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Bad Doberan Reriker Kinder auf den Spuren der Fledermäuse
Mecklenburg Bad Doberan Reriker Kinder auf den Spuren der Fledermäuse
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15:01 10.07.2019
Kathrin Weber (Mitte) war mit den Kindern ihres Grünolino-Vereins zu Gast in Garvsmühlen, wo der Experte Patrick Folkersna ihnen Fledermäuse näher brachte. Quelle: Sabine Hügelland
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Garvsmühlen

Knarrende Geräusche drangen aus dem Fledermausdetektor in Patrick Folkersnas Hand. Er ist Mitglied der Ortsgruppe Salzhaff-Rerik des Bundes für Natur und Umwelt (BUND) sowie im Naturschutzbund (Nabu) Wismar-Nordwestmecklenburg. „Hier sind Fledermäuse“, sagte er zu den zehn Kindern des Reriker „Grünolino“ Vereins auf deren ­Wangen schwarze Fledermaustattoos klebten.

„Schaut nur.“ Alle Blicke gingen über die Weiden an der Scheune in Garvsmühlen. Die streng geschützten Tiere sind vom Aussterben bedroht. Das wussten auch die „Grünolinos“. Denn kurz zuvor und im Rahmen einer Projektwoche an der Freien Schule ­Rerik, zu der die Kinder gehören, ­erarbeitete die Vereinsvorsitzende ­Kathrin Weber mit ihnen Grund­wissen. Und es fruchtete, sie konnten viel beantworten.

„Wer sind ihre Feinde?“, fragte Patrick Folkersna. „Katzen und Greif­vögel“, sagte Amelie Lotte Lawrenz (11). Sie und die anderen sind in dünne Wetterjacken gehüllt. „Die wurden von eno Energy Rerik gesponsert, außerdem erhielten wir heute ein Auto für uns“, sagte Kathrin Weber. „Wir bleiben am Fledermausthema dran und möchten Unterschlupfkästen bauen. Wo sie hinkommen, da ­bitten wir die Untere Naturschutzbehörde, uns zu beraten“, sagte sie.

Folkersna ließ die Kinder ein Spiel spielen, wo mit verbundenen Augen ein Kind ein anderes suchte. „So lernen sie, wie schwierig es ist, nur nach dem Gehör zu agieren“, sagte er. „Ich möchte Kindern beibringen wie nützlich Fledermäuse und das sie schützenswert sind.“ Der Teßmannsdorfer Wald und seine Umgebung ist Heimat einer Reihe von Fledermausarten. „Von den Vereinen aus betreuen wir im Nabu- Projekt das Artenschutzhäuschen in Teßmannsdorf.“

Kathrin Weber (v.l.), Ole Berg und Theodor Kruth schauten sich den Fledermausdetektor an, den Patrick Folkersna anbrachte. Quelle: Sabine Hügelland

In der Scheune des Künstlers Bruno Blank zeigte Patrick Folkersna den Kindern auch seine installierte Horchbox, die zur automatischen Erfassungen von Fledermausrufen dient. Ole Berg suchte mit der Taschenlampe, doch nur Schwalben ließen sich ­blicken. Blank: „Ich habe hier schon Fledermäuse beobachten können.“

Folkersna machte klar: „Gehölz­rodungen von unter anderem hohlraumreichen Altbäumen, Entwässerungen, Sanierungen von Altbauten und Versiegelung potenzieller Schlafplätze sind Schuld am Artensterben“, sagte der 66-Jährige. „Außerdem trägt die industrielle Landwirtschaft mit ihren Gifteinsätzen zur Gefährdung der Fledermäuse bei.“

Die Gifte töten auch ihre Nahrung: Insekten. „Bis zu 30 Prozent ihres Eigengewichtes kann eine Fledermaus vertilgen, das sind so an die 1000 Mücken“, erfahren die Kinder vom Experten und staunen.

Die Kinder des Reriker Grünolinos-Vereins waren auf der Spur nach Fledermäusen in Garvsmühlen. Quelle: Sabine Hügelland

„Ich finde Fledermäuse toll“, sagte Leonie Dorst (11). „Ich habe schon Fledermäuse gesehen“, sagte Svenja Mia Sophie Kelbel. Fledermäuse sehen mit ihren Ohren und mithilfe eines Echo-Ortungs-Systems. „Toll, sie unter­halten sich über Ultraschall“, so Ole Berg (11). Um sie zu schützen, „sollten Schmetterlings-und Nachtfalterpflanzen gepflanzt, auf Pestizide verzichtet, Altgehölz und Randstreifen an Gewässern stehen gelassen werden“, sagte Folkersna. Die Kinder wurden zwar immer müder, doch das Interesse blieb. So führte Bruno Blank die Gruppe zu der auch Dr. Andreas Schwienhorst, BUND-Ortsgruppe Salzhaff-Rerik, gehörte, auf seine ursprüngliche Kunstwiese, wo mit dem Detektor einige Fledermäuse zu hören waren. Gegen 23 Uhr an der Scheune ließen sie sich auch blicken. „Wir generieren wertvolle Daten mit der Horchbox, um Arten zu erfassen und Lebensräume zu kartieren“, sagte Dr. Schwienhorst. Naturschützer wollten nicht nur Chronisten des Artensterbens sein. „Sondern vielmehr die Daten nutzen, um Artenschutzaspekte bei der Projektplanung in der Region konkret einfließen zu lassen“, so Schwienhorst.

„Nach fünf Tagen konnten um die 2000 Rufsequenzen in der Scheune ­registriert werden. Das ist viel“, so Patrick Folkersna. „Auch eine Wochenstube muss dabei sein.“ Er lädt am 25. August zur Fledermausnacht ein. Start ist um 19.30 Uhr am Artenschutzhäuschen in Teßmansdorf. Geplant ist bis gegen 22 Uhr.

Sabine Hügelland

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