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Bad Doberan Pastor wird nach 17 Jahren verabschiedet
Mecklenburg Bad Doberan Pastor wird nach 17 Jahren verabschiedet
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19:00 29.10.2019
Nach 17 Jahren verlässt Pastor Kai Feller „seine“ Evangelisch-Lutherische Kirchgemeinde Steffenshagen-Retschow. Er geht in den benachbarten Kirchenkreis Lübeck-Lauenburg. Quelle: Sabine Hügelland
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Steffenshagen

Nach 17 Jahren verlässt Pastor Kai Feller die 650 Mitglieder starke Evangelisch-Lutherische Gemeinde Steffenshagen-Retschow. Er wird am 31. Oktober um 11 Uhr in einem Gottesdienst der Kirchenregion in Steffenshagen feierlich verabschiedet. Er bittet, von Geschenken abzusehen. „Stattdessen bringen Sie lieber was fürs Büfett mit oder spenden Sie was für den Retschower Kirchturm.“ Kai Feller geht freiwillig, um neue Aufgaben zu übernehmen. „Ich habe mich hier wohlgefühlt, bis zum Schluss“, sagt Feller. „Und bin sehr dankbar für die Menschen, die mir hier begegnet sind, mich begleitet und mir Vertrauen entgegengebracht haben. Steffenshagen ist für mich zu einem Stück Heimat geworden“, sagt er. „Nun trete ich eine andere Stelle in unserem benachbarten Kirchenkreis Lübeck-Lauenburg an.“

Pastoren aus der Nachbarschaft übernehmen Vertretung

Es wird empfohlen, dass Pastoren eigentlich schon nach zehn bis 15 Jahren ihre Stelle wechseln. „Es geht um Weiterentwicklung, auch der Gemeinde, denn natürlich kam nicht jeder mit mir zurecht. Jetzt ist Zeit für neue Impulse.“ Vorerst gibt es Vertretungen. Trauerfeiern, Taufen, Konfirmationen, Trauungen und die Gottesdienste am Sonntag finden weiter statt. Propst Wulf Schünemann, Propstei Rostock des Evangelisch-Lutherischen Kirchenkreises Mecklenburg, sagt: „Die Pfarrstelle wird mit dem Stellenwechsel vakant. Glücklicherweise konnte mit Pastorin Ulrike Dietrich aus Rethwisch und Pastor Eckhard Krause aus Parkentin eine gute Vertretung organisiert werden. Um dafür auch die notwendigen Kapazitäten zu schaffen, wurde der Dienstumfang von Pastorin Ulrike Dietrich für diesen Zeitraum erhöht. Damit sind die grundlegenden Aufgaben der Kirchengemeinde personell abgesichert. Wann die Pfarrstelle wieder besetzt werden kann, wird sich in den nächsten Monaten entscheiden.“

Erfreut über herzliches Willkommen

Wenn Kai Feller sich an das, was in seiner Amtszeit passierte, erinnert, ist es vor allem die Öffnung der Gemeinde für Menschen jenseits einer Kirchenmitgliedschaft, die ihm wichtig war. Diese strategische Ausrichtung weg von einem Verein hin zu einer Institution spiegelt sich auch in einer neuen Gebäudekonzeption wider: „Wir haben uns von allen Gebäuden getrennt – bis auf unsere beiden Kirchen“, sagt er. „Ich wollte nicht, dass Geld in Gebäuden verbrannt wird, die keiner braucht“, sagt Kai Feller. In Retschow steht das Konzept kurz vor der Umsetzung. „2020 wird im Kirchturm ein Begegnungsraum entstehen, mit einem Anbau für Küche und Bad.“

„Wir sind bestrebt, wieder einen festen Pastor zu bekommen“, sagt die Steffenshägerin Marlies Böse. „Ich bin gut mit Pastor Feller klargekommen“, sagt Günther Garbe, der den Weggang des Pastors bedauert. „Es war immer eine gute Zusammenarbeit mit ihm“, so der Vorsitzende des Kulturvereins, Herrmann Schäfer. „Seine erste Gemeinde sucht man sich nicht selbst aus, sondern wird dahin geschickt“, sagt Kai Feller. „Ich war erfreut, denn ich hatte ja schon eine Familie und Rostock war nicht weit weg. Vor allem aber wurde ich freundlich empfangen. Ich sehe noch vor mir, wie die Küsterin Ulla Brüsehaber uns in der Kirche begrüßte. Von Anfang an fühlte ich mich mit meiner Familie willkommen.“ Auch in Retschow wurde Feller von der Küsterin Rita Pentzin willkommen geheißen und war „schwer beeindruckt von dem Denkmalhof, den sie bewohnt.“

Pastor mit bewegter Vergangenheit

Als Kai Feller mit 30 Jahren die Gemeinde übernahm, hatte er schon ein bewegtes Leben hinter sich. Geboren 1971 in Berlin-Pankow, wurde er 1988 mit drei weiteren Mitschülern der Carl-von-Ossietzky-Oberschule verwiesen, was ein lebenslängliches und landesweites Abiturverbot bedeutete. Grund war seine Kritik an den Militärparaden zum Staatsfeiertag. Die Ossietzky-Affäre löste zahlreiche Proteste aus, an denen sich vor allem namhafte Schriftsteller sowie kirchliche und oppositionelle Gruppen beteiligten. Feller arbeitete als pflegerische Hilfskraft in einem Heim für behinderte Kinder der Stephanus-Stiftung in Berlin-Weißensee. Von 1989 bis 1992 war er Schüler am Evangelischen Gymnasium (vormals: Kirchliches Oberseminar) in Potsdam-Hermannswerder. Im Anschluss studierte Kai Feller evangelische Theologie und klassische Philologie an der Humboldt-Universität zu Berlin. Von 1999 bis 2002 war er Vikar der Rostocker Innenstadtgemeinde.

Von Sabine Hügelland

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