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Bad Doberan Neubukower Fluchtstory im TV
Mecklenburg Bad Doberan Neubukower Fluchtstory im TV
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10:04 23.11.2019
Wiedersehen nach mehr als 31 Jahren: Wolfgang Jörn (r.) und Security-Mann Harry Morgan aus Gander in Kanada. Quelle: privat
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Gander/ Neubukow

Der gebürtige Mecklenburger Wolfgang Jörn sendet quasi Grüße aus einem kanadischen Fernsehfunkloch: „Jedes Mal, wenn ich an Sat drei rangehe, sagt es mir ,error messages’ und es werde nur in Deutschland, Österreich und der Schweiz gesendet. Deshalb habe ich schon einen Freund in der Schweiz gebeten, das für mich zu tapen.“

Der Wahlkanadier Wolfgang Jörn spricht zu Wochenbeginn am OZ-Telefon über den nagelneuen 43-Minuten-Dokumentarfilm „Ein Flughafen am Ende der Welt“, der sich mit der Geschichte des Gander International Airports auf Neufundland beschäftigt und dabei auch das Schicksal des einstigen Neubukowers streift. Der heute 74-Jährige war nämlich Anfang 1988 nach einem Kuba-Urlaub im Transitraum dieses Flughafens aus der DDR „ausgestiegen“ – wegen seines Drangs nach Reisefreiheit und Abenteuern, wie er später sagte.

Wolfgang Jörn befürchtete Betrugsmasche

Die OZ hatte im Vorjahr darüber groß berichtet und der Regisseur und Filmautor, Roland May, war im Internet darauf aufmerksam geworden. Die Story passte zu einem der Filmprojekte des Grimme-Preisträgers und schnell war der Kontakt hergestellt.

„Ich machte mit meiner Frau gerade eine Bootsfahrt auf einem See, da bekam ich einen Anruf aus Deutschland: ,Wir möchten Sie gern in einem Film haben’“, erinnert sich Wolfgang Jörn und unterstreicht, dass er zunächst annahm, dass es sich um einen Scam (engl. für Betrugsmasche) handele. Deshalb wollte er sofort wissen, wie der Anrufer auf ihn gekommen sei: „Und da war er ganz spontan und hat die OSTSEE-ZEITUNG erwähnt. Daraufhin vertraute ich ihm und er lud mich nach Gander auf Neufundland ein. Da hatte ich dann ganz tolle drei Tage!“

Die dreiköpfige TV-Crew aus Deutschland sei so was von freundlich und nett gewesen – „wie ich es eigentlich nur von den Neufundländern kenne“, sagt Wolfgang Jörn weiter und ergänzt, dass dort ja außerordentlich freundliche Menschen leben würden. Und er führt dafür gleich zwei Beispiele an: Ein fremder Jeep-Fahrer, der ihn spontan rund drei Kilometer zum Hotel kutschierte sowie den Tower-Manager vom Airport Gander, der ihm unbekannterweise den Fußweg zum Flughafen mit eigenem Auto um zwei Kilometer verkürzte.

Das sei schon unwahrscheinlich gewesen, aber dass dann zum Dreh auch noch der Security-Mann auftauchte, der den damaligen DDR-Bürger Jörn bei dessen Flucht im Transitraum von Gander in Empfang nahm, sei unglaublich gewesen: „Mir gingen die Gänsehäute, oder wie sagt man?“

Sicher bekommt auch mancher Zuschauer Gänsehaut, wenn er die entsprechenden Filmszenen mit Harry Morgan dazu sieht – noch bis zum 17. Dezember soll die Doku in der Mediathek von 3sat abrufbar sein.

Pro Woche liefen 20 oder 30 Leute über

Darin heißt es etwa in der Mitte des Streifens, dass „Flüge aus dem Ostblock nach Havanna“ zu einer einmaligen Chance für jene wurden, die in den Westen fliehen wollten, weil es jedes Mal in Gander einen Zwischenstopp zum Auftanken gegeben hätte. Pro Woche seien rund 20 oder 30 Leute übergelaufen, „Ärzte, Anwälte und eines Abends ein kubanischer Pilot“, berichtet der Chef der Historical Society von Gander, Dean Cul. Auch in der DDR hätte es sich heimlich herumgesprochen, dass es auf Neufundland ein Schlupfloch in den Westen gebe.

Er hätte jedoch keine Erfahrungen gehabt, „ob hier jemals jemand erfolgreich abgestiegen ist“, sagt im Film Wolfgang Jörn. Er hätte „einfach aus dem Stegreif improvisiert“. Seine damalige Freundin sei zu einem Uniformierten gegangen und hätte nur „Save me!“ (Rette mich!) gesagt. „In dem Moment war mein Herz unten in der Kniekehle“, berichtet Jörn weiter.

Als er schließlich seine Reisetasche aus dem Transitraum holte, sei es „völlig, völlig ruhig gewesen“ in diesem großen Raum. Er habe seinen ganzen Mut „zusammengerafft“ und gesagt, dass für ihn hier jetzt die Fahrt zu Ende sei.

Es war die erste Dienstwoche von Harry Morgan als Wolfgang Jörn am 8. Januar 1988 flüchtete. Mehr als 31 Jahre später trafen sie sich wieder.

Von Thomas Hoppe

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