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Bad Doberan Rüdiger Tremp bewahrt in Stülow ein Stück Mecklenburger Geschichte
Mecklenburg Bad Doberan

Rüdiger Tremp bewahrt in Stülow ein Stück Mecklenburger Geschichte

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15:00 13.02.2020
Rüdiger Tremp (57) hat in Stülow auf seinem Reithof Dokumente und Geschichten zur Pferdezucht in Mecklenburg zusammengetragen. Quelle: Anja Levien
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Stülow

Das Herz von Rüdiger Tremp schlägt für die Pferdezucht. Seine Familie züchtet in vierter Generation erfolgreich Pferde in Stülow. Diese Geschichte und die der Mecklenburger Pferdezucht hat der 57-Jährige jetzt in drei Räumen auf dem Reithof zusammengetragen. Dort finden sich Urkunden, Deckscheine, Zeitungsartikel und Bücher.

Seit 1821 werden in Stülow auf dem heutigen Reithof Tremp Pferde gezüchtet. In dem Jahr hatte Christian Bull den Hof mit Tieren und Geräten von seinem Vater geerbt. „Mein Großvater Johann Tremp hat in die Familie eingeheiratet“, erzählt Rüdiger Tremp, der 1990 den Reithof Tremp gründete.

Zeigen, was Menschen und Tiere geleistet haben

Die Pferdezucht ist eine Familientradition. „Wir haben Sportpferde gezüchtet, die Weltklasse haben“, sagt Rüdiger Tremp, der die Leidenschaft für das Pferd an seine vier Kinder weitergegeben hat. So findet sich in dem kleinen Museum auch eine Urkunde aus dem Jahr 2012. Auf der Landestierschau Mela ist seine Tochter Carolina Romanowski im Alter von acht Jahren für ihre Stute, Rasse Deutsches Reitpony, mit der silbernen Plakette ausgezeichnet worden.

„Ich möchte mit dem Museum zeigen, was Menschen und Pferde geleistet haben“, sagt Rüdiger Tremp, der viele Ausstellungsstücke von Züchtern erhalten hat. „Das soll nicht vergessen werden.“ Denn aus der Vergangenheit könne man lernen.

Napoleon ritt ein Mecklenburger Pferd

Mecklenburg ist das Land, wo das moderne Reitpferd entstanden ist“, sagt Rüdiger Tremp, zeigt auf ein Bild mit Napoleon auf einem Pferd. „Napoleon hat ein Mecklenburger Pferd geritten.“ 1714 seien die ersten Pferde nach ganz Deutschland verkauft worden, „weil es gute Reit-, Arbeits- und Militärpferde waren.“

Im 18. Jahrhundert entstanden große, bedeutende Zuchtstätten wie in Ivenack durch Graf von Plessen, in Basedow durch Graf von Hahn und in Zierow durch Baron von Biel, erzählt Tremp. Ende des 18. Jahrhunderts wurden Vollblüter aus England nach Mecklenburg aufs Festland geholt. „Es wurden reine Vollblüter gezüchtet, aber auch das bodenständige Mecklenburger Warmblut mit den Vollbluthengsten angepaart und damit die Vielseitigkeit und insbesondere die Reiteigenschaften sehr stark verbessert.“

Gestütsbuch von 1895 im Museum

Das alles kann in Büchern und anhand von Dokumenten im Museum nachempfunden werden. Dort findet sich auch das Gestütsbuch von 1895. Darin aufgeführt: Name, Abstammung und Fohlen der Stuten im Großherzogtum Mecklenburg-Schwerin. „Die Pferdezucht wurde gefördert, für die Stuten gab es Prämien“, erläutert Rüdiger Tremp. Alle Besitzer und Züchter, die genannt werden wollten, seien in dem Buch aufgeführt. Die mütterliche Linie der Pferde konnte so nachempfunden werden.

Bis zur Wende habe der Staat die Pferdezucht kontrolliert, was viele Dokumente beweisen. So gibt es auch ein Schreiben, das nahelegt, das Fohlen zum Schlachter zu geben, weil es für die Aufzucht nicht die geeignete Größe hatte.

Noch heute ist die Mecklenburger Zucht erfolgreich. Der Hengst Chacco Blue, in Groß Stieten bei Wismar geboren, ist der „Spitzenvererber im internationalen Turniersport“, ist in einem Artikel an der Museumswand zu lesen.

Engagement aus Liebe zum Pferd

Mecklenburg ist Pferdezuchtland. „Deshalb gab es hier auch die erste Rennbahn“, sagt Rüdiger Tremp, meint damit die zwischen Bad Doberan und Heiligendamm. Der Stülower war an der Wiederbelebung des Doberaner Rennvereins 1991 beteiligt. „1991 habe ich ein Probebauernrennen auf meinem Hof gemacht“, erzählt der gelernte Hufschmied.

Aus Liebe zum Pferd und um die Region zu fördern, habe er sich engagiert. Aus dem gleichen Grund habe sein Großvater 1950 schon Stuten- und Fohlenschauen organisiert. Die Liebe zum Pferd – sie liegt seit Generationen in der Familie.

25 Pferde hat Rüdiger Tremp noch auf seinem Hof, züchtet Mecklenburger und Deutsches Reitpony, früher auch Hannoveraner und Oldenburger. Wer etwas über die Pferdezucht und die Geschichte wissen möchte, kann sich auf dem Reithof Tremp melden und sich in den drei Räumen umsehen. Dort kann man auch altes Handwerk entdecken. Den Sattlerbock, auf dem Rüdiger Tremp Geschirre genäht und Trensen gefertigt hat. Oder einen Amboss, auf dem Hufeisen geschlagen wurden.

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Von Anja Levien

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