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Bad Doberan Neu Hohenfelde: Idyllisches Landleben hinter der Buchsbaumhecke
Mecklenburg Bad Doberan Neu Hohenfelde: Idyllisches Landleben hinter der Buchsbaumhecke
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08:00 22.02.2019
Gerda und Peter Scharen sitzen gern in ihrem gemütlichen Wintergarten. Quelle: Wilma Welzel
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Neu Hohenfelde.

Unweit von Bad Doberan, inmitten einer idyllischen Landschaft, liegt Neu Hohenfelde, ein kleiner Ortsteil von Hohenfelde. Eigentlich hat dieser Ort bis heute nichts Besonderes, keine Dorfkirche, keinen Dorfplatz – nur wenige ehemalige, heute schmuck ausgebaute Büdnereien, die sich auf einer Seite wie Perlen auf einer Schnur aneinanderreihen.

„Ja, und nichts ist dazu gekommen“, erklärt Peter Scharen (81). „Trotzdem ist dieser kleine Ort für uns lebenswert. Umgeben von Natur, so viel Freiheit, und über sanft hüglige Felder schauen wir bis Fulgenkoppel.“ Zustimmend nickt Ehefrau Gerda Scharen (81) und erzählt: „Seit 1989 leben wir hier. Aber schon seit Anfang der 1970er Jahre sind wir regelmäßig im Ort. Denn in der ehemaligen Büdnerei Nr. 8, die nach 1815 erbaut wurde, lebte meine Tante Erna Schuldt nach dem Tode ihres Ehemannes mit meiner Mutter Martha Keller zusammen.“

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Die beiden Frauen brauchten Unterstützung auf dem großen Anwesen, denn die Ehe der Tante war kinderlos geblieben.“ Ob Hilfe bei der Gartenarbeit, Fahrdienste in die Stadt zu Frisör, Arzt oder zum Einkauf, die Eheleute waren für die beiden Frauen da. „Ja, Mutti und die Tante warteten aber nicht nur auf uns, sondern packten zu, waren fleißig und warmherzig. Ich denke oft an sie, schaue mir alte Fotos an, viel habe ich von ihnen gelernt“, sagt lächelnd Gerda Scharen, die mit ihrer Familie 1948 als Flüchtlingskind in Ivendorf ankam und hier aufwuchs.

„Ja, es waren schwere Zeiten, aber als Kinder merkten wir das nicht. Wir hatten eine schöne Kindheit auf dem Dorf. Und die Schlachtefeste im Spätherbst waren immer etwas Besonderes. Wenn der Schlachter mit der Schweinsblase wedelte, dann aber liefen wir Kinder…“, erinnert sich die Seniorin. „Damals hielten die Familien immer zusammen, so sind wir groß geworden, also haben wir gern geholfen. Und wir wuchsen hier Jahr für Jahr in alles hinein, alles wurde für uns beide immer vertrauter.“

So wurde ein Leben auf dem Land in Neu Hohenfelde für die damaligen Doberaner vorstellbar. „Hier war so viel Platz, hier konnten wir etwas für uns schaffen“, erklärt Peter Scharen. „In Bad Doberan lebten wir im Haus meiner Eltern, die dort bis 1952 ein Speditionsgeschäft führten. Deshalb verfestigte sich auch bei mir der Gedanke, hier zu leben.“ Peter Scharen erzählt: „Nur durch einen tiefen, ausgefahrenen Landweg kamen wir in den kleinen Ort, bei Regen nur Modder, im Winter bei Schnee kein Durchkommen, nur mit Schlitten konnten wir die beiden Frauen versorgen.“

Nichts hielt die Eheleute davon ab, sich hier ihr Zuhause zu schaffen. „1974 haben wir das Dach ausgebaut, später alles Alte abgerissen, die Scheunen und Ställe zu Räumen umgebaut. Neben dem Wohnzimmer war der Schweinestall“, erzählt der rüstige Senior. „So hatten wir alle Platz und konnten bequem hier leben. Und besonders gern sitzen wir heute in unserem Wintergarten, fühlen uns mitten im Freien.“

Aus der ehemaligen Büdnerei hat sich das Ehepaar ein modernes, gemütliches Heim geschaffen. Auch der gepflegte Garten zeigt dessen fleißige Hand. „Wir wollen hier so lange leben, wie es möglich ist. Deshalb haben wir alles pflegeleicht gemacht, viel Rasenfläche, die mit dem Rasentrecker gemäht wird, und auch Gemüse bauen wir nicht mehr an“, meint Gerda Scharen. „Nur einen alten Apfelbaum haben wir stehen lassen. Und die alte Buchsbaumhecke vor dem Haus, die typisch für einen Bauerngarten ist, hegen und pflegen wir.“

Für Peter Scharen ist das Wirtschaften vor allem in Hof und Garten ein Hobby, das ihn jung und vital zu halten scheint. „Das ist meine Welt, draußen sein und mit meinen Händen schaffen“, so der ­81-Jährige. Und er hütet einen kleinen Schatz: Ein Familienalbum mit alten Fotos und Briefen seiner Vorfahren, in dem er immer wieder gern blättert. Ehefrau Gerda, die früher regelmäßig Tagebuch geschrieben hat und heute Sinnsprüche sammelt, arbeitet gern in der Küche, kocht Marmelade und backt Plätzchen, die sie oft an Familie und Freunde verschenkt.

Besonders glücklich ist das Ehepaar darüber, dass Enkel Sebastian seit zehn Jahren mit im Haus lebt und das Anwesen übernehmen wird. „So bleibt es in der Familie, und unsere Arbeit hat sich gelohnt“, meint Peter Scharen zufrieden. „Sebastian war schon als Kind immer in den Ferien hier. Er hat gern mit gearbeitet, Steine verlegt, Gewächse gepflanzt, war immer an Opas Seite, ein fleißiger Junge. So hat er viel fürs Leben mitgenommen. Und vor allem die Liebe zum Landleben. Die obere Etage hat er sich bereits ausgebaut. Und die Ideen gehen ihm nicht aus...“ Die Eheleute haben überhaupt viel Freude an ihren zwei Enkeln und mittlerweile zwei Urenkeln. Die Familie ist für sie das ­Wichtigste.

Auch Freunde aus früheren Zeiten treffen sie regelmäßig in einem Café in Bad Doberan. „Wir haben viel Freude am Leben, sind neugierig und soweit glücklicherweise noch gesund“, sagt der 81-Jährige. „Wir leben sehr bewusst und aktiv, haben fast immer etwas vor. Und wir genießen das Leben hier auf diesem schönen Fleckchen Erde, das für uns Heimat geworden ist.“

Wilma Welzel

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