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Politik Post aus Schwerin: Aus für Ortsumgehung
Mecklenburg Bad Doberan Politik Post aus Schwerin: Aus für Ortsumgehung
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07:07 06.05.2014
Die Alexandrinenplatz-Kreuzung gerät immer wieder an die Grenze ihrer Kapazität. Wenn dann auch noch die Kleinbahn für „Rot“ sorgt, gibt es ganz lange Staus. Quelle: Dietmar Lilienthal
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Bad Doberan

Die Münsterstadt wird keine Umgehungsstraße bekommen. Muss weiter mit langen Rückstaus vor allem auf der B105 leben, die den Ort in seiner vollen Länge durchquert. Mit heftigem Verkehrslärm und dem Gestank von Autoabgasen, die den Erhalt des Status „Kurstadt“ gefährden.

Dr. Rainer Kosmider, Leiter der Abteilung Verkehr im Schweriner Ministerium für Energie, Infrastruktur und Landesentwicklung, machte in einem Schreiben an Bürgermeister Thorsten Semrau klar, „dass die Ortsumgehung Bad Doberan nicht zum Bundesverkehrswegeplan 2015 angemeldet wird.“ Das Anmeldeverfahren seitens des Landes Mecklenburg-Vorpommern sei abgeschlossen und das Ministerium habe das Straßenbauamt Güstrow gebeten, die Stadt „bei der Entwicklung von innerstädtischen Lösungen für die Verkehrsprobleme“ auf der Alexandrinenkreuzung „zu beraten“. Dort kreuzt die B105 nicht nur die Landesstraße 13 — die Zufahrt von der Autobahn —, sondern auch die Bäderbahn Molli mischt dort mit.

Das Schreiben, das im Ministerium am 8. April abgeschickt wurde, bekräftigte eigentlich nur noch einmal den Stand der Dinge, der sich schon seit vergangenem Dezember im Haus von Minister Christian Pegel (SPD) abgezeichnet hatte. Semrau informierte die Stadtvertreter in ihrer Sitzung in der zurückliegenden Woche über die neuste Entwicklung.

Auch über eine ominöse Email, die schon im Juni 2013 aus dem Ministerbüro ans Rathaus geschickt wurde und ihren Empfänger nie erreicht. Denn die Adresse bgm@stadt-dbr.de gab es längst nicht mehr. In dieser Email, so erfuhr Semrau später, wurden die Kommunen aufgefordert, Unterlagen zu ihrem Projekt der Ortsumgehung ans Ministerium zu schicken. Konnte Doberan aber nicht pünktlich erledigen, weil die Email niemand gelesen hatte. Kam es durch den Verlust dieser Information zu der verspäteten Anmeldung der Ortsumgehung durch die Stadt erst im Dezember? „Anmeldeschluss war im August 2013, mit Augenzudrücken bestenfalls noch im Oktober“, sagt Steffen Wehner, der Pressesprecher des Ministeriums. Wehner erklärt, dass Doberans Projekt jedoch nicht wegen der verspäteten Anmeldung „auf Rot gesetzt“ wurde, sondern weil der politische Wille für die Ortsumgehung in der Münsterstadt nicht stark genug war. Die Stadtvertretung hätte erst im Dezember 2013 einen Beschluss dafür gefasst und ein gegenläufiges Votum des Vorgänger-Gremiums gekippt. Und es gebe viele Stimmen dagegen aus dem Umland und von Gewerbetreibenden, die einen Verlust an Kaufkraft befürchten.

In der Stadtvertretung sind die Reaktionen auf das endgültige „Nein“ aus Schwerin und die verschwundene Email, die möglicherweise eine rechtzeitige Anmeldung verhinderte, unterschiedlich.

„Der Bürgermeister soll sich bemühen, diese Angelegenheit im Ministerium zu klären. Dort liegt die Verantwortlichkeit. Und er soll uns endlich den gesamten Schriftwechsels mit dem Ministerium zugänglich machen. Es kann doch nicht sein, dass Bad Doberan eine Infrastrukturmaßnahme, die für die nächsten 30 Jahre bedeutungsvoll ist, wegen eines Kommunikationsfehler nicht bekommt“, sagt Guideo Lex, der Frontmann der Unabhängigen Initiative für Bad Doberan (UDI). Er spricht von einer „Benachteiligung“ der Stadt. In der SPD-Fraktion sei die Meinungsbildung über die Notwendigkeit der Umgehung noch nicht abgeschlossen. Aber er persönlich sei dafür, erklärt Hartmut Polzin und erinnert an die Auflagen zum Erhalt des Kurstadt-Status. „Es muss endlich etwas Gravierendes passieren“, sonst ist der Verkehrskollaps vorprogrammiert“, sagt Herbert Baor von der Gruppe Handwerk und Gewerbe plus. Gerlinde Heimann (Linke) drängt darauf, jetzt endlich „die Hausaufgaben zu machen“. Sie denkt laut über innerörtliche Lösungen nach. „Statt der großen Kreuzung ein Kreisel — das wäre eine Variante“, meint sie.



Lutz Werner