Reddelich: Er bringt Touristen zum Kiten und Surfen aufs Wasser
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Bad Doberan Kiten und Surfen: Reddelicher bringt Touristen aufs Wasser
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Reddelich: Er bringt Touristen zum Kiten und Surfen aufs Wasser

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08:00 12.09.2020
Surflehrer Wolfgang von Oechelhaeuser übt mit seinen Schülern auf dem Salzhaff und der Ostsee. Quelle: Henrietta Hartl
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Rerik/Heiligendamm

Der Tag ist bewölkt und richtig schön windig. Der beliebte Surfspot am Salzhaff in Rerik am „Kuhberg“ wimmelt nur so von Windsurfern und Kitern, mehr als zwanzig bunte Flecken bringen Farbe an den grauen Himmel über der Bucht.

Surflehrer Wolfgang von Oechelhaeuser hat sein Hauptquartier eigentlich am Ostseestrand in Heiligendamm. Doch für heute haben zwei Touristinnen aus Essen, die seinem Unterricht gestern zugeschaut haben, spontan sein Einstiegstraining gebucht. In solchen Fällen verlegt der Surflehrer seinen Unterricht ans Salzhaff. „Für Anfänger ist das hier ideal“, meint er. Die Bucht liegt geschützt, die Wellen sind nicht so hoch und man kann überall stehen.

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Ostsee für Fortgeschrittene geeignet

Für Fortgeschrittene sei die Ostsee in Heiligendamm aber viel besser geeignet. Insbesondere für diejenigen Kitesurfer, die die aktuelle, anspruchsvolle Technik des „Foilens“ lernen oder üben wollen, bei der man mit hoher Geschwindigkeit nicht nur auf, sondern über dem Wasser dahinschießt. „In Heiligendamm gibt es inzwischen auch schon eine richtig tolle Surfszene“, freut sich von Oechelhaeuser.

OZ-Serie

In der Serie „Die Urlaubsmacher“ stellt die OSTSEE-ZEITUNG Menschen vor, die den Urlaub zwischen Kühlungsborn und Bad Doberan ge­stalten. Die Männer und Frauen, die dafür sorgen, dass eine Unterkunft da ist, die sich ums Essen kümmern, um die Freizeitangebote und die Beförderung. Die Macher hinter der schönsten Zeit des Jahres.

Surfen sei nicht nur was für junge Leute, erklärt der fitte 64-Jährige. Ein guter Freund von ihm geht schon auf die siebzig zu, und der sei mit seinem Kiteboard fast jeden Tag auf dem Wasser. Der aus Reddelich stammende von Oechelhaeuser ist studierter Betriebswirt und hat unter anderem im Vertrieb für VW-Nutzfahrzeuge gearbeitet. Doch vor gut zehn Jahren begann er, seine Leidenschaft für das Reiten auf Wellen und im Wind auch beruflich zu leben, mit der Gründung seiner Kite- und Surfschule Heiligendamm. Angefangen hatte es vor über 35 Jahren mit dem Windsurfen, vor rund fünfzehn Jahren packte ihn dann die Begeisterung für das damals auch in Mecklenburg-Vorpommern aufkommende Kitesurfen.

Der Surflehrer übt mit den Anfängern im Salzhaff. Quelle: Henrietta Hartl

Beim Verband Deutscher Wassersport Schulen (VDWS) ließ sich von Oechelhaeuser zum Surflehrer ausbilden, und seine Schule ist anerkanntes Mitglied beim VDWS. Daher kann er seinen Schülern auch ein offizielles Zertifikat ausstellen, das ihnen die nötigen Kenntnisse zum Beispiel zum Ausleihen eines Boards bescheinigt. Dazu gehört theoretisches Wissen von der Ausrüstung bis zum Wetter ebenso wie die praktische Fähigkeit zum Surfen.

Der Surflehrer bietet keinen Gruppenunterricht an, maximal zwei Leute schult er gleichzeitig. Oft kämen zu ihm Schüler, die in einer Gruppe bereits Surfunterricht hatten, es aber dabei einfach noch nicht richtig „geknackt“ hätten. „Wenn ich das dann schaffe, dass der erfolgreich auf dem Brett steht, dann haben wir beide ein riesiges Grinsen auf dem Gesicht.“

Festklammern ist Anfängerfehler

Ein typischer Anfängerfehler, erklärt der Surflehrer, beruhe auf dem menschlichen Instinkt, sich an etwas festzuklammern, wenn es kritisch wird. Dieser Instinkt kann beim Kiten aber fatal sein: Wenn der Wind zu stark wird und der Kite abzusausen droht – dann wird er noch viel schneller, wenn man sich an die Leinen klammert. Frauen lernen das im Allgemeinen schneller als die Männer, meint der erfahrene Surflehrer. Viele Männer seien es gewohnt, eine Sache notfalls mit viel Kraftaufwand durchzudrücken, das in dem Fall nötige Loslassen falle Frauen offenbar leichter.

Von Oechelhaeuser unterrichtet Windsurfen, Kitesurfen und seit einer Weile auch die Trendsportart Stand-up-Paddling. Seine große Leidenschaft ist vor allem das Kitesurfen: „Das ist ein tolles Gefühl, wenn man da auf dem Board aus dem Wasser hochkommt und davongleitet.“ Er meint, Kitesurfen sei anspruchsvoller als das Windsurfen, und auch gefährlicher, das solle man wirklich nicht ohne Lehrer anfangen. Einen großen Vorteil bei den Kitesurfern sieht der Surflehrer in der Ausrüstung: „Die ist deutlich kleiner und leichter als beim Windsurfen.“

Ablandiger Wind besonders gefährlich

Besonders gefährlich für alle Surfer ist ablandiger Wind, da sollte niemand aufs Wasser. Der erfahrene Surfer geht selbst bis zu Windstärken von etwa 8 raus, meint aber: „Das sind dann nicht nur schöne Momente, das ist richtig harter Sport.“ Doch dieser Sport ist eben seine große Leidenschaft, nicht zuletzt auch weil man hier für eine tolle Geschwindigkeit keinen Motor braucht: „Surfen, das bedeutet für mich Freiheit und Nähe zur Natur.“

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Von Henrietta Hartl