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Bad Doberan Salzhaff: Großes Buddeln für den Umweltschutz
Mecklenburg Bad Doberan Salzhaff: Großes Buddeln für den Umweltschutz
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15:00 12.10.2019
Gab gemeinsam mit rund 20 Helfern am Salzhaff bei Teßmannsdorf alles: Rebecca Kain vom Nabu-Regionalverband Mittleres Mecklenburg. Quelle: Lennart Plottke
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Teßmannsdorf

„Was war das denn?“ Einige der etwa 20 Frauen, Männer und Kinder halten am Uferstreifen zwischen den Teßmannsdorfer Tannen und der Hellbach-Mündung kurz in ihrer Arbeit inne, lauschen und warten auf den nächsten Vogellaut. „Das war ein Wiesenpieper“, erklärt Joachim Springer vom Naturschutzbund Mittleres Mecklenburg, wischt sich die Regentropfen aus dem Gesicht und schlägt seinen Spaten wieder kräftig in den aufgeweichten Sand.

Harte Arbeit: Nach dem Ausgraben mussten die Reifen zunächst entsandet werden. Quelle: Lennart Plottke

Denn auch darum sind die vielen freiwilligen Helfer hier: „Dieses Gebiet am Salzhaff ist der perfekte Rückzugsort für so viele Vogel-, Fisch- und Insektenarten“, sagt Rebecca Kain. „Hier können sie rasten, finden Nahrung und können sich fortpflanzen – das müssen wir unbedingt erhalten.“ Gemeinsam mit Projektkoordinator Springer sorgt die Rangerin des Naturschutzgebietes Riedensee an diesem Samstagvormittag dafür, dass alle Abläufe reibungslos klappen. Dabei haben sich die Naturschützer ein Menge vorgenommen – gilt es doch, mitten im EU-Vogelschutzgebiet „Wismarbucht und Salzhaff“ und dem Landschaftsschutzgebiet „Salzhaff“ gut 50 alte Reifen aus dem Boden auszugraben und abzutransportieren.

Geballte Quelle für Mikroplastik

„Die Reifen sind mittlerweile porös geworden stellen eine geballte Quelle für Mikroplastik dar, das im Bereich der Hellbach-Mündung kontinuierlich in das Salzhaff gelangt“, macht Joachim Springer deutlich. „Dort reichert es sich an und kann von Lebewesen wie Muscheln oder Fischen aufgenommen werden und über die Nahrungskette in die Mägen von Vögeln, Robben und uns Menschen gelangen.“ Besonders fatal: „Mikroplastik wirkt wie ein Magnet für Umweltgifte, die daran andocken und bei Aufnahme durch ein Lebewesen im Fettgewebe angereichert werden und krank machen können.“

„Der stürmische Wind hat dafür gesorgt, dass das Wasser vom Ufer weggehalten wird und wir so überhaupt an die Reifen rankommen.“ Patrick Folkersma, BUND-Ortsgruppe Salzhaff-Rerik Quelle: Sabine Hügelland

Um bewusste Umweltverschmutzung handele es sich hier aber nicht, sagt Patrick Folkersma, Mitglied der BUND-Ortsgruppe Salzhaff-Rerik: „Die Reifen wurden einst als Schutzwall in den Boden gebracht – jetzt müssen sie aber schleunigst raus.“ Dabei haben der Archäologe und seine Mitstreiter zum einen mit den schwierigen Bodenverhältnissen zu kämpfen – andererseits sind auch die nasskalten Wetterbedingungen alles andere als optimal.

Stürmische Winde halten Wasser ab

Wobei: „Das bisschen Regen stört uns nicht“, sagt Patrick Folkersma. „Wir können doch froh sein – der stürmische Wind hat in den vergangenen Tagen dafür gesorgt, dass das Wasser vom Ufer weggehalten wird und wir so überhaupt an die Reifen rankommen.“ Mit dem bloßen Ausgraben ist es aber nicht getan: Die anschließende Bergung ist aufwendig, weil die Reifen in einem eher unzugänglichen Bereich liegen.

„Deshalb sind wir froh, dass uns der Doberaner Ortsverband des Technischen Hilfswerks unterstützt,“ sagt Joachim Springer. „Mit einem Hägglunds-Fahrzeug können die Reifen jetzt abtransportiert und zu einer Sammelstelle gebracht werden.“ In der kommenden Woche würden die Altreifen schließlich durch Mitarbeiter des Umweltamtes fachgerecht entsorgt, so Springer: „Auch über diese Hilfe sind wir dankbar – das ist schon ein großer Kostenfaktor.“

Getanes Werk: Die Reifen wurden am Ufer abgelegt und durch das THW abtransportiert. Quelle: Lennart Plottke

Insgesamt gehe es bei diesem Leader-geförderten, interaktiven Bildungsprojekt darum, möglichst viele Menschen für den Umweltschutz zu sensibilisieren, betont Rebecca Kain: „Wir brauchen gar nicht mit dem Finger auf andere oder in die Ferne zu zeigen – wir alle können etwas tun. Direkt vor unserer Haustür.“

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Von Lennart Plottke

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