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Bad Doberan Kröpeliner Geschichten aus 50 Jahren
Mecklenburg Bad Doberan Kröpeliner Geschichten aus 50 Jahren
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16:45 21.12.2018
Wilfried Stern am Stammtisch des Kröpeliner Lindenhofs. Quelle: Thomas Hoppe
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Kröpelin

“De Klockenschauster, de Perpendikel und ne gewisse Unruh in Kröpelin“, ist der Titel des neuesten, gerade erschienenen Wilfried-Stern-Buches. Mancher Literaturfreund wird sich vielleicht an das Uhrpendel einer Wanduhr im Roman „Der Laden“ von Erwin Strittmatter erinnern, über das der preisgekrönte DDR-Schriftsteller damals anschaulich formulierte: „Der Regulator zerhackt mit seinem Perpendikel die Zeit in hörbare Teilchen“.

Der Kröpeliner Autor serviert dagegen die Ortszeit von der Mitte der 1960er Jahre bis in die Gegenwart auf insgesamt 190 Seiten in lesbaren Teilchen. So finden sich hier, wie schon im Vorgängerband „De Klockenschauster und andere Vertellers aus dem alten Kröpelin“, zahlreiche kurze Anekdoten, einige Geschichten wie über eine sonderbare Entgleisung von Güterwaggons 1953 ohne Lok, wenige Fotos und ein paar detaillierte Übersichten. Dabei erfahren die Leser auch, dass Anfang 1991 in der Stadt 99 Gewerbebetriebe registriert waren. Im September 2000 gab es davon gerade noch so viele, wie es zu DDR-Zeiten selbstständige und Gewerbetreibende in Kröpelin gegeben haben soll, nämlich 46.

Sehr viele Kröpeliner Namen werden erwähnt, als Straßenanwohner, Berufstätige oder Ehrenamtliche. Ein Quartett findet sich wieder, das „von jeher ein gewisses Geheimnis“ umgeben haben soll. Es sind die vier Angehörigen der französischen Fremdenlegion, die aus Kröpelin kamen: Ein Kraftfahrer, ein Schlosser, ein Verkäufer und ein Schneider. Es wird zudem einer Feierabendbrigade über die Schulter geschaut, während sie gerade darüber spricht, wie sich jeder so verhalten würde, wenn der Sensenmann an die Tür klopft. Dazu sagt hier dann Heiner Bruhn: „Wenn ich marken süll, dat hei kümmt, denn bünn ich einfach nich tau Hus!“

Wilfried Stern gibt auch Persönliches von sich preis. So kann man erfahren, wie er im Februar 2001 ganz knapp einer Inhaftierung in Bützow entkam. Eine Gerichtsvollzieherin soll bei ihm zu Hause auf einen Offenbarungseid (Vermögensauskunft) des Tischlermeisters gepocht haben. Letztlich unterschrieb er und wurde „danach aus der Haft entlassen“. „Insgesamt wurden vier Mal Haftbefehle gegen mich beantragt und erlassen. Beantragt haben dies nur Bürger oder Firmen aus den alten Bundesländern“, ist dazu im Buch zu lesen. Auch, dass der Mann seine bereits 1972 geheiratete und seit 2004 von ihm geschiedene Frau Barbara im März 2018 erneut heiratete.

„Wir sind schon zehn vor elf beim Kröpeliner Standesamt gewesen und da wir die einzigsten waren, konnten wir gleich anfangen. Unsere Ringe waren von Dienstag zu Freitag fertiggemacht worden. Wir haben alles so korrekt gemacht, wie es auch sein soll“, sagt dazu auf Nachfrage Barbara Stern und zitiert augenzwinkernd eine Textzeile des Sängers Marius Müller-Westernhagen: „Ich war ja nie wirklich weg“. Heute ist sie stolz, dass ihr Mann „so was schreiben kann“. „Das ist doch ganz toll. Ich wundere mich immer, wie er das alles so zusammenträgt, dass er das alles immer noch weiß.“

Und der 79-Jährige arbeitet bereits an seinem achten Buch. „Das soll sich ganz um die große Politik drehen“, verrät er schon einmal. Im „Ausblick“ seines gerade erschienenen Bandes führt er bereits als „ein Merkmal“ unserer parlamentarischen Demokratie (von den örtlichen Volksvertretungen bis zum Bundestag) an, dass „gute, weitreichende Vorschläge erst einmal zerredet“ würden.

Der Kröpeliner war 1965 der DDR-Blockpartei NDPD beigetreten, hatte in den Jahren 1970 bis 1981 im Kreistag Bad Doberan und dann bis 1990 als Abgeordneter in der Volkskammer mitgearbeitet, ab 1987 im Ausschuss für Industrie, Bauwesen und Verkehr.

Als Anfang der 1990er Jahre der „Umschwung“ war, hätte er in einer Stadtvertretersitzung erlebt, wie nach langer Diskussion am Ende nix rauskam, weil das Ja von sechs CDU-Vertretern einem Nein der sechs SPD-Leute gegenüberstand. Dabei wäre es nur um die Profilierung von Neueinsteigern gegangen, nicht um die Sache. So etwas störe ihn sehr, betont Wilfried Stern und nennt ähnliche Beispiele. Aber er erklärt auch: „Der Blick kann und sollte nur nach vorn gerichtet sein. Es lässt sich leben hier in Kröpelin“.

Das neue Buch ist im BS-Verlag Rostock erschienen und kostet 13,50 Euro

Thomas Hoppe

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