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Bad Doberan Mahnende Worte zum Jahresauftakt
Mecklenburg Bad Doberan Mahnende Worte zum Jahresauftakt
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16:33 12.01.2019
Bürgermeister Rüdiger Kozian (l.) und Bürgervorsteher Uwe Ziesig ehrten Karin Stoy für ihre ehrenamtliche Tätigkeit bei der Volkssolidarität und im Seniorenbeirat. Quelle: Lennart Plottke
Kühlungsborn

Häufiger über Probleme reden, Kompromisse finden – und nicht länger im kleinen Kreis schweigen: Eines seiner Hauptanliegen für 2019 machte Kühlungsborns Bürgervorsteher Uwe Ziesig gleich zu Beginn des Neujahrsempfangs im Schulzentrum klar. „Viele Menschen haben offenbar das Gefühl, dass ohne ihre Einbeziehung Entscheidungen getroffen werden – diese Machtlosigkeit führt immer mehr zur Entfremdung zwischen Politik und Bürgern.“

Bezogen auf das Ostseebad falle ihm hier das Problem mit den Häuschen der Strandkorbvermieter ein, erklärte Ziesig vor gut 200 Gästen: Obwohl MV wieder zum beliebtesten Reiseland gekürt worden sei, „will ein Ministerium unseres Landes gewachsene Strukturen und beliebte Treffpunkte für unsere Einwohner und Gäste vernichten – mit einer Begründung, die niemand nachvollziehen kann“. So berufe man sich auf ein Jahrhunderthochwasser aus dem Jahr 1872 mit einem Pegelstand von 2,70 Metern. Weil dieses Hochwasser jederzeit wieder die mecklenburgische Ostseeküste bedrohen und die Hütten dann zur Gefahr werden könnten, sollten sie durch hässliche Container ersetzt werden, die dann am Strand stehen und im Notfall jederzeit entfernt werden könnten.

Hoffnung auf mehr Kompromiss-Bereitschaft

„Bei allem Respekt vor dem Ministerium und seinen Fachleuten – heutzutage lassen die technischen Voraussetzungen und Wettervorhersagen ein Hochwasserereignis rechtzeitig erkennen, um erforderliche Maßnahmen einzuleiten“, stellte Ziesig klar. „Ich würde mir wirklich wünschen, dass hier endlich ein Kompromiss gefunden wird, damit die Strandkorbvermieter in Ruhe wieder ihrer Arbeit nachgehen und wir unser Strandkonzept umsetzen können.“

In diesem Zusammenhang sei es dringend geboten, die Strandtoiletten instand zu setzen, betonte Kühlungsborn Rüdiger Kozian (parteilos): „Wir sollten dafür einen nennenswerten Betrag in den Haushalt einstellen, damit wir hier auf Ballhöhe bleiben.“ Meinte auch Uwe Ziesig: „Wer sich ein wenig in unserer touristischen Umgebung etwa in Schleswig-Holstein oder auch Polen umsieht, der weiß, dass auch andere Regionen sehr guten Tourismus anbieten können – deshalb dürfen wir nicht in Selbstzufriedenheit und Arroganz verfallen.“

Gut 200 Besucher feierten erstmals im Schulzentrum.

Denn auch, wenn der Ort bei jährlich rund 2,5 Millionen Gästeankünften an sein Limit stoße, sollte klar sein, dass Kühlungsborn ohne seine Besucher gar nicht über ein neues Vereinsgebäude, ein Stadion oder einen neuen Kindergarten nachzudenken brauche, machte Ziesig deutlich: „Unsere Gäste haben uns im vergangenen Jahr 3,1 Millionen Euro aus der Kurabgabe sowie gut 693 000 Euro aus der Fremdenverkehrsabgabe eingebracht – Gelder, die uns allen bei Investitionen in einen sauberen Strand und Kuranlagen oder in ein reichhaltiges Sport- und Veranstaltungsangebot zugute kommen.“

