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Bad Doberan Landrat Constien sieht Kreis auf gutem Weg
Mecklenburg Bad Doberan Landrat Constien sieht Kreis auf gutem Weg
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00:00 18.07.2017
Landrat Sebastian Constien (SPD). Quelle: Doris Deutsch
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Güstrow

Im Zuge der Kreisgebietsreform ist der Landkreis Rostock am 4. September 2011 aus den Kreisen Bad Doberan und Güstrow entstanden. Wo steht der mit 3421 Quadratkilometern viertgrößte Landkreis Deutschlands heute? Im OZ-Gespräch analysiert Landrat Sebastian Constien (37, SPD) die Region als gefragten Wirtschafts- und Wohnstandort, spricht über Bevölkerungszuwachs und damit verbundene soziale Herausforderungen, über Fachkräftemangel und verlorene Bürgernähe.

Der Verwaltungschef sieht den Kreis Rostock als gefragten Wirtschafts- und Wohnstandort mit Bevölkerungszuwachs und damit verbundenen soziale Herausforderungen. Investitionen in Kinderbetreuung und Bildung sollen künftig ein Schwerpunkt sein.

Wie steht der Landkreis Rostock

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heute da?

Sebastian Constien: Sechs Jahre sind fast rum. Der Landkreis Rostock wächst. Einwohnerzahl und Wirtschaftskraft nehmen zu. Wir haben seit der Kreisgebietsreform eine rigide Finanzpolitik in puncto Schuldenabbau betrieben. Von 93 Millionen Euro im Jahr 2011 wollen wir auf 60 Millionen im Jahr 2020 kommen. Ich halte das für wichtig für die nächste Generation, so eine Belastung abzubauen.

Wir haben als Landkreis Rostock das Glück, mit der Hansestadt Rostock, dem wirtschaftlichen Motor des Landes, eng verbunden zu sein. Der Landkreis mit seinen Gemeinden profitiert davon. Wenn es den Gemeinden gut geht, geht es dem Kreis auch gut.

Die Gemeinden im Umland haben jedoch ein Problem mit der Hansestadt, was ihre eigene Entwicklung vor allem bei der Schaffung von Wohnraum angeht. Wie unterstützt der Kreis sie?

Ich vertrete die Interessen der Gemeinden gegenüber Rostock, sachlich und ohne Feindbild, anders, als es gelegentlich dargestellt wird. Für den Stadt-Umland-Raum wird es in Absprache mit dem 

regionalen Planungsverband neue Festsetzungen geben, was den Eigenheim- und Wohnungsbau betrifft. Die Regiopolregion Rostock insgesamt wächst, das haben wir mit kluger Standortpolitik erreicht.

Wohnraum ist wichtig, damit der Erfolg anhält, das geht aus allen Prognosen und tatsächlichen Entwicklungen hervor. Wir brauchen bis Mitte der 20er Jahre 10000 neue Wohnungen im Großraum Rostock.

7000 sollen in Rostock entstehen, 1000 in den Umlandgemeinden und 2000 in den zentralen Orten im Kreis. Wir unterstützen unsere Städte und Gemeinden dabei. Wir wollen damit auch unsere zentralen Orte ob Dummerstorf, Bad Doberan, Schwaan, Bützow, Sanitz oder Tessin stärken, weil wir in den Zentren Kitas, Schulen, Versorgung haben, die weiter genutzt werden sollen.

Bürgermeister kritisieren, Güstrow ist zu weit weg, die Gebietsreform habe ihr Ziel verfehlt.

Die Kreisgebietsreform schadet dem politischen Ehrenamt, vor allem dem im Kreistag. Die Kommunikation ist schwierig, es sind weite Wege zu fahren. Den Kreistagsmitgliedern in den verschiedenen Gremien wird einiges abverlangt. Ich weise aber den Vorwurf zurück, im großen Landkreis dauerten Verwaltungsverfahren zu lang und es würden keine Kompromisse gemacht. Wir sind eine öffentliche Behörde, die nach Recht und Gesetz handelt, und nur in diesem Rahmen sind Kompromisse möglich. Und ich denke, gerade im Bauamt wird zügig gearbeitet, wobei sich natürlich beim derzeitigen Bauboom die Anträge häufen. Die Bürgernähe hat aufgrund der großen Strukturen zum Teil gelitten. Mit Bauanliegen müssen die Leute nach Güstrow kommen. Aber für andere besucherintensive Belange wie etwa Sozial- und Jugendamt, Führerscheine und Zulassungen haben wir auch in Bad Doberan Standorte.

Hat sich die Fusion der Altkreise Bad Doberan und Güstrow also bewährt?

Wir sind noch nicht am Ziel. Die Kreisgebietsreform hat nicht dazu geführt, viel Geld einzusparen und Personalabbau zu erreichen. Die Arbeit funktioniert jedoch gut und die Zusammenführung war ein richtiger Schritt. Unsere Kreisumlage ist weiterhin die niedrigste im Land und wir wirtschaften sparsam. Beim Personal müssen wir nachbessern, denn in den nächsten Jahren werden allein 120 Mitarbeiter der Kreisverwaltung in Rente gehen. Diese Lücken müssen wir füllen. Mit unseren eigenen Azubis, bis zu 15 neue pro Jahr, können wir das jedoch nicht schaffen. Wir werben um Mitarbeiter, auch Quereinsteiger, denn wir haben Fachkräftemangel, wie ihn auch die Wirtschaft hat.

