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Bad Doberan Bauamtsleiter reitet in den Ruhestand
Mecklenburg Bad Doberan Bauamtsleiter reitet in den Ruhestand
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19:00 26.04.2019
Kröpelins langjähriger Bauamtsleiter Rüdiger Kropp (vorn) reitet mit Freunden des Western- und Wanderreitens aus Groß Siemen in seinen Ruhestand. Quelle: Thomas Hoppe
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Kröpelin

Rockmusiker Klaus Renft soll Mick Jagger von den Stones zur Komposition des Titels Satisfaction angeregt haben. Das hatte gestern Rundfunk-Witzbold Leif Tennemann per Radio MV der Welt zum Frühstück serviert – insbesondere Rüdiger Kropp, den er am anderen Ende seiner Telefonspaß-„Strippe“ hatte. Doch der Schmadebecker Rockmusikfan, Jahrgang 1955, widersprach nachdrücklich, denn er kennt nicht nur die Renft-Biografie in- und auswendig, sondern auch alle Mitglieder der Band, die in der DDR gar mit einem Auftrittsverbot belegt worden war. Als das damals passierte, soll NVA-Rekrut Kropp 1976 mit einer C&A-Plastetüte, die eine Renft-Langspielplatte enthielt, ins Armeeobjekt marschiert sein: „Die Tüte haben sie mir sofort abgenommen, die LP der verbotenen Band nicht“, erinnerte sich der heute 63-Jährige lachend, nachdem ihn an diesem Freitagvormittag viele Brunchgäste auf den Radio-Spaß vom Morgen angesprochen hatten. Anlass des „Vorsicht-Leif“-Themas und des Essens in der Kröpeliner Mühle war die Verabschiedung von Rüdiger Kropp in den Ruhestand.

Sylvia-Marina Kühl: „Reiten Sie tatkräftig und zufrieden zu Ihrem Glück!“ Quelle: Thomas Hoppe

Nach seinen vier Lenzen als Bürgermeister der einstigen Gemeinde Schmadebeck, nach Jahrzehnten als Kröpeliner Bauamtsleiter seit Juli 1992 und vielen Jahren als Vize-Bürgermeister, der auch drei auf dem Chefposten arbeitete, sagten ihm Mitarbeiter jetzt herzlich danke. „Nicht immer war alles Friede, Freude, Eierkuchen – aber unterm Strich wurden die Aufgaben gemeinsam bewältigt“, schätzte die stellvertretende Bürgermeisterin und Kämmerin Sylvia-Marina Kühl ein und erinnerte daran, dass in Rüdiger Kropps Amtszeit bis zum Haushaltsjahr 2018 allein über 78 „investive Straßenbaumaßnahmen“ (ohne Instandhaltungen) erledigt worden seien – von der Dammstraße Kröpelin (1992) über „Am Hohlweg“ und „Zur Ostsee“ in Wichmannsdorf (1996), Auf dem Kamp sowie Grüner Weg (1998) bis zum Bahnhofsvorplatz (2018).

Noch als Schmadebecks Bürgermeister hatte der gelernte Kfz-Mechaniker sich an einem Wochenende mit dem damaligen Bad Doberaner Landtagsabgeordneten über die Probleme vor Ort unterhalten und erhielt danach für zwei Straßen eine Förderung: „Wir konnten gar nicht so schnell die Planung vorlegen.“

„Da wurde manche ,Schlacht’ mit den Behörden geschlagen“

„Auch die Sanierung, der Neubau und die Instandhaltung von Gebäuden, die Errichtung von Spielplätzen und anderen Freizeiteinrichtungen prägen die Arbeit des Bauamtes“, sagte die Kämmerin weiter und verwies unter anderem auf das Stadtholz, das Feuerwehrgebäude mit Bauhof und Sporttrakt in Kröpelin, das Dorfgemeinschaftshaus in Diedrichshagen, die Mühle und den Mehrgenerationsplatz auf dem Kamp: „Da wurde so manche ,Schlacht’ mit den zuständigen Behörden geschlagen.“

Rüdiger Kropp erinnert sich auch noch an den Kanalbau mitten in der Stadt – ohne Umgehungsstraße: „Das war eine harte Zeit. Man mochte nicht gern in die Stadt gehen – die Leute haben uns bombardiert wegen der Vollsperrung.“ Als bislang beste Baumaßnahme für Kröpelin sieht er die Errichtung der Umgehungsstraße.

