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23:01 25.06.2019
Helmut Eggers kennzeichnet ein Storchenjunges am Boden. Unter den Zuschauern Hofbesitzer Hergen Plate (2.v.r.) und seine Feriengäste. Quelle: Thomas Hoppe
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Schmadebeck

„Dit war jetze ’s erste Mal aufs Storchenneste“, sagt Schmadebeck-Urlauber Mathias Kinzel beeindruckt, der gerade dank einer von den Bauernverbänden Bad Doberan und Bützow gesponserten Hebebühne aus luftiger Höhe zurück auf Mutter Erde gelangt ist.

Christoph Roscher hält die Küken ruhig, damit sie nicht aus dem Nest fallen. Quelle: Thomas Hoppe

„Gute 34 Jahre“ hätte er werden müssen, um das zu erleben, sagt der „Original-Berliner, ehemals Altenburger“. Nun konnte er mal einen Blick auf das Nest mit den drei Weißstorchküken werfen, die hier auf dem Hof von Bauer Hergen Plate vor ungefähr sechs bis sechseinhalb Wochen geschlüpft sind. Diese Zeitspanne nennt der Nabu-Weißstorchbetreuer für den Landkreis Rostock, Prof. Dr. Stefan Kroll, der an diesem Montagabend mit seinem Team um Anke Hornburg und Gunnar Gernhöfer in Schmadebeck zur Storchberingung angerückt ist. Dazu gehört seit mittlerweile zehn Jahren auch Christoph Roscher von der Agrargenossenschaft Papendorf, der diesmal den erfahrenen „Herrn der Ringe“, Helmut Eggers aus Lübtheen, zum Nest des Jungstorchtrios hochfuhr.

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Da oben und in einem Fall am Erdboden befestigte der Beringungsexperte jeweils einen neuartigen Kunststoffring finnischer Produktion ans noch relativ kurze Storchenbein und am anderen einen althergebrachten Metallring: „Zur Sicherheit, weil wir mit dem neuen Material noch nicht so viel Erfahrung haben.“

„Der Metallring dient der Sicherheit. Mit dem neuen Material fehlen noch Erfahrungen.“ Helmut Eggers, Beringer Quelle: Thomas Hoppe

„Wir hoffen, dass sich mit der neuen Ring-Sorte die Ablesemöglichkeit verbessert. Schwarz auf Gelb soll besser erkennbar sein als das Grau, was wir im letzten Jahr verwendet hatten. Die Beringungszentrale auf Hiddensee verspricht sich dadurch mehr Ablesungen als in der Vergangenheit. Wir sind in Mecklenburg-Vorpommern Versuchsgebiet – das heißt, in den anderen ostdeutschen Bundesländern werden aktuell nach wie vor Metallringe verwendet. Wenn es bei uns gut läuft, wollen die Kollegen in Sachsen-Anhalt und Brandenburg auch die neuen Ringe verwenden“, erklärt dazu Stefan Kroll. Der Weißstorchexperte ist sehr froh, dass die drei Schmadebecker Küken in der vergangenen Woche einen starken lokalen Hagelschauer überlebt haben. Bauer Plate hatte ihm ein Bild der walnussgroßen Körner gezeigt (siehe Video bei www.ostsee-zeitung.de), die in Kröpelin niedergegangen waren und dort eines der beiden Storchenjungen am Bahndamm getötet haben sollen.

Dabei kommt sogar die Rede darauf, dass bei einem Agrarbetrieb in der Nähe mehrere hundert Hektar Rüben, Mais und Getreide vernichtet worden sein sollen.

„Ich bin ein Natur- und Storchenfreund. Ich habe auch zu Hause ein Nest aufgestellt.“ Autohausinhaber Gunnar Gernhöfer Quelle: Thomas Hoppe

Bislang wurden im Altkreis Bad Doberan 40 Horstpaare gezählt, eines mehr als 2018. Dagegen waren es vor fünf Jahren jedoch noch 55 Paare und 2004 sogar noch 91. Dr. Kroll nennt den Rückgang der Weißstorchpopulation „auch in Mecklenburg-Vorpommern weiterhin sehr besorgniserregend.“

Sollten sich aber die jetzt vermuteten Zahlen bis zum Flüggewerden der Jungstörche im August bestätigen, könne von einem leicht überdurchschnittlichen Nachwuchsergebnis (pro Horstpaar) ausgegangen werden. Jedes Zählen vorher sei aber eben nur eine Prognose, die zum Beispiel nach einem starken Hagelgewitter vielleicht korrigiert werden müsse.

Zumal „die Spätrouten“ erst in der nächsten Woche beringt würden: „Dann hat man sicher einen besseren Überblick“, meint Stefan Kroll. Zum Beringungsteam gehört diesmal auch der „Praktikant“, wie er sich nennt, Gunnar Gernhöfer aus Sildemow.

 

„Wir hoffen, dass sich mit der neuen Ring-Sorte die Ablesemöglichkeit verbessert.“ Stefan Kroll, Nabu-Storchenbeauftragter Quelle: Thomas Hoppe

Er soll künftig die Beringungen in der Region ausführen und schaut jetzt noch Helmut Eggers quasi über die Schultern. Der Autohaus-Inhaber nennt sich Natur- und Storchenfreund: „Ich habe bei mir zu Hause auch ein Nest aufgestellt.“

„Ich finde so was echt schön. Das sieht man nicht überall“, sagt der Urlauber Roy Köhler über das Nest auf dem Hof Plate. Er verbringt hier mit Kindern und Jessica Köhler schon das dritte Mal seinen Urlaub. „Das war voll flach, das Nest“, staunt der siebenjährige Jamie aus Berlin immer noch, als der Beringungstrupp schon wieder nach Neu Rethwisch unterwegs ist. Die 17. Station von 19 an diesem Montag, an dem insgesamt 48 Störche Ringe bekommen.

Zu Wochenbeginn startete die diesjährige Weißstorchberingung im ehemaligen Landkreis Bad Doberan. Das Team um Nabu-Storchenbetreuer Dr. Stefan Kroll beringte dabei an 19 Standorten zwischen Grammow, Schwaan und Schmadebeck 48 Weißstorchküken. Dabei erhalten die etwa vier bis sechs Wochen alten Küken neue gelbe Farbmarkierungen und einen Metallring an ihren Beinen. Mit Hilfe dieses „Personalausweises“ wird es später möglich sein, ihren weiteren Lebenslauf zu verfolgen.

Thomas Hoppe

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