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Bad Doberan Liebe zur Landwirtschaft liegt in der Familie
Mecklenburg Bad Doberan Liebe zur Landwirtschaft liegt in der Familie
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14:00 24.11.2018
Manfred Meyer ist der Herr über zehn Bienenvölker, deren Stöcke in seinem Garten stehen. Quelle: Werner Geske
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Krempin

„Ich denke, dass mein Großvater sehr stolz wäre, wenn er sehen würde, wie sich unser Bauernhof herausgemacht hat“, sagt Landwirt Manfred Meyer. In Haus, Hof und Wirtschaftsgebäude hat der 59-Jährige, unterstützt von Ehefrau Kerstin (59), seit 1990 viel Kraft, Mühe und Geld investiert. Als nach der Wende die Möglichkeit bestand, den Hof zu übernehmen, entschied er sich nach einigem Überlegen dafür, wieder Bauer auf eigener Scholle zu werden.

Gemeinsam mit einem Partner aus den alten Bundesländern gründete er die Meyer-Delfs GbR. Nun konnte er Bauer sein, wie es auch die Vorfahren immer waren, die einst ihre Felder in Niedersachsen bestellten. Zu ihnen gehörte Großvater Heinrich Meyer. Der fasste 1936 den Entschluss, einen 1889 errichteten Bauernhof im mecklenburgischen Krempin zu erwerben. Der wiederum vererbte sich auf Manfred Meyers Vater und schließlich auf ihn selbst. „Ich habe Bauernblut in den Adern. Für mich gibt es keinen schöneren Beruf“, sagt der Landwirt.

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Vier Generationen halten zusammen

An der Universität Rostock studierte er in den 1980er Jahren Agrarwissenschaften, Studienrichtung Pflanzenproduktion, und lernte dort auch seine spätere Frau kennen, die sich auf Tierproduktion spezialisiert hatte. Gemeinsame berufliche Interessen – eine gute Voraussetzung auch für eine gute Ehepartnerschaft? In diesem Fall bestimmt. Denn Thomas Meyer bescheinigt seiner Kerstin, dass sie „den Laden zusammenhält“. Was auch heißt, dass sie dafür sorgt, dass die wirtschaftlichen Zahlen auf dem Hof stimmen. „Eine hervorragende Buchhalterin und Organisatorin“, lobt ihr Mann. Doch dass ist nicht ihre einzige Funktion angesichts von inzwischen vier Generationen, die auf dem Hof leben. Da heißt es, sich um die alten Eltern, um Kinder und Enkel zu kümmern. „Dieses Zusammenleben ist etwas Schönes, leider gibt es das heute nur noch sehr selten. Den eigenen Eltern zur Seite stehen zu können, den Kindern auf ihrem Weg zu helfen und die Lütten heranwachsen zu sehen, macht Freude“, sind sich Kerstin und Manfred Meyer einig.

Zurzeit ist etwas Ruhe auf dem Bauernhof am südwestlichen Rande Krempins. Raps, Getreide, Kartoffeln und Erbsen sind eingebracht. Das Erntejahr, sagt Meyer, sei eines der schlechtesten seit fast drei Jahrzehnten. Doch klagen mag er nicht. Die Dinge sind so, wie sie sind. Es bleibt die Hoffnung auf ein besseres Jahr 2019. Noch mag er nicht daran denken, sich aufs Altenteil zu begeben und sich ausschließlich seiner geliebten Bienenzucht zu widmen, die er seit Kindesbeinen betreibt. „In wenigen Tagen werde ich 60. Bis 65 möchte ich noch weitermachen und mich danach schrittweise zurückziehen. Da bin ich mir mit meinem Sohn Thomas einig, der dann der Chef auf dem 600 Hektar Ackerland umfassenden Anwesen wird“, sagt der Landwirt. Dabei sind ihm die Freude und der Stolz anzumerken, dass Thomas (36), eins der drei erwachsenen Kinder der Meyers, in die Fußstapfen der Eltern tritt. Gedrängt habe man ihn dazu jedoch nicht. Doch die Liebe zur Landwirtschaft, so scheint es, liegt in der Familie.

Dörfliches Miteinander schwindet

Den Staffelstab will er auch im Falle seiner gesellschaftlichen Funktionen übergeben: „Seit der Wende bekleide ich das Amt des stellvertretenden Bürgermeisters und bin Gemeindevertreter. Von diesen Ämtern werde ich mich verabschieden. Es wird Zeit, dass ich meinen Platz für Nachfolger frei mache!“ Auf jeden Fall sei er aber bereit, auch künftig mit Rat und Tat zur Verfügung zu stehen, wenn es gefragt sei.

Gut wäre das schon. Denn Krempins Dorfleben ist eher bescheiden. Zu DDR-Zeiten sorgten Plaudereien im Konsum und Klönen in der Gaststätte für Zusammenhalt. Selbst nach der Wende sei mehr los gewesen – als eine Diskothek Krempin zum Mekka der tanzbegeisterten Jugend machte, ist im Ort zu hören. Heute gehe jeder seiner Wege, bedauert nicht nur Manfred Meyer. Das Dorffest im Sommer allein reicht kaum aus für ein engeres Miteinander im Dorf, darin ist man sich einig.

Eine durchgreifende Änderung ist allerdings (noch) nicht in Sicht. Dabei werde immer wieder das Angebot gemacht, dass sich Alteingesessene und Neuzugezogene mal an einen Tisch setzen, um Ideen für mehr Leben im Dorf zu entwickeln. „Leider bisher mit wenig Erfolg“, stellt der Vize-Bürgermeister fest.

Werner Geske

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