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Bad Doberan Ministerin Drese: Größerer Fokus auf das Ehrenamt
Mecklenburg Bad Doberan Ministerin Drese: Größerer Fokus auf das Ehrenamt
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16:09 29.10.2019
Will das Ehrenamt künftig noch stärker würdigen: Sozialministerin Stefanie Drese (SPD). Quelle: Ministerium
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Bad Doberan

Obwohl Mecklenburg-Vorpommern beim ehrenamtlichen Engagement bereits einen Spitzenplatz einnimmt, will Sozialministerin Stefanie Drese (SPD) künftig noch mehr Menschen fürs Ehrenamt begeistern und die freiwilligen Helfer öffentlichkeitswirksamer würdigen.

Was bedeutet Ehrenamt für Sie?

Stefanie Drese (SPD): Ich bin aufgrund meiner politischen Funktion auch für das Ehrenamt in unserem Bundesland zuständig. In Mecklenburg-Vorpommern spielt das freiwillige Engagement eine große Rolle. Untersuchungen belegen, dass sich die Quote von bürgerschaftlich engagierten Menschen hier von 28  Prozent Ende der 1990er-Jahre auf 42 Prozent im Jahr 2014 erhöht hat. Sie kümmern sich um ihr Dorf und um ihre Mitmenschen, ohne persönlich in den Mittelpunkt zu rücken. Diese Leute sind oft auch ohne Vereinszugehörigkeit „die gute Seele“ des Ortes und haben viel zu geben. Das sowie alles, was unsere Gesellschaft und eine Gemeinde zusammenhält, sind Beispiele für Engagement.

Wie kann man Personen in ländlicher Umgebung verstärkt in ehrenamtliche Tätigkeiten einbinden?

Wir haben in Verbindung mit der Ehrenamtsstiftung bereits in Hanstorf und Groß-Bölkow die Bevölkerung zu Veranstaltungen eingeladen. Fragen zur Absicherung, Vereinsgründung oder Gemeinnützigkeit wurden durch Experten beantwortet – etwa 80 Personen haben daran teilgenommen. Einige von ihnen waren bereits ehrenamtlich engagiert, andere wollten sich informieren. Das zeigt, dass man eine Informationsplattform für die sich bereits Engagierenden, aber auch für die noch Zögernden benötigt. Je nach Interessenlage der Anwesenden kann das zu referierende Thema entschieden werden. Die Stiftung für Ehrenamt und bürgerschaftliches Engagement oder ähnliche Netzwerke stellen Referenten gern zur Verfügung. Das ist ein Weg.

Wie sieht die Zukunft für Ehrenämter aus, auch in Bezug auf die Jugend?

Man sprach zunächst vom „alten Ehrenamt“, das bedeutet, Ehrenämter werden in der Regel innerhalb der Generationen weitergeführt. Man übernimmt nicht nur eine Aufgabe, sondern kümmert sich um alles, was zum Erhalt etwa eines Vereins notwendig ist.

Beim „neuen Ehrenamt“ suchen sich die Personen nach eigenen Interessen ein Thema, das ihnen Freude macht und sie motiviert. Sie machen die Auswahl der Vereins- oder der Organisationsform davon abhängig, ob es in ihr Leben passt. Wir sollten darauf achten, dass die im Ehrenamt vorhandenen Strukturen mit diesem „neuen Denken“ harmonieren. Ich möchte gar nicht von „altem und neuem“ Ehrenamt sprechen. Es gibt immer Personen, die sich einem Verein zugehörig fühlen, weil sie dort sozialisiert sind. Ich glaube jedoch auch, dass man zukünftig intensiver eruiert, was einem Spaß macht und wo man sich in der Freizeit engagiert. Das ist die Entwicklung, die wir nicht aus den Augen verlieren sollten.

Wie unterstützt die Politik?

Ich bin sehr stolz, dass das Ehrenamt in Mecklenburg-Vorpommern einen hohen Stellenwert hat. Wir sind innerhalb Ostdeutschlands die Region, in der sich junge Leute am meisten engagieren. Politik kann nur einen Rahmen geben. Wir benötigen hauptamtliche Ansprechpartner, wie die seit einigen Jahren bestehende Stiftung für Ehrenamt und bürgerschaftliches Engagement, die etwa bei Fortbildungen unterstützen. Ferner sind die jährlich stattfindenden Ehrenamtsmessen im Land wichtig, da sich dort oft Netzwerke und Synergien bilden, die beim Erfahrungsaustausch unterstützen.

Die Frage ist, wie wir als Gesellschaft die Ausübung eines Ehrenamtes mehr anerkennen können. „Danke“ sagen ist unerlässlich. Es ist nicht selbstverständlich, seine Lebenszeit für andere aufzuopfern. Es gibt bereits das Ehrenamtsdiplom und den Tag des Ehrenamtes in Schwerin.

Welche Möglichkeiten gibt es noch?

Wir führen nun 2020 die landesweite Ehrenamtskarte ein – das heißt, verschiedene Unternehmen der Region, Einrichtungen des Landes und des Landkreises fungieren als „Dankeschöngeber“. Beispiele dafür sind: jährlich ein kostenloses Abendessen bei einem beteiligten Gastwirt oder ein vergünstigter Eintritt ins Theater.

Die Ehrenamtskarte soll sich also zu einer „Dankeschön-Rabattkarte“ entwickeln. Zur Überreichung ­sollte ein feierlicher Rahmen gewählt werden, um den Ehrenamtlern „ein Gesicht zu geben“ und auch deren Familien Danke zu sagen. Ich glaube, das alles ist Aufgabe der Politik.

Serie Ehrenamt

In einer Serie geht die Lokalredaktion Bad Doberan dem Ehrenamt im Landkreis Rostock nach. Wo bekommen Ehrenamtler Unterstützung für ihre Arbeit, was können sie an finanzieller Hilfe beantragen, wer engagiert sich wo im Landkreis Rostock ehrenamtlich und warum? Wie gründet man einen Verein oder löst ihn auf? Wer profitiert vom Ehrenamt? Die nächste Folge erscheint am 13. November.

Von Anke Kisters

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