Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Politik Rainer Karl: „Wir brauchen Kitaplätze im Umland“
Mecklenburg Bad Doberan Politik Rainer Karl: „Wir brauchen Kitaplätze im Umland“
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
05:00 14.12.2016
Rainer Karl leitet seit 2002 als Bürgermeister das Ostseebad Kühlungsborn.
Rainer Karl leitet seit 2002 als Bürgermeister das Ostseebad Kühlungsborn. Quelle: Mathias Otto
Anzeige
Kühlungsborn

Volle Kitas, Straßenbau, Diskussionen über die Villa Baltic und Ansiedlung einer neuen Firma: für Bürgermeister Rainer Karl (parteilos) sind das die vorläufigen Höhepunkte eines turbulenten Jahres. Die OZ sprach mit ihm.

OZ: Ein ereignisreiches Jahr geht zu Ende. Wie lief 2016 aus Ihrer Sicht?

Rainer Karl: 2016 ist wiederum ein Erfolgsjahr gewesen. Wir haben schon jetzt die Besucherzahlen erreicht, die wir 2015 für das ganze Jahr hatten. Die gesamte Struktur der Stadt hatte dazu beigetragen, dass sich viele Gäste Kühlungsborn für ihren Urlaub ausgesucht haben

Was lief positiv?

Hervorzuheben sind die Kollegen. Während meiner mehrwöchigen Auszeit wurde ich hervorragend vertreten. Die Einstellung der Mitarbeiter aus der Verwaltung war beispielhaft.

Gab es auch negatives? Welche Situationen oder Entscheidungen hätten Sie sich besser vorgestellt?

Es gibt nichts Negatives zu berichten. Manche Entscheidungen wünscht man sich vielleicht schneller. Wir haben aber trotzdem alle uns gesteckten Ziele umsetzen können. Beispielsweise sind wir beim Straßenbau gut vorangekommen und konnten einen Saisonparkplatz errichten, ebenso den Lindenpark fertigstellen.

Mit der Poststraße wird das letzte große Straßenprojekt angepackt. Welche anderen Bauprojekte sind 2017 noch in Planung?

Im kommenden Jahr sind viele Sachen geplant, unter anderem die Neugestaltung der Zufahrt zum Bootshafen, der Abriss der Schwimmhalle, ein neuer Bolzplatz in Kühlungsborn-West und der Neubau einer Toilette am Strandaufgang 28. Außerdem werden wir mit der Umsetzung des Entwässerungskonzeptes beginnen. Das ist wichtig für den Überschwemmungsfall. Wir wollen uns vorsorglich davor schützen.

Wie steht Kühlungsborn finanziell da?

Wir haben immer Gäste im Ort. Das heißt, es fließen ständig Einnahmen. Die Stadt hat aber nicht Millionen von Euro herumliegen. Das eingenommene Geld wird gleich wieder eingesetzt, wie bei der Sanierung der Poststraße. Uns geht es aber gut, das sieht man an der Entwicklung des Ortes.

Dann wären etwa der Bau einer neuen Seebrücke oder Diskothek nicht unrealistisch.

Das, was wir einnehmen, ist nicht unendlich. Wir wollen die Villa Baltic kaufen, sanieren und betreiben. Das ist finanziell schon eine Hausnummer. Falls es dann noch für eine zweite Seebrücke reicht, steht auf einem anderen Blatt. Eine Diskothek ist gut, nur wird die Stadt niemals eine Disco bauen und auch betreiben können. Wir können aber baurechtlich die Bedingungen dafür schaffen. Dann brauchen wir aber jemanden, der sie betreibt.

Und wie ist der aktuelle Stand bei der Villa Baltic?

Wir sind derzeit noch in Verhandlungen mit dem Besitzer. Das gestaltet sich manchmal nicht einfach. Er hat Vorstellungen, die wir so nicht halten können. Wir sind also in schwierigen Gesprächen. Der Eigentümer hat an diesem Gebäude seit mindestens sechs, sieben Jahren nichts mehr gemacht. Wir wollen da jetzt selber ran, damit das Haus nicht komplett verkommt. Noch sind die Mauern aber stabil.

Wieso wird über die geplante Gewerbeansiedlung im Grünen Weg so heftig diskutiert und wie wichtig ist Ihnen diese Ansiedlung?

