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Bad Doberan Mehr als 800 Jahre Familiengeschichte
Mecklenburg Bad Doberan Mehr als 800 Jahre Familiengeschichte
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14:00 29.03.2019
Günter Garbe engagiert sich seit vielen Jahren auch im Doberaner Rennverein. Quelle: Sabine Hügelland
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Steffenshagen

Wenn Günter Garbe genüsslich an seiner Zigarre zieht und aus dem Küchenfenster auf sein Land blickt, sieht er zufrieden aus. Hinter dem 82-Jährigen liegt ein bewegtes Leben und eine 800-jährige Familiengeschichte, die bis ins Mittelalter reicht. Seitdem lebt und wirtschaftet die Bauernfamilie Garbe in Steffenshagen, auf dem Hof an der Dorfstraße. Das war für ihn vor vier Jahren Grund genug, mit Unterstützung von Berthold Wendt das Buch „Aus dem Leben einer Mecklenburgischen Bauernfamilie – eine Familienchronik über 8 Jahrhunderte“ herauszugeben.

Günter Garbe ist Bauernsohn und Diplom-Agraringenieur. Er arbeitete als Traktorist in der Maschinen-Traktoren-Station, war Abteilungsleiter und stellvertretender LPG-Vorsitzender. Nach der Wende konnte er das Erbe auf dem 300 Jahre altem Frahm-Garbe-Hof erfolgreich wiederbeleben. Sein Herz schlägt für die Arbeit auf dem Land. „Landwirt ist ein schöner Beruf“, sagt er aus Überzeugung. Der Steffenshäger bedauert, dass seine Kinder das landwirtschaftliche Erbe nicht weiterführen: „Ich würde auch heute noch jungen Leute empfehlen, Landwirtschaft zu studieren.“

In vielen Vereinen engagiert

Günter Garbe ist schon gut 50 Jahre Raucher: „Ich war und bin jedoch täglich an der frischen Luft. Das hält mich jung und gesund“, sagt er. Er trägt den Schalk im Nacken und ist immer auch für Scherze offen: „Gut essen, aber nicht zu viel, ausreichend Bewegung und ein guter Mensch sein – damit wird man alt.“ Doch er engagiert sich auch gern für andere. Viele Jahre war er Vorstandsmitglied im Doberaner Rennverein und gehört ihm immer noch an, sowie einst auch sein Vater.

Günter Garbe ist ebenfalls Mitglied des Steffenshäger Kulturvereins und der Kühlungsborner Plattschnacker. „Das Sommerfest der Plattschnacker wird am 20. Juli ab 15 Uhr bei mir stattfinden. Ich hab den Hut bei der Organisation auf“, lässt er schon mal wissen.

Seinen Ursprung hat Steffenshagen mit der Gründung des Doberaner Klosters 1186, als die Mönche niederdeutsche Bauern aus der Gegend von Hameln in die Nähe des Klosters riefen. Diese gründeten die „Hagen-Dörfer“, was so viel wie gerodetes Land bedeutet. Mit den Bauern wanderten auch die Vorfahren Günter Garbes in Steffenshagen ein, denn ihr Name taucht schon sehr früh in den Klosterarchiven auf.

Familie prägt Ort seit Jahrhunderten mit

Ihre Geschichte halten sie in Ehren, die Garbes: Petra und Karl-Heinz Garbe übernahmen 1993 nach der Auflösung der Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaft (LPG) wieder den 800 Jahre alten Hof mit 40 Hektar Ackerland. Heinrich Garbe, geboren 1859 in Schmadebeck, schrieb 1934 viele Fakten auf, die aus den 20er- und 30er-Jahren des 20. Jahrhundert stammen.

Günter Garbe, geboren am 30. Dezember 1936 in Steffenshagen, griff sie auf und reicherte sie mit authentischen Begebenheiten und Fotografien aus der Zeit der LPG und der politischen Wende an. Sein Vater, Erich Garbe, heiratete 1936 in den Frahm-Hof ein, der sich in Niedersteffenshagen befindet. Das um 1900 erbaute Bauernhaus, in dem Günter Garbe heute lebt, wurde dem Baustil von Gutshäusern nachempfunden.

Viele Fotos in seinem Flur geben Geschichte wieder: „Der Doberaner Rennverein schickte meinen Vater und Paul Uplegger im August 1936 zu den Olympischen Spielen nach Berlin. Mit Kutsche, Pferden und Verpflegung stiegen sie in Neubukow in die Bahn ein.“ Drei Tage dauerte die Reise, 14 Tage blieben sie in Berlin. „Leider existiert davon kein Bild mehr“, bedauert Günter Gabe.

Seine Frau verstarb vor acht Jahren. Immer noch wird er traurig, wenn er daran denkt – denn sie waren 50 Jahre verheiratet, haben zwei Kinder, vier Enkel und drei Urenkel. Günter Garbe schätzt die Kirche des Ortes und ist Kirchgänger: „Sie bildet den dörflichen und wichtigen Mittelpunkt“, sagt er. „Ich wurde in unserer Kirche getauft, erhielt dort meine Konfirmation, heiratete darin und möchte an ihr auch begraben werden.“

Sabine Hügelland

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