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Bad Doberan Heiße Molli-Gleise: Reparaturen sind gefährlich für Arbeiter
Mecklenburg Bad Doberan Heiße Molli-Gleise: Reparaturen sind gefährlich für Arbeiter
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15:08 26.06.2019
Gleisarbeiter schneiden Dehnungsfugen in die Gleise der Mecklenburgischen Bäderbahn „Molli“ bei Heiligendamm. Die Stahlstränge hatten sich in der Hitze verzogen. Quelle: Andreas Meyer
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Heiligendamm

Alle Räder stehen still, wenn das krumme Gleis es will. Das galt am Mittwoch für den Molli. Kurz hinter Heiligendamm hatten sich die Schienen bei hochsommerlichen Temperaturen auf einer Länge von 300 Metern verzogen. Bis 11.51 Uhr ging nichts mehr.

Bögen im Gleis

Bereits am späten Dienstagnachmittag hatte das Zugpersonal den Schaden bemerkt. „Da waren richtige Bögen im Gleis“, sagt Michael Mißlitz, Geschäftsführer der Mecklenburgischen Bäderbahn. Das deute darauf hin, dass die Differenz „im einstelligen Zentimeterbereich“ liege. Der Zug kam glücklicherweise schon vor der beschädigten Stelle zum Stehen. „Ansonsten hätte es passieren können, dass er sich aufschaukelt.“

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Der Streckenabschnitt zwischen Heiligendamm und Rennbahn sei noch am Abend vorsorglich gesperrt worden. „Wir können nur von Bahnhof zu Bahnhof sperren.“ Der Molli fuhr vorsichtig über die verzogene Stelle und blieb an der Haltestelle Rennbahn stehen. „Der Verkehr läuft fahrplanmäßig“, sagt Michael Mißlitz. Zwei Busse des kommunalen Unternehmens Rebus beförderten die Fahrgäste von dort aus zum Bahnhof Heiligendamm und wieder zurück. Noch am Dienstagabend um 21 Uhr war diese Notlösung vereinbart worden. „Die Zusammenarbeit verlief tadellos.“

Bildergalerie: Hitze stoppt Bäderbahn

Weil sich die Gleise verzogen hatten, musste die Schmalspurbahn am Mittwoch zwischen Bad Doberan und Heiligendamm stehen bleiben.

Ersatzverkehr mit Bussen

„In jedem Bus haben wir 120 Steh- und Sitzplätze“, sagt der Molli-Geschäftsführer. „Am Vormittag reicht das noch aus.“ Am Nachmittag seien aber wesentlich mehr Fahrgäste an Bord. „Und in einer Woche haben wir pro Zug bis zu 600 Passagiere. Da hätten wir sogar fünf bis sechs Busse einsetzen müssen.

Am Mittwochmorgen hatte eine Spezialfirma nahe dem zweiten Fußgängerüberweg hinter Heiligendamm versucht, die Spannung aus dem Gleis zu nehmen. Die Arbeiter schnitten mit einer Flex eine Dehnungsfuge aus dem Stahl heraus. Dadurch soll die Schiene die Möglichkeit haben, den Druck auszugleichen und ihren ursprünglichen Verlauf wieder einzunehmen.

Wie breit die Lücke sein muss, dafür gebe es eine Rahmenvorschrift. „Ob das genügt, werden wir sehen. Das ist dann Learning by Doing“, sagt Michael Mißlitz. Stück für Stück müsse man prüfen, welcher Abstand zwischen den beiden Enden nötig sei. Nachdem der Druck auf die Schienen ausgeglichen sein wird, müssen Arbeiter das Gleis noch mechanisch in die richtige Richtung schlagen. „Anschließend werden noch die technischen Parameter gemessen, um ganz sicherzugehen, dass die Gleise wieder perfekt verlaufen.“ Die beiden Enden der durchtrennten Schiene verbinden die Gleisbauer mit einem Schienenschloss. Und erst dann könne man die Strecke wieder freigeben.

Bei den Temperaturen war Eile geboten. Bereits am Morgen war es 26 Grad warm, bis zum Nachmittag sollte das Thermometer laut Wettervorhersage bis an die 40 Grad anzeigen. Ab dem Mittag würden sich dann durch die direkte Sonneneinstrahlung auch die Gleise stark erhitzen. „Das Auftrennen der Stahlstränge ist aber nur bis zu einer Schienentemperatur von 35 Grad ohne Gefahr für die Gleisbauarbeiter möglich“, teilte Michael Fengler, Sprecher des Landkreises Rostock, mit.

Hitze und Sonneneinstrahlung wirken zusammen

Dass sich die Schienen bewegen, ist in einem bestimmten Rahmen normal. „Um den Druck auszugleichen, sind mehrere Schienenschlösser planmäßig über die Strecke verteilt. Eines liegt nur wenige Meter hinter der Schadensstelle. „Eigentlich hätte das reichen sollen“, sagt der Molli-Geschäftsführer. An diesem Punkt nimmt der Molli ansonsten Fahrt auf: Er beschleunigt von vorgeschriebenen 20 Kilometern pro Stunde auf 40 km/h. Wichtig sei ein Druckausgleich auch bei starker Sonneneinstrahlung. Die sei auf der Strecke zwischen Heiligendamm und Rennbahn gegeben. „Hier wurden vor kurzem ein paar Bäume gefällt“, sagt Michael Mißlitz. Seitdem fehle kühlender Schatten.

Cora Meyer

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