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Bad Doberan Altes Papier und Abfall: Doberaner Künstlerin schöpft Neues aus Altem
Mecklenburg Bad Doberan Altes Papier und Abfall: Doberaner Künstlerin schöpft Neues aus Altem
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11:00 19.07.2019
Die Künstlerin Heidrun Klimmey eröffnete ihr neues Atelier "Quadrados" im Küstergang von Bad Doberan.
Die Künstlerin Heidrun Klimmey eröffnete ihr neues Atelier "Quadrados" im Küstergang von Bad Doberan. Quelle: Sabine Hügelland
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Bad Doberan

„Quadrados“ nannte Heidrun Klimmey ihr neues Atelier in Doberan. Dort, wo sich früher ein Kinderwarengeschäft befand, geht es jetzt um Kunst. Es wirkt gemütlich, wie in einem Wohnzimmer. So ist es gedacht, denn Heidrun Klimmey bietet einmal monatlich Veranstaltungen an, die sie „Wohnzimmer“ nennt.

Die lockere Kursreihe möchte sie beibehalten und auch Vorträge und anderes anbieten. „Früher arbeitete ich von Zuhause aus. Ich bin sehr froh ,diese Räumlichkeiten gefunden zu haben “, sagt die Künstlerin. „Zuhause kamen auch zu wenig Besucher, vielen ist das einfach zu privat. Jetzt habe ich Atelierräume im Küstergang in meiner Heimatstadt.“ Dort richtete sie sich eine Papierwerkstatt ein.

„Ich stelle schon lange mein Papier selbst her, aber jetzt habe ich mehr Platz. Früher musste ich das alles in der Küche machen mit einem Handmixer.“ Außerdem möchte sie auch für Interessierte irgendwann Papierschöpfen anbieten. „Entstanden ist die Idee zum Schöpfen, weil ich so viele hochwertige Papierreste habe. Der Recyclinggedanke bleibt immer und in allem, was ich mache. Hier habe ich eine Gautschpresse für das Papierherstellen und Zerkleinerungstechnik. Die Räume geben es her, es gibt sogar einen Bodenabfluss, weil dort, wo ich das Papier schöpfe, einmal der Heizraum war.“

„Quadrados“ ist ein Arbeitsatelier, und wer Heidrun Klimmey besucht, der kann ihr beim Arbeiten zuschauen. „Allerdings habe ich nur donnerstags von 14 bis 18 Uhr geöffnet, weil ich viel unterwegs bin“, sagt sie. „Meine Telefonnummer steht an der Schaufensterscheibe, wer mich außerhalb sehen möchte, kann mich anrufen. Terminen kann ich meist schnell nachkommen.“

Vom Gemeinschaftsatelier zur eigenen Werkstatt

Ihre Druckpressen stehen in ihrem anderen Atelier im Rothener Hof bei Ludwigslust/ Parchim. „Dort gebe ich auch Kurse im Drucken und bin die Vorsitzende des Vereins.“ Erst arbeitete sie in einem Gemeinschaftsatelier, jetzt in eigener Werkstatt. „Das sind auch sehr schöne Räume dort.“ Doch es ist jedes Mal eine Stunde Fahrzeit. „Ich teile mir meine Arbeit nun unter den Ateliers auf. In Doberan bereite ich alles für das Drucken vor“, sagt Heidrun Klimmey.

Im Atelier von Heidrun Klimmey steht ein Boston-Tiegel, im Volksmund Letterpress genannt. Quelle: Sabine Hügelland

Allerdings steht im neuen Atelier ein Boston-Tiegel - im Volksmund Letterpress genannt. „Damit kann ich bis zu A5 im Hochdruck, also Holzschnitt und Buchdruck mit Bleibuchstaben drucken. Die Maschine ist gereinigt und läuft. Ich habe sie aber noch nicht in Betrieb genommen, denn das Drucken ist ein weites Feld“, sagt sie.

Seit 2009 selbstständig

Die 54-Jährige studierte Bauingenieurin machte sich 2009 selbstständig. Über die Jahre wandelte sich ihre kreative Ausdrucksweise, indem sie in der Malerei und Grafik in die Reduktion von Farbe und Darstellung ging. „Ich möchte mit so wenig wie möglich eine Aussage treffen“, sagt Heidrun Klimmey. Ihre Grafischen Email-Arbeiten, Kaltnadelradierungen, Ätzradierungen und Holzdrucke sind in den Atelierräumen im Küstergang zu sehen.

Heidrun Klimmey sammelt Abfallprodukte und alles, was Gebrauchsspuren aufweist, wie altes Papier. Das verarbeitet sie weiter und schöpft Neues aus Altem. Verkauft werden grundsätzlich nur Unikate, obwohl sie mehr drucken könnte.

Die Termine fürs „Wohnzimmer“ stehen bei ihr an der Schaufensterscheibe, im Verteiler der Touristinformation der Stadt und auf Flyern.

Sabine Hügelland