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Bad Doberan So schön ist das Schutzgebiet Riedensee
Mecklenburg Bad Doberan So schön ist das Schutzgebiet Riedensee
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06:00 27.07.2019
Annett Maaß (v.l.), Bernd Schäning, Ilja, Helge und Uwe Maaß und Elke Dünnhoff hören interessiert zu, was Rebecca Kain (Mitte) über den Riedensee zu erzählen weiß. Quelle: Cora Meyer
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Kägsdorf

Rebecca Kain hat einen Schatz gefunden: Das Naturschutzgebiet Riedensee bei Kühlungsborn, in dem sie seit Anfang des Jahres als Rangerin arbeitet. „Es ist eine Perle“, sagt die Biologin. „Und außerdem ist hier alles voller Edelsteine.“ Sie lässt eine Handvoll Sand durch die Finger gleiten. Da seien nicht nur Gestein und Muschelkalk drin, sondern auch winzig kleine Bernstein-Körnchen. Was sonst noch zwischen Ostsee und Riedensee zu finden ist, zeigt sie Touristen und Einheimischen auf einer Führung. Und die dürfen auch mal selbst anfassen: Krebsschalen, Muscheln und Strandhafer. Fasziniert streichen Ilja und Helge Maaß aus Magdeburg darüber. Die beiden Jungen und ihre Eltern haben sich mit Rebecca Kain auf den Weg gemacht, um die Natur zu erkunden. „Für die Kinder ist es ganz toll, zu sehen, was es hier alles gibt“, sagt Vater Uwe. Die Familie macht regelmäßig in Kägsdorf Urlaub und hat auch schon eine Führung durch das Schutzgebiet Riedensee mitgemacht. „Aber die Informationen, die man hier bekommt, sind unbezahlbar.“

Der Riedensee nahe Kägsdorf bei Kühlungsborn ist ein Strandsee. Der Name stammt von dem Wort „Ried“, was so viel heißt wie „Reet“ oder „Rohr“, das hier wächst.

Den Menschen im Blick

Rebecca Kain ist immer ansprechbar, wenn sie in dem Gebiet unterwegs ist. „Das ist am Schönsten an meinem Job: das persönliche Gespräch“, sagt sie. „Und natürlich, dass man am Strand ist.“ Führungen sind nur ein Teil ihrer Arbeit. Sie beobachtet viel. Nicht nur die Tiere, die unterwegs sind, sondern auch die Menschen. In einem Protokoll hält sie nach der Führung unter anderem fest, wie viele unangeleinte Hunde sie gesehen hat, wie viel Müll sie am Strand fand und ob ein Paddler zu nah an die Küste gefahren ist. „Für die Leute ist es nicht immer ganz leicht, das Schutzgebiet als solches zu erkennen“, sagt die Rostockerin. Deshalb sei es auch ihre Aufgabe, zu sehen, wo weitere Hinweisschilder sinnvoll sind, „ohne hier alles zuzupflastern.“

Sie hat auch beobachtet, dass immer wieder Passanten durch die Dünen laufen. „Der Strandhafer hält den Sand fest“, sagt sie auf der Führung. „Wenn er abbricht, stirbt er ab.“ Dann würde die Düne abgetragen. Um das zu verhindern, wurden die Zäune, die die Dünen schützen sollen, versetzt. „Wenn ich jemanden sehe, der darübersteigt, spreche ich ihn höflich an“, sagt Rebecca Kain. „Da bin ich so ein bisschen ein Kontrolletti.“ Das ist der Teil ihrer Aufgabe, den sie weniger mag. Aber leider passiere so etwas immer wieder. Immer wieder findet sie auch Müll am Strand. Auch auf der Führung bückt sie sich immer wieder und steckt Abfall in eine blaue Leinentasche. Und auch darüber führt sie Buch, damit die Behörden entsprechend handeln können.

Einheimische haben Projekt initiiert

Das Projekt „Aktiv für den Riedensee“ ist aus einer Initiative von Einheimischen hervorgegangen, die das Gebiet schützen wollten. „Dazu haben sie den Nabu um Unterstützung gebeten.“ Der hat bei der EU-Fördermittel beantragt und bekommen. Das Projekt läuft vorerst bis zum Ende des kommenden Jahres. „Es ist schade, dass für so etwas offenbar kein Geld da ist“, sagt Elke Dünnhoff aus Heidelberg. Sie hat das Naturschutzgebiet mit ihrem Freund schon auf eigene Faust erkundet. Und ist dabei auch auf die Reste einer Betonstraße gestoßen. Die stamme noch aus Zeiten der NVA, sagt Rebecca Kain. Seit 1953 hat das Gebiet gut 50 Meter Küstenlinie verloren. „Damals sah es hier noch ganz anders aus“, sagt Bernd Schäning. Der Kägsdorfer macht die Führung zu ersten Mal mit. „Hinweise von Einheimischen sind sehr wichtig für mich“, sagt Rebbecca Kain, „ich sauge die Informationen auf wie ein Schwamm.“

Pflanzen und Tiere in Europa selten

Zwanzig Stunden in der Woche ist sie im Naturschutzgebiet unterwegs, auch am Wochenende und bei jedem Wetter. „Ich kontrolliere stichprobenartig.“ Der Riedensee ist ein einzigartiger Lebensraum. In den Algen am Strand versteckt sich beispielsweise die Tangfliege, die europaweit bereits sehr selten sei. Und auch der Riedensee an sich sei besonders schützenswert. „Er ist ein Strandsee, in den ab und zu Salzwasser fließt.“

Ursprünglich ist Rebecca Kain Evolutionsbiologin, beschäftigt sich mit Artenvielfalt. Sie kennt sich aber auch mit vielem anderen aus. Der Gesang der Goldammer zum Beispiel höre sich an wie „Piep, piep, piep, ich hab dich lieb“, erklärt Rebecca Kain.

Der Riedensee sei ein Ort, mit dem sie sich besonders verbunden fühle. „Ich brenne für meine Aufgabe und dieses Schutzgebiet.“

Cora Meyer

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