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Bad Doberan Autoren lüften Geheimnisse des Bad Doberaner Münsters
Mecklenburg Bad Doberan

Neues Buch über Doberaner Münster bringt neue Erkenntnisse

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14:22 21.01.2020
Martin Heider ist Mitherausgeber und Coautor des Buches „Das Bad Doberaner Münster – Bau, Geschichte, Kontext“, das ab sofort im Münster erhältlich ist. Quelle: Anja Levien
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Bad Doberan

Im 13. Jahrhundert erbaut hat das Münster noch heute Geheimnisse, die keiner kennt. Doch einige haben Münster-Kustos Martin Heider und Architekt Dr. Christian Kayser jetzt aufgedeckt. In ihrem Buch „Das Bad Doberaner Münster – Bau, Geschichte, Kontext“ haben sie zusammen mit anderen Autoren die neuen Erkenntnisse aus Bauforschung Kunstgeschichte, Archäologie, Architektur und Statik zusammengeführt.

In den vergangenen Jahren wurden im Bad Doberaner Münster die Fundamente der Vorgängerkirche freigelegt, der Innenraum wurde vermessen und in 3D sichtbar gemacht, der Dachstuhl genauestens untersucht. Kustos Martin Heider hat zudem Akten aus den 16. bis 18. Jahrhundert, die im Landesarchiv Schwerin liegen, akribisch durchgearbeitet.

Das Buch

344 Seiten zählt das Band über die Baugeschichte des Doberaner Münsters und enthält 13 Aufsätze

360 historische und aktuelle Abbildungen finden sich in etwa in dem Buch „Das Bad Doberaner Münster. Bau - Geschichte - Kontext“.

Das Band geht unter anderem auf die bauliche Entwicklung des Kirchenbaus, die Stellung des Münsters in der Architektur- und Konstruktionsgeschichte, den Aufbau, die Transformation und Erhaltung des Münsters ein.

„Die dendrologischen Untersuchungen im Dachstuhl haben ergeben, dass das Münster im Rohbau früher fertig war als erwartet“, sagt Martin Heider. Dr. Tilo Schöfbeck erläutert das im Kapitel „Das Dachwerk über dem Mittelschiff des Doberaner Münsters – Ergebnisse der bauhistorischen Untersuchung“.

Vergleich mit anderen Backsteinbasiliken

Einen größeren Teil des Werks nimmt der Vergleich des Doberaner Münsters mit anderen Backsteinbasiliken in Norddeutschland ein, darunter der Dom in Lübeck und die Nikolaikirche in Stralsund. „Dr. Christian Kayser hat die Gebäude betrachtet – wann welches entstanden ist.“ Dabei habe der Architekt erfahren, „der Bau in Doberan war früher begonnen worden als in der der Marienkirche in Rostock oder der Schweriner Dom und wurde früher fertig als in Lübeck“, so Heider. Mit Skizzen und Fotos wird die Bauabfolge bildlich dargestellt.

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Weitere Erkenntnis: „Die romanische Kirche stand und drum herum wurde das Münster gemauert.“ Das sei schon immer vermutet worden, aber Spuren am Bauwerk, die Kayser gesucht und gefunden habe, liefern handfeste Beweise dafür. Beispielsweise weisen die Wartesteine am Bauwerk daraufhin. „Es gibt bisher kein Schriftstück, das den Aufbau des Münsters so detailliert beschreibt“, sagt Martin Heider. Zwar gebe es ein Buch von 1958 und einzelne Aufsätze zu dem Thema, aber nichts, was es mit Bildern und Zeichnungen so veranschaulicht darstelle.

Grabungen 2018 im Münster Bad Doberan. Archäologe Dr. Jörg Ansorge vom Landesamt für Kultur und Denkmalpflege von der Landesarchäologie entdeckt auch das Fundament der romanischen Kirche. Quelle: Anja Levien

Genauer eingegangen wird in dem Buch ebenso auf die Ausgrabungen, die 2018 im Münster stattfanden. Dr. Jörg Ansorge und Torsten Rütz schildern im Kapitel „Nur auf Sand gebaut?“ ihre archäologischen Beobachtungen im Untergrund des Münsters. „Untersuchungen im Fußbodenbereich ergaben neue Erkenntnisse über die romanische Vorgängerkirche“, sagt Martin Heider. „Sie war länger und breiter als bisher gedacht.“

Akten belegen: Kreuzgang wurde 1662 abgerissen

Was den Kreuzgang betrifft, von dem heute nur noch eine Mauer steht, konnten in dem Buch erstmals Befunde der Quellenforschung und der Bauforschung zusammengeführt werden. Dirk Schumann hatte sich 2008 bei der Sanierung der östlichen Kreuzgangwand mit deren Geschichte auseinandergesetzt. „Er hat die Gewölbeansätze ausgewertet und die Zugänge zu den einzelnen Räumen“, sagt Heider.

Reste vom Kreuzgang am Doberaner Münster Quelle: Anja Levien

Der Kustos selbst hat in Akten von 1662 geforscht. In einer Akte habe er gelesen, dass der Kreuzgang in einem desolaten Zustand gewesen sei und versucht wurde, ihn zu sichern. „Eine zweite Akte sagt dann, das Gebäude ist so schadhaft, dass Herzog Christian Ludwig 1662 den Befehl zum Abriss erteilt hat.“ Das Studium der Akten – Heider lernte autodidaktisch die geschätzten 15 verschiedenen Schriftgruppen des 16. bis 18. Jahrhunderts lesen und verstehen – habe viele Wissenslücken schließen können. „Nach der Auflösung des Klosters 1552 übernahmen die Herzöge das Kloster. Darüber gibt es viele Akten, die bisher nicht ausgewertet wurden. Das habe ich mir zur Aufgabe gemacht.“

So habe er erfahren, dass viele Gebäude nicht gleich 1552 abgerissen worden sind, sondern noch bis zum Dreißigjährigen Krieg standen und umgenutzt wurden. „Räume im Kreuzgang wurden als Speisekammer genutzt“, sagt Martin Heider. „1580 gab es eine umfassende Sanierung des Münsterbaus. Das wussten wir, aber welchen Umfang konnten wir jetzt erst durch die Akten erkennen.“

Alte Ruinen, sanierte Bauten: Das Klostergelände Bad Doberan

Das Zentrum der Anlage bildete das Münster. Zu den noch vorhandenen Bauten des ehemaligen Klosters gehören zudem der vordere Teil des Kornhauses, die Ruine des Wirtschaftsgebäudes sowie die Ruine der Wollscheune. Der Mönchsfriedhof mit dem frühgotischen Beinhaus aus der Zeit um 1250 befindet sich an der Nordseite.

Buch ist Werk ehrenamtlicher Arbeit

Die Arbeiten für das Buch haben die Autoren unentgeltlich und ehrenamtlich geleistet. Aufgrund der großzügigen finanziellen Unterstützung des Drucks dieses Bandes durch das Land Mecklenburg-Vorpommern und durch die Stiftung der Ostseesparkasse Rostock sei unter anderem der Preis von 29,90 Euro möglich. Vergleichbare Fachpublikationen würden mehr als 50 Euro kosten, so Heider.

Das Buch ist ab sofort im Münster Bad Doberan erhältlich. Die Erlöse kommen der Baukasse des Münsters zugute.

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Von Anja Levien

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