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Bad Doberan Leader in Mecklenburg: Hier hat die EU investiert
Mecklenburg Bad Doberan Leader in Mecklenburg: Hier hat die EU investiert
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18:00 21.03.2019
Förderung des ländlichen Raumes: Die EU will mit dem Leaderprogramm finanzielle Mittel für Projekte zur Verfügung stellen, die aus der Region nicht zu finanzieren wären. Quelle: Fellechner
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Bad Doberan

EU-Politik hautnah erleben: Mit dem Förderprogramm Leader investiert der Staatenbund in ländliche Gebiete wie jenen an der Mecklenburgischen Ostseeküste. Aussichtstürme, Gemeindehäuser, Spaßbäder oder Pilgerstätten werden somit saniert, bzw. realisiert – oftmals mit Erfolg, aber nicht immer. So gibt es auch auch kritische Stimmen und Projekte, die nur selten genutzt werden.

Der kleine Ort Russow besteht aus vier Straßenzügen, hat eine kleine beschauliche Dorfkirche und die Gaststätte Bauernstube. Abseits der Hauptverkehrsstraßen, zwischen Neubukow und Rerik, liegt der Ort etwas abgelegen. Um das Dorf zu beleben, hatte die evangelische Kirchgemeinde Rerik-Biendorf-Russow eine EU-Förderung des Leader-Programmes beantragt. Konkret lautete die Vorhabenbezeichnung: „Touristische Erschließung der Kirche Russow durch Anbindung an historische Pilgerrouten und Errichtung einer Pilgerraststätte mit Lehmbackofen“. „Der Ort sollte von der Nähe zum Jakobsweg ’Via Baltica’ profitieren und Pilger in den Ort führen“, sagt Pastor Jean-Dominique Lagies.

Förderung eines Umweges

Der Lehmbackofen in Russow (Ortsteil von Rerik) ist durch ein EU-Förderprogramm finanziert worden. Seither wird er jedoch nur selten benutzt. Quelle: Moritz Naumann

Das Vorhaben wurde bewilligt und mit 45 000 Euro gefördert. Seit 2016 verweisen Schilder auf die Erweiterung der Route, die für Pilger jedoch einen Umweg von etwa 11 Kilometern vom ursprünglichen Jakobsweg bedeutet. Ganz abgesehen davon, dass auf Internetportalen, die den Weg bewerben, wie dem vom Tourismusverband MV, Russow als Pilgerstation gar nicht auftaucht. Dementsprechend selten werde Russow von Sinnsuchenden bewandert. „Ich weiß, dass Schüler der freien Schule Rerik im letzten Jahr von Stralsund nach Rerik pilgerten und dann in Russow Halt machten“, sagt Lagies (OZ berichtete).

Darüber hinaus ist der geplante Lehmbackofen errichtet worden – auf dem Gelände des alten Pfarrhauses, welches sich heute aber in Privatbesitz befindet. Dadurch sei dieser, laut Lagies, von Dorfbewohnern und Pilgern nur in Abstimmung mit den Eigentümern nutzbar – und dies passiere äußerst selten. „Im letzten Jahr wurde meines Wissens nur einmal Anfang Dezember dort Brot gebacken“, sagt Lagies, der erst seit knapp einem Jahr Pastor der Gemeinde ist. Ob die Förderung dennoch seinen Zweck erfülle? Ein vor kurzem gegründeter Dorfverein möchte nun dafür sorgen: „Es ist angedacht, den Lehmbackofen häufiger zu nutzen – mindestens einmal im Monat im Rahmen von Dorftreffen“, sagt Pastor Lagies.

Ein Instrument für Ehrenamtler?

Um wie in Russow eine Projektförderung zu erhalten, können sich ländliche Akteure (Vereine, Verbände, Unternehmen oder auch Privatpersonen) mit einem Vorhaben an das jeweilige Regionalmanagement der Region wenden. Dieses führt eine Vorprüfung des Vorhabens durch und leitet es dann an das Entscheidungsgremium, dass aus stimmberechtigten Mitgliedern der Region besteht, weiter. „Die Beantragung war einfach und die Begleitung durch die regionalen Vertreter war sehr engagiert“, sagt Barbara Niehaus von der Suppenküche in Bad Doberan. Laut ihr sei jedoch das weiterführende Verfahren für ehrenamtliche Akteure ein schwer zu stemmender Prozess. „Das Abrechnungsverfahren ist fürchterlich aufwendig“, sagt Niehaus.