Kritik an „lautstarker“ Bürgerinitiative

Mit Blick auf die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum gebe es jetzt einen „verheißungsvollen Anfang“, sagte Rüdiger Kozian: „Gemeinsam mit unserer städtischen Wohnungsgesellschaft Noveg wollen wir zügig rund 20 Wohnungen bauen.“ Apropos: Ferien-Domizile in Wohngebieten sind im Ostseebad nach wie vor ein großes Reizthema. „Da gibt es eine Bürgerinitiative, die sachlich, fair und dialogbereit arbeitet und mit dafür gesorgt hat, dass es zu einer Änderung der Baunutzungsverordnung gekommen ist“, erklärte Kühlungsborns Bürgervorsteher. „Und eine andere, die versucht, lautstark die Stadtvertreter zu beeinflussen.“

Denn aktuell hätten die Gemeinden immer noch die Entscheidungshoheit – und könnten etwa durch Änderungen betroffener Bebauungspläne selbst eine Regelung zur Nutzung von Ferienwohnungen beschließen, so Ziesig: „Ich würde mir auch hier wünschen, dass Sie uns in Ruhe unsere Arbeit machen lassen und demokratisch gefasste Beschlüsse abwarten – es steht jedem frei, seine Bedenken oder auch Vorschläge einzubringen.“

Werbung für aktive Mitarbeit in den Gremien

Dies gehe auch durch eine Mitarbeit in den Ausschüssen oder der Stadtvertretung, erklärte Bürgermeister Kozian – und blickte mit einem Augenzwinkern auf die anstehenden Kommunalwahlen am 26. Mai voraus: „Bewerben Sie sich doch – am besten dann, wenn auch die erforderliche Sachkenntnis gegeben ist. Das erleichtert die Arbeit in den Ausschüssen und Gremien enorm.“

Denn es stehe auch weiter jede Menge Arbeit an, sagte Uwe Ziesig: „Ich denke da an Projekte wie etwa die Seebrücke in West, freies WLAN, an einen City-Bus – und über ein Jüngstensegelzentrum reden wir schon fünf Jahre, über die Einführung einer elektronischen Kurkarte gefühlte zehn Jahre.“ Deshalb plädiere er an alle Entscheidungsträger, endlich wieder Tempo aufzunehmen – „bevor uns noch mehr Ostseebäder überholen oder sogar überfahren“.

Kühlungsborn sei das größte deutsche Ostseebad, so Ziesig: „Wir haben eine Vielzahl von Leistungsanbietern, Touristikern, engagierten Bürgern und Machern, die wissen, was unserer Entwicklung gut tut – Uneinigkeit, Differenzen oder persönliche Befindlichkeiten dürfen uns nicht blockieren oder gar vernünftige Projekte verhindern.“

Karin Stoy wurde für ihr ehrenamtliches Engagement in der Ortsgruppe der Volkssolidarität sowie im Seniorenbeirat geehrt. Sie bereitet unter anderem den Frauentag, Sommerfeste oder Radtouren vor.

Die 18-Jährige Hannah Degner nimmt derzeit in Luxemburg am europäischen Freiwilligendienst in einer Behinderteneinrichtung teil – deshalb nahmen ihre Eltern die Ehrung für ihr soziales und gesellschaftliches Engagement entgegen.

Mit Peter Fink erhielt erstmals auch ein Sportler eine Auszeichnung. Der aktuelle Landesmeister vom Tennisclub Kühlungsborn trainiert unter anderem auch die Schulmannschaft der Integrierten Gesamtschule – die Jungs wurden 2018 ebenfalls Landesmeister und bekamen dafür von den gut 200 Gästen den verdienten Applaus.

Lennart Plottke

Etwa 230 Gäste sind der Einladung zum Neujahrsempfang der Stadt Bad Doberan gefolgt. Auf diesem wurden zwei Bad Doberaner für ihr ehrenamtliches Engagement geehrt. In seiner Ansprache ging Bürgermeister Thorsten Semrau unter anderem auf die neue Bäderverkaufsverordnung ein.

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