Stadtvertretervorsteher Veikko Hackendahl dankte im Namen von derzeit vierzehn Kröpeliner Volksvertretern „und allen Einwohnern“: „Du hast Dich auch ohne Zögern als hauptamtlicher Bürgermeister zur Verfügung gestellt. Das war keine einfache Entscheidung, die Arbeitsbelastung war hoch – aber dieser Verantwortung hast Du Dich herausragend gestellt.“ Rüdiger Kropp sei ein „echter Typ“, der was riskiere, zu Entscheidungen stehe, auch wenn sie unpopulär seien: „Ich habe nie erlebt, dass sich Rüdiger Kropp verbogen hat.“ Sein Motto sei stets: „Immer den geraden Weg.“ Als Vorsitzender des Rechnungsprüfungsausschusses hätte er sich manchmal gefragt, ob man wirklich durch halb Deutschland fahren müsse, um irgend so ein Tonbandgerät für das Ostrockmuseum abzuholen: „Aber das Ergebnis straft meine Bedenken natürlich, es spricht für sich. Es war genau das Richtige!“ In Sachen Bahnhofstraße gab Veikko Hackendahl dem Ruheständler mit auf den Weg: „Der Bau der Straße ist die kleinste Hürde. Du hast dieses Projekt über Deine Amtszeit nie aus den Augen verloren und immer nach Möglichkeiten gesucht, es zu realisieren. Diese Beharrlichkeit ist das, was am Ende zum Ergebnis führt.“ Rüdiger Kropp reagierte gerührt und betonte die wichtige Rolle eines guten Kollektivs: „Es müssen immer alle mitziehen.“

„Wenn Rüdiger sich seine Meinung gebildet hat, hält er daran fest“

Der Planer von C&G Bauplanung Kröpelin, Andreas Geigle, der mit dem Bauamtsleiter bei der Erneuerung der Stadtbibliothek und der Einrichtung des Ostrockmuseums zusammengearbeitet hat, bescheinigte Rüdiger Kropp Korrektheit und nannte ihn gestern gegenüber der OZ einen Menschen, „der nicht viel aus seiner Person selber macht“, sondern die Bedürfnisse aller an einer Maßnahme Beteiligten im Blick hatte. Die Chefin des Kröpeliner Bauausschusses, Karin Reichler, erinnerte daran, dass anfangs „unterschiedliche Ansichten“ ihr Arbeitsverhältnis zum Bauamtsleiter bestimmte – „aber in letzter Zeit haben wir gut zueinander gefunden“. Dazu erklärte sie weiter: „Wenn Rüdiger sich seine Meinung gebildet hat, hält er daran fest. Da war es zunächst schwierig einen Kompromiss zu finden. Zum Schluss waren wir aber irgendwo auf der gleichen Wellenlänge, vertraten gleiche Interessen. Dadurch haben wir eigentlich gut zusammengearbeitet.“

Im Sommer reitet er durch die Mongolei

Gegen Mittag galt dann Sylvia-Marina Kühls Appell an Rüdiger Kropp: „Besteigen Sie getrost Ihr Steckenpferd und reiten Sie auf diesem guten Stück, tatkräftig und zufrieden zu Ihrem Glück!“

Kropp-Kumpel Roland Giering striegelte dafür bereits das Pferd des neuen Ruheständlers. Der 69-Jährige aus Dolglas meinte zum Rentnerleben: „Zuerst, vier Wochen lang, ist es ja wie Urlaub. Aber dann grübelt man schon nachts, was musst du morgen eigentlich machen – gar nichts. Das ist furchtbar und dauert eine ganze Weile.“ Das dürfte bei Rüdiger Kropp aber wohl kaum passieren: Am 4. Mai ist Reitergottesdienst in Kröpelin, am 5. Juli Dorfrock in Schmadebeck, im Sommer reitet er durch die Mongolei, im Herbst fischt er vor Norwegen . . .

Thomas Hoppe

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