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Neubukow Gutshaus ist nicht mehr zu retten
Mecklenburg Bad Doberan Neubukow Gutshaus ist nicht mehr zu retten
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08:06 12.01.2017
Blick auf einen Teil der Gutsanlage von Danneborth in der Gemeinde Carinerland. Quelle: Fotos: Thomas Hoppe
Danneborth

Der Hausschwamm „saugt“ den Danneborthern ihre in vergangenen Jahrhunderten erbauten Zeitzeugen weg.

Das Denkmal in Danneborth wird der Nachwelt als Plan erhalten – so, wie es gebaut worden war.

Die ursprünglich am Westgiebel der hiesigen Gutsanlage vorhandene Remise ist schon lange „ein Opfer der Zeit“ geworden, wie es die knapp zehn Jahre alte Dorfschautafel mitteilt. Mittlerweile soll aber auch ein zerstörerischer Pilz dem Denkmal Nr. 186 (laut Denkmalliste für den Bereich des Altkreises Bad Doberan vom 27.02.2014) mächtig an die Wände gehen.

„Das Haus ist absolut nicht zu halten“, sagt dazu der Chef von Gut Hohen Luckow, Joachim Walther, der auch dieses Danneborther Anwesen des Unternehmers Ludwig Merckle verwaltet.

Es würde bereits an der Erfüllung der letzten Auflagen für eine Abrissgenehmigung gearbeitet, wie er sagt. „Das heißt, das Gebäude wird aufgemessen – so, dass es der Nachwelt als Plan, wie es gebaut worden war, erhalten bleibt“, erklärt der Landwirt weiter und ergänzt, dass auch das Gutachten eines Holzschutzexperten zum Gutshaus vorliege. Da sei so viel Schwamm drin, heißt es. Und Joachim Walther geht davon aus, dass das Haus noch in diesem Jahr abgerissen wird.

„Wir erhalten das, was zu erhalten ist, und wenn es nicht zu erhalten ist, muss man auch mal in den sauren Apfel beißen“, sagt der Mann und hebt dann die Arbeit des

„Denkmalamtes“ hervor: „Das Amt spielt eine sehr gute Rolle. Es begleitet das und sagt nicht einfach , reißt ab’ , sondern es begutachtet und misst auf. Es ist eine sehr gute Zusammenarbeit. Ich muss ehrlich sagen, was das Denkmalamt für die Archivierung macht, das halte ich für total lobenswert. “

Der Ort Danneborth war nach Gemeindeangaben bereits 1459 erstmals urkundlich erwähnt worden. Als Gutsbesitzer von Danneborth und Stammvater des Adelsgeschlechts Boddien oder Boddin taucht Bernhard Gottfried Boddin (1694-1758) im Adels-Lexikon von Ernst Heinrich Kneschke auf. Und der königlich hannoversche „Generalmajor Johann Caspar von Boddien, auf Danneborth und Weisin,“ wurde demnach im Juni 1822 in die mecklenburgische Ritterschaft aufgenommen. Im Großherzogtum Mecklenburg-Schwerin führte das „Ritterschaftliche Amt Bukow“ im Jahr 1900 Danneborth dann als Allodialgut – als ein abgabenfreies Gut.

Anfang des 20. Jahrhunderts gehörte das Landgut bereits der Familie Schellhass, die in Bremen seit 1773 eine „Tabacks- und Zuckerfabrik“ betrieben haben soll. Der kinderlose Ernst Schellhass, der bis 1945 als letzter Schellhass mit seiner Frau auf Gut Danneborth lebte, habe seine Berliner Firma „Schelhass & Druckenmüller“(Brücken- und Eisenkonstruktionen) ein Jahr vor der Inflation an Krupp verkauft, wodurch sich sein Ertrag „weitgehend in Luft“ aufgelöst habe, wie Bernd W. Seiler in seinem Buch „Es begann in Lesmona“ schreibt.

Noch jetzt wohnt ein 1949 geborener Anwohner nahe des Gutshauses, dessen Bruder Ernst Schellhass persönlich kannte. Der Danneborther weiß, dass Frau Schellhass noch ein paar Jahre nach dem Tod ihres Mannes 1945 und ihrer Enteignung an der Ziegelei des Dorfes wohnte. Der 67-Jährige, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, erzählt zudem, das nachdem die Russen die Schellhassens „rausgejagt“ hätten, Flüchtlinge aus Pommern und Ostpreußen im Gutshaus untergekommen wären.

„Dann ist hier eine ganze Zeit niemand gewesen, bis das DRK Rollstühle unterbrachte. Für eine Million DDR-Mark hat unser Direktor Schröder später den Komplex sanieren lassen, um hier im Sommer jeweils drei Durchgänge eines ,Lagers für Arbeit und Erholung’ stattfinden zu lassen – für Polen und Thüringer“, erinnert sich der ehemalige Werkstattmitarbeiter des Volkseigenen Gutes Westenbrügge/Karin. Später sei hier noch eine Kneipe Pleite gegangen.

Thomas Hoppe