter wie damals“, sagte er, „aber dasselbe Böse.“

„Menschen sind voller Fehler“, sagte auch der stellvertretende Landrat Stephan Meyer. Deshalb sei der Versuch, den Holocaust zu erklären, kaum möglich, aber unbedingt notwendig. Dabei mahnte er Sachlichkeit an: „Wenn aus Gesprächen darüber Geschrei wird, haben Populisten es leicht. „Denn die Täter sind nicht nur die Verführer, sondern auch die Verführten, die nichts hinterfragen.“

„Es ist erschreckend, wie manche Tendenzen heute wieder in diese Richtung gehen“, sagt Karin Reichler, die sich die Ausstellung ansieht. „Und das hat nichts mit Intelligenz zu tun“, sagt Besucherin Monika Oberüber. Die meisten der etwa 60 Besucher betrachten die Ausstellungstücke still. „Es ist schwer in Worte zu fassen“, sagt eine Betrachterin. „Wir müssen aufpassen, dass wir die Zeichen der Zeit erkennen“, sagt Katy Hoffmeister. „Und dass wir uns stets ermahnen, wachen Geistes zu sein“, sagt Stephan Meyer.

Schüler suchen nach Antworten

Auch Hansjörg Schmutzler, der neue Beauftragte für jüdisches Leben in Mecklenburg-Vorpommern und gegen Antisemitismus, findet es wichtig, „das Erinnern beizubehalten.“ Er ist seit November im Amt und versucht gerade, sich einen Überblick über jüdische und deutsch-israelische Initiativen im Land zu verschaffen. Hansjörg Schmutzler sieht seine Rolle dann als Vermittler und Ansprechpartner, beispielsweise für jüdische Gemeinden. Die Ausstellung in Kröpelin rege zum Nachdenken an, sagt er. „Ich hoffe, junge Menschen kommen darüber ins Gespräch.“

An die Ausstellung „Shoah – Wie war es menschlich möglich?“ schließt sich ein Projekt von Schülern aus der Region an. Sie haben sich mit der Frage beschäftigt, ob sich der Holocaust wiederholen könne. Ihre Ergebnisse präsentieren sie am Donnerstag, den 27. Februar, in dem Kröpeliner Kulturzentrum, kündigt dessen Chef Hubertus Wunschik an. „Und daran wiederum schließt sich dann ja eigentlich die Aufforderung an ‚Wie kann man es verhindern?‘“

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Von Cora Meyer

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