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Bad Doberan Satow: Schon immer ein Ort des Handwerks
Mecklenburg Bad Doberan Satow: Schon immer ein Ort des Handwerks
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14:00 17.05.2019
Günter Pierstorff (v.l.), Erhardt Liehr und Horst Allwardt vor der Kirchruine in Satow. Sie steht im Zentrum des Ortes. Quelle: Anke Kisters
Satow

Der Satower See mit angrenzendem Wald und hügeligem Gelände sowie die auf dem Pfarrberg thronende Kirche prägen das Ortsbild. Der See, die danebenliegende Schule, die denkmalgeschützte Kirchruine und das Gemeindeamt sind Zentrum des Ortes, in dem Dr. Monika Zielke lange Zeit lebte. Sie hat für das 800-jährige Bestehen des Ortes an einer Chronik gearbeitet.

Dr. Monika Zielke, Jahrgang 1941, stammt aus einer Flüchtlingsfamilie und erzählt: „Wir kamen zunächst aus Hinterpommern nach Rosenhagen. Einschneidende Veränderungen waren in jenen Jahren allgegenwärtig, besonders in der Landwirtschaft.“ Mit der Bodenreform erhielten auch in Satow etwa 48 Neubauern Grund und Boden, „aber wie und womit sollte er bewirtschaftet werden. Es gab kaum Vieh oder Traktoren noch andere landwirtschaftliche Geräte“. Hinzufügend klärt Monika Zielke auf, dass zu dieser Zeit die MTS, Maschinen-Traktoren-Stationen, gegründet worden seien. Eine solche Station habe es zum Beispiel in Radegast gegeben.

Dr. Monika Zielke lebte lange in Satow, heute in Rostock. Sie schrieb eine Chronik über den Ort. Quelle: Anke Kisters

Die Arbeiter arbeiteten auf den Böden der Neubauern. Sie erzählt von den ersten Häusern in Satow: „Man brauchte Traktoristen. Für diese Traktoristen wurden in Satow in der ersten Hälfte der 50er-Jahre Häuser gebaut. Das waren unter anderem die, die an der zur Schule führenden Straße stehen, in der ,Krumme Lanke‘. Es gab wegen der Wohnungsmisere in den 50er-/60er-Jahren fast eine Landflucht, weil nur für die MTS bzw. die Landwirtschaft gebaut wurde“.

Die älteren Zeitzeugen bestätigen, dass Satow schon immer ein Ort des Handwerks war. Es gab bereits um die Jahrhundertwende alle Handwerksbetriebe, die man benötigte: Glaser, Tischler, Schmiede, Baugesellschaften etc. In der PGH, Produktionsgenossenschaft des Handwerks, waren alle möglichen Gewerke vorhanden.

Nach der Wende wurde die PGH aufgelöst. Am härtesten traf es die Vertreter des Kfz-Handwerks. Man kaufte Autos „aus dem Westen“, und Kfz-Mechaniker wurden nicht mehr gebraucht.

Horst Allwardt, Dorfbewohner im Ruhestand, wurde 1942 in Satow geboren, wie bereits sein Vater. Der Kfz-Spezialist gründete nach der Wende sein eigenes Autohaus. 16 Jahre leitete er zuvor ein Autohaus in Kühlungsborn. Seine Kinder führen das Gewerbe nun weiter.

Kinder übernehmen Betrieb

Günter Pierstorff, 88 Jahre alt, wurde ebenfalls in Satow geboren und besuchte die Satower Schule: „Ich ging später nach Rostock. Danach arbeitete ich als Elektriker in Satow und lernte 1948 Autoschlosser“, erzählt er.

Auch Günter Pierstorff führte sein eigenes Autohaus. Er ging mit 70 Jahren in den Ruhestand. Seine Tochter und sein Sohn übernahmen seinen Betrieb. Er erinnert weiter: „Früher war der Ort ruhiger. Es gab nur einen Polizisten und während des Krieges nur zwei Autos. Die sechs Fleischer schlachteten selbst und verkauften die Artikel in Rostock. Jetzt gibt es nur noch ein Hotel und keine Gaststätten mehr. Man kennt die neuen Einwohner nicht. Damals waren wir ca. 700 Personen, man kannte sich und feierte gemeinsam, zum Beispiel Fasching. Das war immer sehr schön.“

Schlittenfahrt auf Hauptstraße im Winter

Die Hauptstraße des Ortes wurde von den Bewohnern im Winter zur Schlittenfahrt benutzt, weil die Gefahr des Verkehrs überhaupt nicht bestand. Unterstützend bei diesen Winterfreuden half die hügelige Landschaft.

Der See in Satow war schon früher Treffpunkt. Quelle: Anke Kisters

Der direkt am Campus der Schule angrenzende See war auch schon in den 50er-/60er-Jahren Treffpunkt. Am Wochenende machten Familien Ausflüge dorthin und badeten. Zu späterer Stunde wurde auch das Nacktbaden dort ganz aktuell. Die seit Jahrzehnten existierende Badestelle mit Steg dient vielen Einwohnern und in den Nachbarorten Ansässigen als Kommunikationspunkt. Jung wie Alt treffen sich dort.

Anke Kisters

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