Notbremse in Rostock: So kam es zu den falsche Corona-Testergebnissen
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Bad Doberan Notbremse in Rostock: So kam es zu den falschen Corona-Testergebnissen
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Notbremse in Rostock: So kam es zu den falsche Corona-Testergebnissen

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09:58 04.05.2021
In einem Labor in Rostock sind negative Corona-Test als positiv gemeldet worden – mit weitreichenden Folgen. (Symbolfoto
In einem Labor in Rostock sind negative Corona-Test als positiv gemeldet worden – mit weitreichenden Folgen. (Symbolfoto Quelle: Hendrik Schmidt / dpa
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Rostock

Zwölf falsche Labortests brachten Rostock bundesweit in die Schlagzeilen: Am Freitag konnte die Hansestadt nach nur einem Tag die strengen Regeln der „Bundesnotbremse“ wiederaufheben – weil die Fallzahlen Anfang der Woche nachträglich korrigiert werden mussten.

Nun kommt heraus: Schuld an der ursprünglichen Falschmeldung soll ein Analysegerät sein, das unter Experten schon seit Monaten umstritten ist und immer wieder falsch positive Ergebnisse liefert.

Labor in der Südstadt meldete Korrektur

In der Hansestadt werten gleich mehrere Labore Tag für Tag Corona-Tests aus – unter anderem die Uni-Klinik und das Medizinische Labor Rostock in der Südstadt. Dessen Ärztlicher Leiter, Dr. Michael Steiner, bestätigte nun auf OZ-Anfrage, dass aus seinem Hause „einzelne falsch positive Testergebnisse“ an die Behörden gemeldet und anschließend korrigiert worden seien.

Dr. Andrea Reinecke – sie leitet die Auswertung von Corona-Tests im Medizinischen Labor in der Südstadt – wird konkreter: „Es gab keine Verwechslung, sondern ein technisches Problem.“ Ein Gerät, das zur Auswertung der Abstriche eingesetzt wird, habe Grenzwerte falsch gesetzt und die Tests als „positiv“ ausgewiesen. „Als wir einzelne Proben nachkontrolliert haben, ist das aufgefallen“, sagt Reinecke. Das Labor habe nun neue Sicherheitsroutinen entwickelt: „Wir kontrollieren jetzt drei Mal, ob die richtigen Werte eingestellt sind – damit so etwas nicht wieder geschehen kann.“

Uni-Experte: Technik ist „nicht unproblematisch“

Nach OZ-Informationen setzt das Labor in der Südstadt ein Analyse-Gerät eines US-amerikanischen Herstellers ein. Doch genau diese Geräte gehörten bei Vergleichen „nicht zu den Testsiegern“, sagt Prof. Dr. Dr. Andreas Podbielski, Direktor des Instituts für Medizinische Mikrobiologie, Virologie und Hygiene an der Uni-Klinik Rostock. Das hätten die sogenannten jährlichen Ringversuche ergeben.

Andreas Podbielski, Krankenhaushygieniker der Unimedizin Rostock. Quelle: Unimedizin

Die Ringversuche sind vorgeschrieben, erfolgen nach Regeln der Deutschen Ärztekammer und sollen gleichbleibende Qualitäten in den Laboren sicherstellen. „Diese Geräte aus den USA übernehmen die Auswertung der Corona-Tests weitestgehend selbstständig, was nicht immer unproblematisch ist“, so Podbielski. „Jeder automatische Test erfordert am Schluss eine Kontrolle durch eine kompetente Ärztin oder einen kompetenten Arzt.“

Von Andreas Meyer