Wie greift der Landkreis

den Betrieben unter die Arme?

Unsere Unternehmen im Landkreis sind sehr gut aufgestellt, haben eine gute Auftragslage, sind sehr innovativ. Der Fachkräftemangel ist schon jetzt groß und bleibt es auf lange Sicht. Mit der Jugendberufsagentur beispielsweise wollen wir Jugendliche ausbildungsfähig machen, die Schwierigkeiten haben. Der Servicepoint für Fachkräfte in Rostock arbeitet für die Wirtschaft in der Region.

Viele Firmen unternehmen inzwischen viel im Bereich ’Personalpflege’ mit flexiblen Arbeitszeiten, Gesundheitsfürsorge und ansprechenden Löhnen. Wir unterstützen die Wirtschaft und die Kommunen weiterhin bei der Ansiedlung, indem wir zügig Baugenehmigungen bearbeiten, Planungen schnell und wohlwollend begleiten.

Neue Gewerbegebiete wie in

Dummerstorf entstehen.  Was

passiert eigentlich im Airpark Laage?

Wir sind dabei, das Gelände zu vermarkten, haben das Konzept ,The Big One’ erarbeitet und sind regelmäßig im Gespräch mit Investoren. Es ist im Airpark eine Riesenfläche, da suchen wir große Unternehmen, die dauerhafte Arbeitsplätze schaffen. Es gibt Interessenten. Der Kreis ist ein super Wirtschaftsstandort mit optimalen Anbindungen. Das ist gefragt, wie das neue Logistikzentrum  Ostsee in Dummerstorf zeigt. Aber auch in Bützow, Teterow, Gnoien, Laage gibt es noch viele Möglichkeiten.

Hat sich die Zusammenführung von Rettungsdienst, Abfallwirtschaft und Verkehrsbetrieben im Großkreis bewährt?

Auf jeden Fall, die Eigenbetriebe und unsere Beteiligungen wie Rebus und Molli haben sich sehr gut entwickelt. So gut, dass wir zum Beispiel vorhaben, die Müllgebühren zu senken. Viele Einwohner haben den Abholrhythmus der schwarzen Tonnen von zwei auf vier Wochen umgestellt. Das verringert die Kosten und das wollen wir den Einwohnerinnen und Einwohnern zurückgeben. Bei den Wertstoffhöfen werden wir die Öffnungszeiten ändern, samstags soll künftig bis 15 Uhr geöffnet sein, am Montag dafür geschlossen. Das entspricht eher dem Nutzungsverhalten.

Viele Gemeinden erweitern derzeit ihre Kindereinrichtungen. Kita-Plätze werden dringend benötigt. Wie hilft der Landkreis?

Wir sind mitten in der Kita-Bedarfsplanung. Derzeit haben wir rund 16400 Plätze in Krippen, Kitas und bei Tagesmüttern und -vätern. Die Auslastung ist im kreisweiten Durchschnitt sehr hoch. Rund 96 Prozent der Kindergartenplätze, 91 Prozent der Hortplätze und 86 Prozent der Krippenplätze sind belegt. Wir nutzen Bevölkerungsprognosen, kennen Baupläne der Gemeinden. In den letzten drei Monaten hatten wir Gespräche mit Kommunen und Kita-Trägern. Klar ist: Im Rostocker Umland werden mehr Betreuungsplätze benötigt. Im Herbst sollen sich die Kreistagsausschüsse mit der Planung befassen.

Notwendige Erweiterungen können über die Zentrale Fördermittelstelle bezuschusst werden. 2016 und 2017 haben wir dafür rund vier Millionen Euro für 13 Kitas im Landkreis vergeben. Wir brauchen auch dringend Erzieher, daher begrüße ich die neue duale Ausbildung, die wir gefordert haben. Es ist gut, wenn Träger ausbilden.

Was sind die Herausforderungen der nächsten Jahre?

Investitionen in Kinderbetreuung, Bildung – also Schulen - werden ein Schwerpunkt sein. Wir wollen belegen, dass wir ein Top-Bildungsstandort sind, gut für junge Familien. Aber auch der Tourismus ist eine große Sparte im Kreis und da ist unter anderem ein gutes Radwegenetz, zum Beispiel von der Küste ins Hinterland wichtig. Hier werde ich mich dafür einsetzen, dass das Land dafür finanzielle Mittel zur Verfügung stellt. Die Integration von Flüchtlingen beschäftigt uns auch weiterhin. Anerkannte Flüchtlinge sollten wir fit machen für den ersten Arbeitsmarkt. Das wird nur gelingen, wenn auf allen Seiten die Bereitschaft da ist. Jeder muss daran mitarbeiten, egal ob Flüchtling, Arbeitgeber oder Vermieter.

Viertgrößter Landkreis

3421 Quadratkilometer groß ist der Landkreis Rostock. Er ist damit der flächenmäßig viertgrößte Landkreis in Deutschland und in Mecklenburg-Vorpommern (nach Mecklenburgische Seenplatte, Ludwigslust-Parchim und Vorpommern-Greifswald).

213 500 Menschen leben im Kreisgebiet, das im September 2011 per Fusion aus den ehemaligen Landkreisen Rostock und Doberan gebildet wurde.

Das entspricht einer Einwohnerdichte von 62 Menschen je Quadratkilometer (Vergleich: NRW 524 Einwohner je Quadratkilometer).

Interview: Doris Deutsch

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