Wichtig aus zwei Gründen. Der Ort kann nicht nur vom Tourismus leben und wir bekommen durch dieses nicht störende Gewerbe Steuereinnahmen. Wenn wir viele Wünsche für den Ort haben, dann brauchen wir auch das Geld zur Umsetzung. Wenn sich eine Firma wie diese ansiedeln möchte, muss der rote Teppich ausgelegt werden.

Thema Schule und Kitas: Wie gehen Sie damit um, dass diese Einrichtungen ihre Kapazitätsgrenzen erreicht haben?

Bei den Schulen sieht es gut aus. Wir stocken auf. Der Schulanbau wird 2017 fertig sein. Wo sich Probleme abzeichnen, ist tatsächlich bei den Kita-, Krippen- und Hortplätzen. Das liegt daran, da viele ihre Kinder in Kühlungsborn unterbringen möchten. In den umliegenden Gemeinden sind freie Kapazitäten. Deshalb fordere ich von Gemeinden wie Wittenbeck, die in ihren Orten Wohnungen für Familien geschaffen haben und nichts, aber auch gar nichts für die Kinderbetreuung unternehmen, dass auch sie sich mal Gedanken um Kitaplätze machen. Oder, dass sie sich bei einem Neubau in Kühlungsborn finanziell beteiligen. Nur so lösen wir dieses Problem.

Die Einwohnerzahl erreicht fast die 9000er-Marke. Wie viel Luft ist noch nach oben?

Wir haben eine Situation wie in der Wendezeit. Das Maß ist erreicht. So wie man Kühlungsborn kennt und mag, ist die aktuelle Zahl genau richtig.

Auch die Zahl der Touristen nimmt zu.

Hier findet gerade in Abstimmung mit Touristikern ein Umdenken in Richtung Qualität statt. Wir werden zudem konzentriert auf die Nebensaison schauen. Es sollen aber auf keinen Fall neue Gästebetten geschaffen werden.

Wie hat sich Kühlungsborn während Ihrer bisher 14-jährigen Amtszeit verändert?

Der Hafen ist fertiggestellt. Wir haben außerdem eine neue Schule und einen sanierten Strand. Wichtig war allerdings, jedes Jahr Geld für den Straßenbau in die Hand zu nehmen.

Die letzten zwölf Monate als Bürgermeister liegen vor Ihnen. Was wollen Sie noch erreichen?

Wir haben noch große Sachen vor. Neben den baulichen Veränderungen kommt ein neues Tourismuskonzept auf uns zu. Das jetzige ist fast acht Jahre alt und muss fortgeschrieben werden. Innerhalb dieses Konzeptes wird es eine Strandkonzeption geben. Das heißt, der Strand muss neu strukturiert und aufgeteilt werden. Es gibt immer mehr Begehrlichkeiten an diesem Strand, den er derzeit nicht hergeben kann. Außerdem muss das Verkehrskonzept aufgrund der hohen Gästezahlen überarbeitet werden.

Welchen Tipp können Sie schon jetzt Ihrem Nachfolger geben?

Ein allgemeiner Grundsatz: Wer hier Bürgermeister sein möchte, muss das nicht nur als Job betrachten, sondern er muss diesen Ort mögen. Er muss sagen: ,Das ist mein Kühlungsborn., dafür stehe ich ein.' Wer das nicht so sieht, hat sonst keine Chance.

Wie wird Kühlungsborn in zehn bis 15 Jahren aussehen?

Kühlungsborn wird dem Trend folgen und das größte und schönste Ostseebad sein, das an der mecklenburgischen Ostseeküste zu finden ist. Kühlungsborn wird ein Leuchtturm an der deutschen Küste sein.

Mathias Otto

Mehr zum Thema

Die einheimische Logistikfirma will in Kühlungsborn neu bauen. Kritik kommt von den Grünen.

09.12.2016

Die einheimische Logistikfirma will in Kühlungsborn neu bauen / Kritik kommt von den Grünen

10.12.2016

Die Verwaltung ist seit 2011 verpflichtet, die Löhne der Geschäftsführer städtischer Unternehmen anzugeben – dennoch herrscht Schweigen

14.12.2016