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Bad Doberan Doberaner Geschichte versteckt hinter Farbe
Mecklenburg Bad Doberan Doberaner Geschichte versteckt hinter Farbe
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18:00 26.03.2019
Restauratorin Andrea Jorke bearbeitet eine Säule mit einem Skalpell und deckt ältere Farbschichten auf. Quelle: Anja Levien
Bad Doberan

Mit einem Skalpell hockt Andrea Jorke vor einer Säule. Behutsam kratzt sie die oberste weiße Farbschicht ab und deckt damit die Vergangenheit auf. An der Säule im Salongebäude in Bad Doberan lässt sich Geschichte nachvollziehen. Zumindest, was die Optik des Raumes angeht, der 1802 als Schweizersaal entstand. Künftig sollen hier der Landrat und seine Dezernenten arbeiten. Ein restaurierter Streifen an der Wand erinnert dann an die Jugendstil-Zeit.

Das Salongebäude in Bad Doberan. Quelle: Anja Levien

Das Herzogliche Salongebäude an der August-Bebel-Straße wurde von 1800 bis 1802 als erstes klassizistisches Gebäude unter Leitung von Johann Christoph Henrich von Seydewitz und prägender Mitwirkung von Carl-Theodor Severin erbaut. „Es hat eine klare Entwurfshandschrift von Severin“, sagt Sabine Krahn-Schulze, Mitarbeiterin der Unteren Denkmalschutzbehörde im Landkreis Rostock. Im Erdgeschoss befanden sich kleine Läden, die Richtung Kamp orientiert waren. Sie waren zweigeschossig, im oberen Geschoss lag die Wohnung der Ladenbetreiber, so Krahn-Schulze.

Behindertengerechter Zugang wird gebaut

Heute nutzt der Landkreis Rostock das Salongebäude. Derzeit wird das Erdgeschoss renoviert, ein behindertengerechter Zugang gebaut. Durch die Arbeiten taucht auch die Geschichte des Hauses wieder auf. „Wir sind bei den Renovierungsarbeiten auf Farbfassungen gestoßen.“

Das Treppenhaus wurde beim Umbau zum Rathaus 1879 eingebaut. Vorher war hier der große Saal. Quelle: Anja Levien

Das heutige Treppenhaus war früher der große Saal. Von 1819 bis 1821 wurde dann der jetzige Festsaal angebaut. Als 1879 Doberan Stadtrecht erhält, wird das Salongebäude zum Rathaus und Amtsgericht umgebaut, die klassizistische Raumstruktur zerstört. In den großen Saal werden Decke und Wände eingezogen, das Treppenhaus entsteht, schildert Krahn-Schulze. „Das Haus erhielt eine Neorenaissance-Fassade, die 1956 wieder zurückgebaut wurde.“

In einem Raum, in dem sich früher der Schweizersaal befand, arbeiten die Restauratoren Andreas Baumgart und Andrea Jorke. „Die Trennwand wurde beim Renovieren rausgenommen, dabei wurden Malereien entdeckt“, sagt Andreas Baumgart. „Das untersuchen wir jetzt.“ Dabei sind die Restauratoren bereits auf sechs verschiedene Farbschichten gestoßen. Es sei die Kunst der Restauratoren die Farbfassung einer Zeit zuzuordnen, so Baumgart. So könne er sagen, dass der Raum ab 1879 einfarbig beige war mit einem Dielenboden.

Der Jungendstildekor (1905 –1915) an der Wand sei schnell erkennbar gewesen. Die Oberwände in weißgrün, dazu ein gemalter Sockel. „Die Fassung auf der Säule lässt sich eindeutig der Wand zuordnen“, sagt Baumgart. Der Restaurator habe das mit einem Mikroskop überprüft. „Ein breiter Streifen der erhaltenen Malerei soll künftig sichtbar sein“, sagt Krahn-Schulze. Ebenso der Träger, der verdeutliche, dass hier die Decke nachträglich eingezogen wurde.

Restaurator Andreas Baumgart bringt im Salongebäude in Bad Doberan, welches von der Kreisverwaltung genutzt wird, eine Wandmalerei aus der Zeit des Jugendstils (1905 bis 1915) ans Licht. Quelle: Anja Levien

Während Andrea Jorke an der Säule arbeitet, macht sich Andreas Baumgart an der Wand zu schaffen. Trennt die Tapete vorsichtig ab. Mit Bleistift haben die damaligen Maler die Linien für die Jugendstil-Wandmalerei gezeichnet. Sie sind heute noch sichtbar. Für die Ornamente sei mit Pauspapier gearbeitet worden. „Früher wurde verbranntes Zeitungspapier genutzt“, sagt Baumgart. Das wurde gegen das Pauspapier geklopft, der Staub legte sich an der Wand ab, das Ornament konnte nachgezeichnet werden.

Dokumente im Fußboden

Unter dem Fußboden im einstigen Schweizersaal im Salongebäude Bad Doberan sind alte Dokumente gefunden worden. Quelle: Anja Levien

Doch nicht nur die Wände geben Geschichte frei. Im Fußboden haben die Bauarbeiter einige Dokumente gefunden, darunter eine „Erlaubniskarte zum Holzsammeln in der Grossherzoglichen Doberaner Forst“ von 1912 von Heinrich Welk oder einen Bezugsschein für Heizmaterial von 1917.

Nicht mehr an den Wänden ist die Schweizer Tapete, die dem Saal seinen Namen gab. „Wo die ist, wissen wir nicht genau“, sagt Sabine Krahn-Schulze. „In der Festschrift zum 50-jährigen Stadtjubiläum 1929 habe ich gelesen, sie soll auf dem Dachboden liegen“, so Krahn-Schulze. In Bad Doberan habe es zwei Schweizer Tapeten gegeben, die sich durch Landschaftsmalerei auszeichneten. Eine im besagten Saal, eine andere in der Severinstraße, wo heute die Volks- und Raiffeisenbank ist. Eine Tapete ist heute im Deutschen historischem Museum in Berlin zu sehen.

Anja Levien

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