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Bad Doberan Parkentiner Dorf-Konsum macht nach fast 60 Jahren dicht
Mecklenburg Bad Doberan Parkentiner Dorf-Konsum macht nach fast 60 Jahren dicht
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16:25 27.11.2019
Noch steht Evelyn Benzner hinter dem Ladentisch – am Freitag schließt die 72-Jährige ihren Konsum in Parkentin für immer. Quelle: Lennart Plottke
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Parkentin

Die ersten Regale sind ausgeräumt und schon abgebaut, viele Fächer sind nur noch spärlich mit Waren aller Art bestückt, am Eingang stapeln sich Kartons: Evelyn Benzner steht in ihrem Laden in Parkentin und atmet tief durch. „Es ist, wie es ist“, sagt die Inhaberin mit einem Schulterzucken. „Am Freitag muss ich meinen Konsum leider zumachen.“ Seit 1993 führt die heute 72-Jährige ihr Geschäft an der Doberaner Straße – und auch wenn sie mit Blick auf das Rentenalter seit fünf Jahren „überfällig“ sei, hätte sie gern weitergemacht: „Aber der Umsatz ist immer mehr eingebrochen.“

Auf 150 Quadratmetern hat Benzner in den vergangenen gut 26 Jahren so ziemlich alle Dinge des täglichen Bedarfs und dazu einen kleinen Imbiss angeboten: „In meinem Landwarenhaus gab es Lebensmittel genauso wie Spaten oder auch die DDR-Sicherung.“ Die Kundschaft sei dabei vor allem aus umliegenden Orten wie Hastorf, Hanstorf, Groß und Klein Schwaß sowie Allershagen gekommen, sagt Benzner: „Parkentiner, die regelmäßig bei mir eingekauft haben, kann ich an zwei Händen abzählen.“

Ein Stück Dorfgeschichte macht dicht: der Konsum in Parkentin. Quelle: Lennart Plottke

Besonders bei Kraftfahrern beliebt: der hausgemachte Kartoffelsalat, Schnitzel oder auch das Benzner’sche Schmalz: „Und wo gibt es heute noch die Bockwurst für einen Euro?“ Das Problem: „Die junge Generation kommt nicht nach“, sagt die Geschäftsfrau. „Das Verhalten der Kunden hat sich gerade in den vergangenen Jahren extrem verändert.“ Vielen ginge es heutzutage vor allem um einen „Erlebniseinkauf“: „Und dafür rücken die Discounter und Supermärkte von außerhalb immer dichter heran – es ist doch Wahnsinn, wie viele neue Märkte beispielsweise gerade in Bad Doberan entstehen.“

Kleine Läden auch Orte der Begegnung

Dabei könnten kleine Läden im Dorf auch zu einem Erlebnis werden, sagt Evelyn Benzner und legt damit den Finger in Wunde: „Gerade in der letzten Stunde meiner Öffnungszeit haben sich hier fast täglich einige Leute getroffen, um gemeinsam Zeit zu verbringen und einfach nur zu schnacken – mein Laden war auch so etwas wie eine Begegnungsstätte.“ Dennoch: „Vielen Leuten kann es heutzutage gar nicht mehr schnell genug gehen – die huschen nur rein, holen ihr Hermes-Paket ab und sind wieder weg.“ Dabei würden die Parkentiner in einigen Wochen sicher merken, dass etwas fehlt, ist Benzner überzeugt: „Denn es ist doch wichtig, dass es Dienstleistungen noch direkt vor Ort gibt.“

Mit Schließung des Hauses an der Doberaner Straße geht in Parkentin auch eine Ära zu Ende. Seit 1960 von der Konsumgenossenschaft genutzt, übernahm Evelyn Benzner die Räumlichkeiten vor 26 Jahren vom Konsum-Nachfolger. „Zwischen 1993 und 2005 hatte ich insgesamt zwölf Läden – auch in Rostock oder Markgrafenheide.“ Vor einigen Jahren wollte die umtriebige Frau ihr Parkentiner Geschäft noch einmal auf neue Füße stellen: „Ich habe den Laden in ‚Dorf-Konsum‘ umbenannt, das Haus schön von außen fertig gemacht und auch das Sortiment verändert – am Ende muss man sagen, dass das Konzept nicht aufgegangen ist.“ An ihren Lieferanten habe es jedenfalls nicht gelegen: „Seit 1995 arbeite ich mit dem Großhandel Bartels-Langness zusammen – die waren immer zuverlässig und haben auch den kleinen Einzelhandel unterstützt.“

30 Kunden am Tag letztlich zu wenig

Warum es letztlich nicht gereicht hat? „Natürlich fragt man sich bei nur 30 Kunden am Tag, was man falsch macht“, sagt Benzner. „Aber das ist nicht der richtige Ansatz – die Zeiten haben sich eben geändert.“ Wenn sie jünger wäre, würde sie ein schönes Hof-Café eröffnen – mit selbst gebackenem Kuchen: „Ob sich das rechnen würde? Ich weiß es nicht.“

Apropos – finanziell hat die 72-Jährige nichts zu befürchten: „Ich habe alle Rechnungen bezahlt, das Haus gehört mir – ich muss mir keine Sorgen machen.“ Am Freitag werde sie die Jalousien zuziehen, Grünpflanzen aus dem Keller holen und an die Fenster stellen: „Und ab und zu lade ich meine Stammkunden zum Kartenspielen ein – denn der Tisch und die Stühle bleiben ja drin.“

Vorher aber ist am 29. November noch eine große Abschiedssause mit Kunden und Freunden geplant: „Dann gibt es aber keinen Verkauf mehr“, kündigt Evelyn Benzner schmunzelnd an. „Sondern ab 9 Uhr nur noch Restetrinken.“

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