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Bad Doberan Mit Kanonenschüssen und Musik: Doberan erhielt vor 140 Jahren Stadtrecht
Mecklenburg Bad Doberan Mit Kanonenschüssen und Musik: Doberan erhielt vor 140 Jahren Stadtrecht
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12:32 02.07.2019
Andrea Gläwe, Leiterin des Stadtarchivs, zeigt die Stadtkarte aus dem Jahr 1935. Die Karte wurde 1853 bis 1855 angelegt und über die Jahre mit Nachträgen ergänzt.
Andrea Gläwe, Leiterin des Stadtarchivs, zeigt die Stadtkarte aus dem Jahr 1935. Die Karte wurde 1853 bis 1855 angelegt und über die Jahre mit Nachträgen ergänzt. Quelle: Anja Levien
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Bad Doberan

Hinter der Nummer A 500 versteckt sich der Anfang der Stadt Bad Doberan. In der Akte, die sich im Stadtarchiv befindet, liegt die Dotationsurkunde vom 24. Juni 1879, 19 Seiten stark. In der Schrift ist festgehalten, wie das Stadtgebiet aufgeteilt ist, wie das Stadtwappen aussieht. Am 1. Juli 1879 erhielt Doberan Stadtrecht.

140 Jahre ist der Festakt her, bei dem aus dem Flecken eine Stadt wurde. An diesen erinnert Friedrich Ruth in einer Jubiläumsschrift anlässlich des 25-jährigen Stadtjubiläums 1904. „Hier steht drin, wie sich die Stadt auf die Stadtgründung vorbereitet hat“, erzählt Andrea Gläwe, Leiterin des Stadtarchivs. „Es wird von der Stadteinweihung selbst berichtet, wie das Wetter war, wer kam, wie die Leute angezogen waren. Das habe ich so noch nicht gelesen gehabt.“

Großherzog veranlasste Erhebung zur Stadt

Demnach lebten 1879 etwa 4000 Einwohner im Flecken Doberan, der im „Verbande des Großherzoglichen Amts Doberan war.“ 1871 kam die Frage auf, ob Doberan künftig als Gemeinde gelten sollte, dem Amt untergeordnet, oder Stadtrecht erhalte. „Großherzog Friedrich Franz II., der von jeher besonderes Interesse für Doberan hegte, wünschte Bewidmung Doberans mit Stadtrecht“, schreibt Friedrich Ruth, Archivregistrator zu Schwerin. Und so wurde in dem Ministerium über Finanzen gesprochen, Ausgaben und Einnahmen aufgelistet, eine Kommission gegründet. Diese befasste sich unter anderem auch mit territorialen Fragen.

„Die Frage, ob der Heilige Damm mit der Stadt zu vereinigen sein würde, verneinte die Kommission. Ebenso war sie gegen den Übergang des Stahlbades an die Stadt. Die Überweisung des Domanial-Arbeitshauses sowie des Kamps befürwortete sie, auch den Durch- und Umbau des Salongebäudes zum städtischen Rathaus.“

Wie Ruth weiter berichtet, stellte sich aber heraus, dass das Gebäude für Rathaus und Bürgermeisterwohnung zu groß sei. Da das Gerichtswesen neu organisiert wurde, wurde hier ebenfalls das Amtsgericht untergebracht.

Rathäuser der Stadt

Erstes Rathaus war das „Salongebäude“ in der August-Bebel-Straße 3. 1952 wurde das Gebäude Sitz des Rates und der Rat der Stadt wich in das nahe gelegene Hotel „Kurhaus“ aus. Drei Jahre später zog der Rat der Stadt in das Gebäude Am Markt 5.

1998 zog die Stadtverwaltung in die Mollistraße, in das ehemalige Gebäude der Sparkasse.

Nach der Sanierung des ehemaligen Lindenhofes in der Severinstraße zum Verwaltungsgebäude ist dieses seit 2005 Rathaus der Stadt.

