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Bad Doberan Ostseebäder kämpfen für freie Sicht aufs Meer: „Sonst bleiben uns die Urlauber weg.“
Mecklenburg Bad Doberan Ostseebäder kämpfen für freie Sicht aufs Meer: „Sonst bleiben uns die Urlauber weg.“
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14:04 12.09.2019
Die Nienhäger Hartmut Merchel (l.) und Rico Joppich protestierten im Juli 2015 gegen das Vorranggebiet für Windkraftanlagen in der Ostsee. Dieses Jahr wird die Thematik wieder aktuell. Quelle: Lennart Plottke
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Kühlungsborn/Warnemünde

Fünf Jahre ist es her, dass sich die Ostseebäder gegen Windkraftanlagen im Meer aufgelehnt haben. 2014 ging es noch um Vorranggebiete für den Bau von Windkraftanlagen in der Ostsee. Kühlungsborn und Bad Doberan fassten Beschlüsse, sprachen sich gegen die Industrieanlagen aus. Erfolgreich: Das Gebiet vor Kühlungsborn wurde gestrichen. Jetzt kämpfen die Tourismusorte erneut. Dieses Mal geht es um ein Testfeld für Windkraftanlagen, das 2024 in Betrieb gehen könnte – zehn Kilometer von der Küste Nienhagens und Warnemünde entfernt.

„Bürger haben mich angesprochen, dass vor Warnemünde Windräder gebaut werden sollen“, erzählt Harry Klink, Bad Doberaner Stadtvertreter. Er habe daraufhin Kontakt zu Bürgermeistern und Touristikern gesucht. Damals hatte er den Beschluss gegen die Windräder vor Heiligendamm in die Stadtvertretung gebracht. „Wir sind nicht generell Windkraftgegner, aber nicht an diesem Ort. Wir leben nur vom Tourismus.“

Unverständnis für Pläne in Kühlungsborn

In Kühlungsborn gibt es einen Grundsatzbeschluss der Stadtvertretung, dass das Ostseebad sich gegen die Errichtung küstennaher Windkraftanlagen auf Grund gravierender Beeinträchtigung des Tourismus stellt. „Sollten hier in der Tat ernsthaft Felder mit Windrädern zwischen 240 und 300 Metern, das heißt in der vier- bis fünffachen Größe der bisherigen Planungen, aufgestellt werden, so stößt dieses erneut auf Unverständnis“, sagt Bürgermeister Rüdiger Kozian.

Rüdiger Kozian, Bürgermeister von Kühlungsborn: „Mit dem Windpark würden wir ein Alleinstellungsmerkmal sondergleichen haben, im negativen Sinne.“ Quelle: Lutz Werner

Auch die Schifffahrt wäre nach seiner Ansicht von dem neuen Park beeinflusst. „Die Sicherheit auf See wird dadurch keinesfalls gestärkt. Wir haben an der Küste Sportboothäfen gebaut, die angelaufen werden, weil es hier so attraktiv ist“, sagt der Bürgermeister. Seine Meinung: „Mit dem Windpark würden wir ein Alleinstellungsmerkmal sondergleichen haben, im negativen Sinne.“

Er fordert von der Landesregierung eine allumfassende Prüfung. „Wir sind auch der Auffassung, dass zunächst systematisch daran gearbeitet werden sollte, die bereits errichteten Windkraftanlagen ordnungsgemäß in Betrieb zu nehmen und den dort produzierten Strom in geeigneter Trassenführung an die hierfür vorgesehenen Ziele zu befördern“, sagt Rüdiger Kozian, der für die Ostseebäder die Federführung übernommen hat, die Stellungnahme zu formulieren. Auch müsse geklärt werden, wie die Anlagen entsorgt werden, wenn sie ausgedient haben.

Lesen Sie auch: Ostseebäder rebellieren gegen neuen Windpark vor Warnemünde

Nienhagen gegen Windräder vor der Küste

Uwe Kahl, Bürgermeister Ostseebad Nienhagen: „Windräder haben vor der Küste nichts zu suchen. Sonst bleiben uns die Urlauber weg.“ Quelle: Lennart Plottke

„Wir machen da mit“, sagt ganz klar Uwe Kahl, Bürgermeister des Ostseebads Nienhagens, zur geplanten Stellungnahme. „Wir haben die Windräder direkt vor unserer Nase.“ Vor allem die Höhe der geplanten Anlage lehne er ab. „Das muss menschenverträglich sein.“ Vor der Küste von Nienhagen haben die Windräder aber nichts zu suchen. „Sonst bleiben uns die Urlauber weg.“

Jochen Arenz, Bürgermeister von Bad Doberan: „Ich lehne Windkraftanlagen in der Ostsee ab. Ich glaube, es gibt andere Gebiete, die für Windenergie geeigneter sind.“ Quelle: Anja Levien

„Wir leben vom Tourismus“, sagt auch Jochen Arenz, Bürgermeister von Bad Doberan. Er lehnt die Windkraftanlagen in der Ostsee ab. „Ich glaube, es gibt kostengünstigere und einfachere Gebiete, die für Windenergie geeigneter sind.“ Der Rathauschef sagt aber auch deutlich: „Es gab immer eine gute Abwägung zwischen Tourismus und Windenergie. Den Weg sollten wir weiter beschreiten.“

Offshore-Stiftung: Öffentlichkeit wird beteiligt

Wer den Windpark bauen wird, stehe noch nicht fest. „Wir stehen am Beginn des Gesamtprozesses“, sagt Sebastian Boie von der Stiftung Offshore-Windenergie, die die Projektleitung übernommen hat. Noch sei der Windpark nicht genehmigt, hierfür sei das Staatliche Amt für Landwirtschaft und Umwelt zuständig.

„Unabhängig davon, dass ein Genehmigungsverfahren mit Öffentlichkeitsbeteiligung gesetzlich geboten sein könnte, wird die Stiftung im Vorfeld mit allen Interessierten intensiv diskutieren“, so Boie. Eine Nabenhöhe von 300 Metern scheint für ihn „überaus unwahrscheinlich“. „Denkbar ist eine Gesamthöhe von etwa 250 Metern. Dafür bietet das Gebiet Platz.“ Es sei aber noch unklar, welche Anlagen getestet würden.

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