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Bad Doberan Blutspende unter Vierbeinern: Neubukower Hund rettet Hundefreundin Josie
Mecklenburg Bad Doberan Blutspende unter Vierbeinern: Neubukower Hund rettet Hundefreundin Josie
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18:00 04.10.2019
Hund Bootsmann von Ellen Giese (l.) wurde zum Blutspender für Hündin Josie von Lilly und Katharina Noll (r.). Quelle: Thomas Hoppe
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Neubukow

Josie sprintet durch den Garten in Neubukow, dem Ball hinterher. Bootsmann ist ihr auf den Fersen. Dass die beiden Hunde zusammen spielen, war vor einigen Wochen noch undenkbar gewesen. Die zwölf Jahre alte Josie war schwer erkrankt, sie brauchte dringend eine Blutspende. Doch selten werden in Tierarztpraxen Blutkonserven aufbewahrt. Zum Glück war mit Hundefreund Bootsmann schnell ein Spender gefunden.

Von Geburt an hat Katharina Noll die Hündin Josie. Ihre elf Jahre alte Tochter Lilly ist mit dem Labrador-Retriever aufgewachsen. Seit dem 1. August wohnen sie in der Keneser Straße in Neubukow mit steiler Treppe in die Wohnung. Da fingen die Probleme an. „Josie hat Schwierigkeiten gehabt, die Treppe hochzukommen, fing an zu pumpen wie ein Marienkäfer“, schildert Katharina Noll. Dann fing die Hündin an, aus dem Maul zu riechen. „Das kam vom Zahnfleisch.“ Die 38-Jährige packte ihren Hund ins Auto und fuhr zur Tierärztin Dr. Anja Schubert-Schoppmeyer nach Bad Doberan.

Tierärztin nimmt Blut ab

„Sie hat den Eiter abgetragen. Für den Hund haben wir eine Mundspülung bekommen. Sie hat auch Blut abgenommen“, erinnert sich Katharina Noll. Nach zwei Tagen sei das Ergebnis da gewesen. „Die Nierenwerte waren zu hoch, das ist nicht gut.“ Für einen Ultraschall sind Frauchen und Hündin dann in die Tierärztliche Gemeinschaftspraxis von Dipl. vet. met. Barbara Richter und Dr. med. vet. Tido Winkler nach Rostock gefahren. Da sei es Josie schon nicht mehr gut gegangen, sie habe Anfälle gehabt, spazieren gehen konnte sie längst nicht mehr. Die Kraft fehlte.

Dann die Nachricht: „Die Gebärmutter und die Eierstöcke waren entzündet. Sie mussten sofort operieren“, sagt Noll. „Das war schrecklich.“ Übers Wochenende blieb die Hündin bei den Ärzten. „Das war keine schöne Zeit. Da ist man kein Mensch mehr“, sagt die Neubukowerin.

Suche nach Blutspender

Damit war das Schlimmste noch nicht überstanden. Als Josie wieder zu Hause war, fiel der Besitzerin auf: „Der Hund wurde immer blasser, an der Schnauze, am Zahnfleisch.“ Zurück beim Tierarzt in Rostock wird klar: Josie braucht eine Bluttransfusion. „Ich wurde gefragt, ob ich jemanden kenne, der einen Hund hat, der Blut spenden könnte.“ Sie denkt an Ellen Giese und ihren Hund Bootsmann, die sie seit Jahren vom Gassi gehen kennt.

„Ich war gerade beim Spazierengehen mit Bootsmann, als der Anruf kam. Ich habe nicht lange überlegt und gefragt, wo ich hinkommen soll“, erzählt Ellen Giese. Der sechs Jahre alte Golden Retriever ist allergisch auf Pollen, nimmt den Sommer über Tabletten. Der Blutspende stand das nicht im Weg. Der Schnelltest hat ergeben: Bootsmann kann Blut spenden. „350 Milliliter wurden abgezapft. Das hat höchstens sieben Minuten gedauert.“

Nach Transfusion: Hund wie ausgewechselt

Die Transfusion dauerte dann länger. Zweieinhalb Stunde habe Josie am Tropf gelegen. „Als wir in die Praxis kamen, bellte sie. Das hatte sie sehr lange nicht mehr gemacht, weil ihr die Kraft fehlte. Sie war wie ausgewechselt“, sagt Katharina Noll.

Josie (l.) und Bootsmann verbringen gerne Zeit miteinander. Die Hunde und ihre Besitzerinnen kennen sich seit mehreren Jahren. Quelle: Anja Levien

„Von Tag zu Tag ging es ihr besser“, sagt Ellen Giese. Vor Freude habe Katharina Noll geschimpft, was Bootsmann im Blut habe, Josie fresse nur noch, erinnert sie sich und lacht. „Lilly hat gesagt, wir haben einen halben Bootsmann“, ergänzt Katharina Noll.

Ellen Giese würde jederzeit wieder helfen. „Die beiden hätten das für uns auch gemacht“, sagt sie. Mit ihrer Geschichte wollen die beiden Frauen auch sensibilisieren, für Blutspenden unter Hunden. „Ohne eine Blutspende wäre Josie gestorben“, sagt Ellen Giese.

Blutspender in Kartei registriert

Wie beim Menschen, könne auch bei Hunden nicht jeder für jeden Blut spenden. Mit einem Schnelltest können die Blutgruppen ermittelt werden, erläutert Tierärztin Barbara Richter. In Tierarztpraxen würde Blut für Operationen gebraucht oder beispielsweise nach einem Zeckenbiss. „In letzter Zeit haben zeckenübertragene Krankheiten zugenommen“, sagt sie. Dabei würden Blutkörper abgebaut, die Hunde entwickelten eine Anämie, also leiden unter Blutarmut. Dann sei eine Blutspende notwendig.

In den meisten Tierarztpraxen würden keine Blutkonserven gelagert werden, sagt Barbara Richter. Oftmals sei das auch räumlich bedingt. „Wir haben einen Eintrag in der Kartei der Hunde, wer Blut spenden möchte“, erzählt sie. Diese Besitzer würden dann angerufen, wenn Blut benötigt werde. Dafür müsse das Tier regelmäßig geimpft, gesund sein und ein bestimmtes Körpergewicht haben. Wer seinen Hund als Blutspender registrieren lassen möchte, könne sich in der Praxis melden.

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Von Anja Levien

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