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Bad Doberan Mit dem Großformat eine Nische gefunden
Mecklenburg Bad Doberan Mit dem Großformat eine Nische gefunden
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19:30 12.03.2019
Fotograf Egon Fischer ist sonst als Dokumentarist im Roten Pavillon aktiv. Anlässlich seines 85. Geburtstages zeigt der Kunstverein einen Querschnitt seines Schaffens. Quelle: Sabine Hügelland
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Bad Doberan

Schwarz-weiß-Bilder, zerklüftete Landschaften oder Menschen in der heimischen Badewanne – das alles vereint Egon Fischer in seinem Werk. Einige der Bilder des Fotografen, der sich vor allem durch seine Großformatfotografien einen Namen machte, werden jetzt im Roten Pavillon gezeigt. Anlass der Ausstellung „Sichweiten“ ist der 85. Geburtstag von Egon Fischer. Die Schau ist bis zum 22. April zu sehen.

Wer häufig Ausstellungseröffnungen im Roten Pavillon miterlebt, für den ist Egon Fischer fast wie ein alter Bekannter: Er ist ein stiller Gast mit wachsamen Augen und dem Blick für das Wesentliche. Ein paar seiner „Schnappschüsse“ wie er sagt, hängen ebenfalls in der neuen Exposition. „Ich unterstütze den Kunstverein, indem ich die Veranstaltungen dokumentiere“, sagt er bescheiden. Doch es sind mehr als nur flüchtige Aufnahmen. Egon Fischer fängt Stimmungen ein, auch bei Menschen. „Ich versuche, was ich erlebe, nacherlebbar zu machen.“

Stiller Poet der Darstellungen

Seit zehn Jahren benutzt er eine Digitalkamera, weil sie auf Reisen einfach praktischer ist. Doch eigentlich sind Groß- und Mittelformat-Kameras seine Arbeitsinstrumente. Damit deckte Egon Fischer in der DDR eine Nische ab und fotografierte für Betriebe, Presse und Kunst. Fischer ist ein stiller Poet der Darstellungen. „Ich bin kein Künstler, ich mache gutes Handwerk“, sagt er von sich. Dabei sind seine Aufnahmen mehr als gute Ablichtungen. Neben Architektur-Fotografie hat er über Jahrzehnte Kunst und Kultur in und um Rostock und Bad Doberan dokumentiert. Die Ausstellung zeigt Architektur-Aufnahmen neben Landschaften und Zeitzeugnissen der Region – ein Querschnitt seines Schaffens.

Besonderes Highlight: „Baden in der Wanne“

Ein Schwarz-Weiß-Foto, das es Dank seiner Mitgliedschaft in der Leistungsgruppe Nordfoto in eine Ausstellung bis nach Paris schaffte, gehört ebenfalls dazu: Egon Fischer lichtete seine Frau und die beiden Kinder in einer Badewanne ab. Fischer arbeitete unter anderem für den Verband Bildender Künstler und für Kirchen. Auftragsarbeiten sachlich richtig zu machen, das war sein Ziel. „Das Motiv muss mich emotional berühren“, sagt der Fotograf, „wenn ich rein technisch fotografiere, wird es kein gutes Bild.“

Dieses Bild von Egon Fischer – genannt „Baden in der Wanne“ – wurde sogar in Paris gezeigt. Quelle: Egon Fischer

Sein Leben war nicht einfach. Lange suchte Egon Fischer nach Wohnraum, schlief einige Zeit sogar auf dem Schreibtisch, weil er keine Wohnung hatte. Er machte aber eine Tugend aus seiner Not – dokumentierte, was er sah: Beim Blick aus dem Fenster seiner alten Rostocker Wohnung, die er im Baumhaus besetzte, konnte er die Abrissarbeiten direkt vor seiner Nase verfolgen. Mit einem Klick hielt er sie fest. Fischer lichtete auch die alte Dame aus dem Parterre ab, die auf dem Sessel einschlief. Weil er wissen wollte, woher der Name der Straße kam, in der er wohnte, fuhr der kurzerhand nach Wokrent. Es entstanden unter anderem Aufnahmen des alten Schlossen, das damals ziemlich marode wirkte.

Nach der Lehre diente er der Kunst

Fischer studierte an der Karl-Marx Universität in Leipzig Kunsterziehung und Geschichte. Fakultativ dann Reproduktion und Schulfotografie. Seine beruflichen Stationen führten ihn bis zum Oberreferenten, später Instrukteur für bildende Kunst und Denkmalpflege und Museen für drei Nordbezirke. Dann arbeitete er als Reprofotograf bei der Geodäsie und Kartographie in Rostock. Drei Jahre lang lernte er das Handwerk der Fotografie in Greifswald. „Die praktische Ausbildung brachte ich bei mir selbst bei“, sagt Fischer. „Ich legte keine übliche Karriere, die dem Staat diente hin, deshalb hatte ich es schwerer.“ Was ihn bewog, sich dennoch 1971 selbstständig zu machen: Er wollte die teuren Mittel- und Großformat-Kameras, die er für seine Ausbildung anschaffen musste, auch weiterhin nutzen. So begann Egon Fischer, „der Kunst zu dienen und für Künstler zu fotografieren, so wie sie sich selbst sehen und nicht wie ich es gerne hätte“.

In Stäbelow fand er vor mehr als 30 Jahren mit seiner neuen Frau, mit der er seit 35 Jahren verheiratet ist, ein schönes Zuhause. „Ich habe kein Archiv, und die Fotos stapel ich auf dem Dachboden. Nur einige Kirchenbilder vermachte ich der Kirche“, sagt Egon Fischer.

Öffnungszeiten Galerie Roter Pavillon: Mittwoch, Donnerstag und Sonnabend von 14 bis 17 Uhr, Freitag von 15 bis 18 Uhr, am Ostersonntag und -montag 14 bis 17 Uhr

Sabine Hügelland

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