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Bad Doberan Examen beim Hausarzt: Erster Medizinstudent legt Prüfung in Praxis in Neubukow ab
Mecklenburg Bad Doberan Examen beim Hausarzt: Erster Medizinstudent legt Prüfung in Praxis in Neubukow ab
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19:00 11.11.2019
Medizinstudent Giuliano Bandiko (v.l.) spricht mit Patientin Gerda Schmidt. Allgemeinmediziner Stefan Zutz und Jana Jünger vom Institut für medizinische und pharmazeutische Prüfungsfragen beurteilen seine Leistung. Quelle: Cora Meyer
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Neubukow

Giuliano Bandiko ist der Erste bundesweit. Der Medizinstudent aus Rostock legt seine Abschlussprüfung in einer Hausarztpraxis ab – in der von Stefan Zutz und Manja Dannenberg in Neubukow. Bislang absolvieren angehenden Ärzte ihr Examen nur in einem Krankenhaus. Das soll sich jetzt ändern: Das Medizinstudium in Deutschland wird neu konzipiert.

Vorbeugung und konkrete Angebote

Medizinstudent Giuliano Bandiko untersucht Gerda Schmidt von Kopf bis Fuß. Quelle: Cora Meyer

„Wir wollen mehr auf Prävention und die Stärkung der Gesundheitskompetenz achten“, sagt Jana Jünger, Direktorin des Instituts für medizinische und pharmazeutische Prüfungsfragen (IMPP). Die Idee dahinter ist, dass Patienten seltener ärztlich behandelt werden müssen, wenn sie rechtzeitig vorbeugen. Zunächst einmal bedeutet das für den Arzt mehr Arbeit. Eine Dreiviertelstunde Zeit sollte er sich für das erste Gespräch und die gründliche Untersuchung mit dem Patienten nehmen. In dieser Zeit wird nicht nur der Gesundheitszustand untersucht, nach Vorgeschichte und Beschwerden gefragt. Es geht auch um das Lebensumfeld der Patienten: Wie lebt er, wie gestaltet er seine Freizeit, was ist ihm wichtig. „Anschließend soll der Arzt mit dem Patienten gemeinsam entscheiden, wie der Patient sein Leben gesünder gestalten kann und ganz konkrete nächste Schritte planen“. Es reiche beispielsweise nicht aus, meint Jana Jünger, generell zu mehr Bewegung zu raten. Wünschenswert ist es, dass der Arzt gleich ein spezifisches Angebot macht. „Ich leite selbst eine Sportgruppe“, sagt Stefan Zutz. Dorthin könne er seine Patienten gezielt einladen.

Mehr Zeit für den Patienten

„Im Alltag ist für ein Erstgespräch mit dem Patienten in dieser Länge seinen Angaben zufolge allerdings derzeit keine Zeit. „Wir planen momentan mit 20 Minuten“, sagt Stefan Zutz. Allerdings erhebe er über einen Fragebogen, den die Patienten im Wartezimmer ausfüllen, schon einen Teil der Daten. Er und seine Kollegin betreuen pro Quartal 2300 Patienten. „Das ist zu zweit noch zu schaffen.“ Je mehr Patienten ein Arzt habe, desto mehr sei er aber auch in einem Hamsterrad und scheue sich davor, Zeit in ein ausführliches Erstgespräch zu investieren. Gerade für Berufsanfänger ist es aber wichtig, Zeit zum Zuhören und für die Begegnung mit dem Patienten zu haben. „Er muss verstehen, welchen Mehrwert er davon hat“, sagt Jana Jünger. Studien haben gezeigt, dass eine bessere Arzt-Patient-Beziehung die Zahl der Arztbesuche und Klinikeinweisungen reduziert, weil beispielsweise Diabetespatienten weniger Komplikationen haben. „Je mehr Angebote ein Patient annimmt, desto seltener sehe ich ihn wieder“, sagt Stefan Zutz. Letzten Endes ergebe sich für ihn daraus weniger Arbeitsaufwand.

Weniger Technik in der Behandlung

Stefan Zutz und Manja Dannenberg bilden oft Medizinstudenten von der Uni Rostock aus. Der dortige Studiendekan, Prof. Dr. Attila Altiner, stellte den Kontakt zum IMPP her. Bislang war für die Arbeit in einer Arztpraxis nur ein kleiner Teil der Medizinerausbildung vorgesehen. Künftig soll dieser Part im anschließenden Praktischen Jahr zur Pflicht werden. „90 Prozent der Menschen werden ambulant versorgt“, sagt Jana Jünger. „Die Ausbildung ist aber zu 90 Prozent in der Hochleistungsmedizin.“ Dort – im Krankenhaus – haben die Medizinstudenten jede Menge technische Geräte zur Verfügung. Die gebe es in Hausarztpraxen natürlich nicht. „Da muss man auch Unsicherheit aushalten“, sagt Stefan Zutz, der seit 2005 am Amtsgarten in Neubukow praktiziert. Es sei auch ein anderes Arbeiten möglich. „In der Klinik ist Geld ein Anreiz. Die müssen ihre Zahlen bringen.“ Deshalb werde dort schneller ein Katheter oder Ähnliches verordnet als in einer Hausarztpraxis.

Zusammenarbeit aller Behandelnden

Allgemeinmediziner Stefan Zutz (v.l.) und Jana Jünger vom Institut für medizinische und pharmazeutische Prüfungsfragen besprechen mit Medizinstudent Giuliano Bandiko die Ergebnisse seiner Untersuchung der Patientin. Quelle: Cora Meyer

Wichtig sei die Zusammenarbeit zwischen den Professionen, sagt Jana Jünger. „Wir brauchen da einen Kulturwandel. Die Kommunikation muss auf Augenhöhe stattfinden.“ Dabei geht es nicht nur um die Übergabe zwischen Praxis und Klinik. Sondern auch die Zusammenarbeit der Ärzte mit den Pflegenden, Physiotherapeuten, Apotheken und Pflegeheimen. Ein weiterer Vorteil der neuen Ausbildung ist es, dass Medizinstudenten früher an das praktische Arbeiten herangeführt werden. Und dass möglicherweise mehr angehende Ärzte sich für eine Tätigkeit auf dem Land entscheiden. „Wir suchen Menschen, die etwas gestalten möchten, ein Netzwerk aufbauen“, sagt Jana Jünger. Dazu gebe es in kleineren Orten viel mehr Möglichkeiten. „Wenn Abiturienten diese Fähigkeiten unter Beweis stellen, bekommen sie in Rheinland-Pfalz bald einen Studienplatz – ohne dass die Abiturnote eine Rolle spielt“, sagt Jana Jünger vom IMPP.

Giuliano Bandiko ist der Erste, der nach den neuen Kriterien bewertet wird. Ein Testkandidat. Sein eigentliches Examen muss er trotzdem noch regulär machen. Sein Jahrgang könnte allerdings einer der letzten sein. „Wir warten nur darauf, dass die neue Approbationsordnung in Kraft tritt“, sagt Jana Jünger. Dann beginnt die neue Ausbildung bundesweit.

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Von Cora Meyer

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