Eigentümerregister, Ordnungen und Regulative verfasst

Mit Erhebung Doberans zur Stadt wurde auch eine Stadtkarte sowie ein Eigentümerregister erstellt, das heute noch vorliegt. Zahlen auf der Karte finden sich im Register wieder. So lässt sich herausfinden, dass das Flurstück 612 in Nähe des Münsters zur Kämmerei gehört, die 613 daneben aber der Landesverwaltung, also dem Großherzog.

Zeitgleich mit der Verleihung des Stadtrechts wurden auch Ordnungen und Regulative erlassen wie die Schulordnung, die Armenordnung oder das Weideregulativ, weiß Andrea Gläwe zu berichten.

Das Stadtwappen von Bad Doberan. Quelle: Stadtarchiv Bad Doberan. Quelle: Anja Levien

Was ebenfalls zur Erhebung dazugehörte, war das Stadtwappen. Dieses hat Carl Teske entworfen. „Endlich verleihen wir der Stadt Doberan als Stadtwappen einen geteilten Schild, der in seinem oberen goldenen Felde einen springenden roten Hirsch, in seinem unteren blauen Felde einen silbernen Schwan zeigt, und – zur Erinnerung an das früher bestandene Kloster Doberan, von welchem die Stadt Doberan ihren Ausgang genommen, und dessen Äbte, welche Jahrhunderte lang in Doberan gewaltet und sich um die Ausbreitung christlicher Kultur hohe Verdienste erworben haben – längst der Teilungslinie mit einem silbernen Abstabe belegt ist“, steht in der Dotationsurkunde geschrieben.

Am Vorabend der Stadteinweihung reiste der Großherzog Friedrich Franz II. in Doberan an. Wie Ruth berichtet, gab es einen Fackelzug vom Neuen Markt zum Palais „unter Teilnahme von etwa 600 Personen mit Fackeln und Lampions und unter Vorantritt der Musik.“

Ablauf des Festtages

Am Festtag selbst, so schreibt der Archivregistrator, ertönten in der Morgenfrühe die „feierlichen Töne des Liedes ,Lobe den Herrn, den mächtigen König der Ehren‘“, besichtigte der Großherzog das Rathaus. „Vormittags um 9 Uhr fand im Rathause durch den dazu vom Großherzoglichen Ministerium des Innen beauftragten Ministerialrats Schmidt die Einsetzung und Vereidigung des Magistrats und seiner Beamten statt.“ Daraufhin ging es in das Großherzogliche Palais, wo die Dotationsurkunden in Anwesenheit unter anderem der Bürgerschaft, der Schulen, des Amtes und der Geistlichkeit mit Ansprachen an Bürgermeister Schmidt überreicht wurde.

Die Dotationsurkunde der Stadt Doberan Quelle: Anja Levien

„101 Kanonenschüsse verkündeten der neuen Stadt das bedeutungsvolle Ereignis.“

Die Bürgermeister

Wilhelm Schmidt war der erste Bürgermeister von Doberan. Er war bis 1895 im Amt und wurde dann abgelöst.

1985 bis 1913 Carl Reeps1914 bis 1919 von Bülow1919 bis 1931 Wilhelm Stüdemann1931 bis 1935 Ernst Barten1935 bis 1940 Karl Heinz Albrecht

1940 bis 1945 Dr. Reinicke1045 bis 1950 Joachim Butz1950 Mai bis Dezember Walter Nörgaardab Dezember 1950 bis 1954 Karl Jehring1954 bis 1957 Josef Federl1957 bis 1965 Friedrich Techen1965 bis 1969 Fritz Fabian1969 bis 1979 Georg Golombek1979 bis 1984 Arno Schranck1984 bis 1990 Jürgen Jednoralski

1990 bis 1996 Berno Grzech

Von 1996 bis 1998 gab es mehrere amtierende Bürgermeister und Beauftragte des Landrates, darunter Gerlinde Heimann, Gehart Kukla, Birgit Mersjann und Michael Zöllkau

1998 bis 2012 Hartmut Polzin2012 bis 2019 Thorsten Semrauseit März 2019 Jochen Arenz

Anja Levien