Barbara Niehaus freut sich über die neue Kühlanlage für die Suppenküche in Bad Doberan Quelle: DBR

Die Suppenküche hatte 2016 einen Zuwendungsbescheid zur Anschaffung von neuen Kühlanlagen und Tischen bekommen. Jedoch bestand die Maßgabe den Prozess der Auftragsvergabe detailliert protokollieren zu müssen. „Während dieses Prozesses stellte sich heraus, dass sich die ursprünglich avisierten Tische nicht so gut eigneten. Wir entschieden uns dann für eine kürzere Variante, vom gleichen Hersteller und nicht teurer.“ Das widersprach jedoch der ursprünglichen Beantragung und die EU weigerte sich die Mittel für die Tische zur Verfügung zu stellen. „Wir mussten die Tische dann über Spenden finanzieren“, sagt Niehaus.

Der Wunsch nach Vereinfachung

Grundsätzlich sei das Förderprogramm zwar eine gute Sache, jedoch wäre es angebracht das Abwicklungsverfahren zu vereinfachen. „Kleine Organisationen, die vom Ehrenamt leben, können die Prozedur nur schwer realisieren.“ Niehaus plädiert für neue Spielräume, die die Beantragung der Förderung für ehrenamtlichen Organisationen vereinfacht. Das sieht auch Erich Reppenhagen, EU-Beauftragter von der Stabsstelle Wirtschaftsförderung im Landkreis Nordwestmecklenburg so: „Vereinfachungen im Verwaltungsverfahren wären wünschenswert, insbesondere die Vergaberechtsprozedur.“ Olaf Pommeranz, Leader-Regionalmanager für die Lokalen Aktionsgruppen „Ostsee-DBR“ und den Güstrower Landkreis stimmt mit ein: „Es gibt bereits Befürchtungen, dass gute Ideen nicht zur Förderung eingereicht werden, weil die Angst vor Fehlern in der Umsetzung der Projekte und damit der drohende Verlust eines Teils oder aller Fördermittel überwiegt.“

Dorfgemeinschaftshaus in Blowatz eingeweiht Quelle: E-Mail-OZ-Lokalredaktion-WIS

Für hauptamtliche Antragssteller wie die nordwestmecklenburgische Gemeinde Blowatz war das Verfahren hingegen unkompliziert. „Wir hatten 2015 die Idee für ein Mehrgenerationszentrum in unserem Ort, wir fertigten eine Projektskizze und gingen gemeinsam mit Erich Reppenhagen durch das Vergabeverfahren“, sagt Tino Schomann, Bürgermeister von Blowatz. „Das war alles recht einfach.“ 350 000 Euro von den 1,7 Millionen Euro Gesamtkosten wurden über die Förderung finanziert. „Wir erhielten die Höchstfördersumme für den großen Gemeindesaal, ein Bürgermeisterbüro und die Toiletten.“ Knapp zwei Jahre später, im Oktober 2017, wurde das Gebäude schon eingeweiht. Seither findet im Saal die Seniorensportgruppe einen Platz, es finden Schülerkonzerte statt und die Gemeindevertretungen tagt hier. „Das ist ein tolles Instrument für ländliche Projekte mit ganz vielschichtigen Möglichkeiten“, zeigt sich Schlohmann begeistert.

Leader in Mecklenburg

Leader ist eine Abkürzung und stammt aus der französischen Sprache: Liaison Entre Actions de Développement de l'Économie Ruraleden (Verbindung zwischen Aktionen zur Entwicklung der ländlichen Wirtschaft). Das EU-Programm versorgt seit 1991 verschiedene Akteure ländlicher Gebiete mit Finanzmitteln zur Förderung und Belebung des ländlichen Raumes. Für den Förderzeitraum 2014 bis 2020 stehen dem Lokalen Aktionsgruppe (LAG) Westmecklenburgische Ostseeküste (Großteil von Nordwestmecklenburg) etwa sechs Millionen Euro, der LAG Ostsee-DBR und der LAG Güstrower Landkreis jeweils 7 Millionen Euro zur Verfügung. Die vorrangigen Entwicklungsziele der LEADER-Förderung sind zum einen die Sicherung und Verbesserung der Lebensqualität und die Stärkung der ländlichen Wirtschaftskraft. Bis zum 30.06. können Projekte eingereicht werden, die dann im Folgejahr gefördert werden können. Maximal 90 % beträgt die Zuwendungshöhe der förderfähigen Kosten. Das umfasst 200 000 Euro für private Antragssteller und 400 000 Euro für kommunale Antragssteller.

Moritz Naumann

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