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Bad Doberan Müllsammler unterwegs: Plastik, Glas und Unrat auf der Spur
Mecklenburg Bad Doberan Müllsammler unterwegs: Plastik, Glas und Unrat auf der Spur
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14:03 22.09.2019
Die Grünen-Ortsgruppe und der NABU haben aufgerufen, Müll am Strand von Kühlungsborn einzusammeln. Urlauber und Einheimische machten mit und griffen zu Säcken und Handschuhen. Quelle: Anja Levien
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Kühlungsborn

Martin Behrens steht im Gebüsch am Strand von Kühlungsborn und sammelt daraus Flaschen, Styropor und Papier. Er ist einer von Tausenden Menschen auf der ganzen Welt, die sich am Sonnabend am Coastal Cleanup Day beteiligt haben. In Kühlungsborn hatten die Ortsgruppe der Grünen und der Naturschutzbund (Nabu) Mittleres Mecklenburg aufgerufen, den Strand und das Naturschutzgebiet Riedensee vom Müll zu befreien.

Kerstin Rudolfs Blick wandert über Strandsand, Steine, Düne. Zigarettenkippen, Kronkorken, Flaschen sammelt die 57-Jährige innerhalb weniger Minuten ein. Alles verschwindet in einem blauen Sack. „Ich habe auch schon eine Strandmatte gefunden“, sagt sie. Sie sei Mitglied im NABU, aber bei so einer Aktion hätte sie noch nicht mitgemacht. Höchste Zeit. „Ich finde, die Natur sollte etwas zurückbekommen und wenn es eben Müll einsammeln ist.“ Jeder könne etwas für die Natur und das Klima tun, sagt die Wandlitzerin. „Konsequent zu Hause Müll trennen, mit Stoffbeutel einkaufen gehen“, nennt sie zwei Beispiele.

Funde werden dokumentiert

Vor allem in den Dünnen sammeln sich Papier- und Plastikreste, die der Wind dort hintreibt oder die Flut angespült hat. „Wir nutzen den Strand und ich sehe es als unsere Aufgabe an, ihn sauber zu machen“, sagt Thomas Oberwalder, Mitglied der Grünen-Ortsgruppe Kühlungsborn. Seit fünf Jahren sammeln sie Müll am Strand. Grill, Fahrrad, Schlauchboot – die Bandbreite der Fundsachen ist groß. „Wir dokumentieren die Funde und geben das in die USA weiter. Da werden die Daten weltweit zusammengefasst. Auf einer Landkarte sieht man dann, wo die Verschmutzung am stärksten ist.“

Friedemann Arndt, Mitglied der Grünen-Ortsgruppe Kühlungsborn, zeigt den Müll, den er nach einer Stunde am Strand eingesammelt hatte. Quelle: Anja Levien

Plastik kann nicht abgebaut werden

Zehn bis zwölf Müllsäcke haben die Sammler am Ende in der Regel gefüllt. Noch sind die Müllsäcke aus Plastik. „Das wollen wir aber ändern.“ Denn je weniger Plastik der Mensch nutze, desto besser. „Plastik kann in der Natur nicht abgebaut werden. Tiere verschlucken es und verhungern mit vollem Magen“, sagt Joachim Springer vom Nabu. Die Zersetzung einer Plastiktüte dauert 20 Jahre, die einer Plastikflasche 500 Jahre. Und dann sei das Plastik nicht komplett abgebaut, ist als Mikroplastik in der Welt. „Deshalb ist es wichtig, es jetzt einzusammeln“, sagt Joachim Springer.

Weil der Riedensee besonders schutzwürdig ist, haben sich die Müllsammler für den Standort entschieden. „Hier haben wir noch einen intakten Strandsee, der einzige an Mecklenburgs Küste“, erzählt Springer. Einst war er eine Bucht, bei Sturm schwappe die Ostsee noch in die alte Bucht rein. Hier haben sich Tiere und Pflanzen angesiedelt, eine seltene Käferart. In Europa ist der Riedensee als prioritärer Lebensraum geschützt.

Sammelaktion auf vier Kilometer

Kerstin Rudolf (l.) und Susanne Krumbiegel suchen den Strand im Naturschutzgebiet Riedensee nach Müll ab. Quelle: Anja Levien

Etwa vier Kilometer am Strand entlang sammeln die Naturschützer den Müll ein. Mit dabei auch Mandy Behrens und Familie. „Wenn ich selber am Strand bin, ärgert es mich, wenn Schmutz rumliegt“, sagt sie und sammelt zwei Glasflaschen auf.

Am Eingang des Naturschutzgebiets wird der erste Müllsack schon abgestellt. Der Bauhof Kühlungsborn holt alle später ab. Sabine Krumbiegel entdeckt einen verrosteten, metallischen Gegenstand im Sand. Munition? Friedemann Arndt kommt gucken, gibt Entwarnung, vermutet ein Stück eines Holzpfahls, der mit Metall ummantelt ist.

Nach über einer Stunde stellt Thomas Oberwalder fest: Es ist weniger Müll als im vergangenen Jahr. „Das heißt aber nichts, die Müllverschmutzung in den Meeren nimmt zu.“

100 Glasflaschen in Bad Doberan gesammelt

In Bad Doberan hatte die Ortsgruppe des BUND zur Müllsammelaktion aufgerufen. Sie waren unter anderem auf dem Kamp unterwegs. Quelle: privat

Auch in Bad Doberan wurde am Sonnabendvormittag Müll gesammelt. Dazu hatte der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Ortsgruppe Bad Doberan, aufgerufen. „Es waren viele Jugendliche mit dabei, das fand ich toll“, sagt Carsten Großmann vom BUND. Am Schmarlteich, auf dem Kamp, am Drümpel und Bahnhof waren die etwa 40 Sammler unterwegs. „Auffällig war, dass wir sehr viele Glasflaschen eingesammelt haben, auch kaputte“, sagt er. Etwa 100 Stück wären es gewesen.

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Von Anja Levien

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